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Corona-Krise

Erfolg der US-Fleischindustrie bröckelt

Halb leerer Teller mit zwei Burgern und US-Flagge im Hintergrund
am Montag, 25.05.2020 - 16:09 (Jetzt kommentieren)

Von einem deutlichen Rückgang der Fleischerzeugung in den Vereinigten Staaten geht das amerikanische Landwirtschaftsministerium für 2020 aus.

Damit könnte die Corona-Krise den ersten Einbruch der amerikanischen Fleischindustrie seit vielen Jahren herbeiführen. Das größte Minus von 5,1 Prozent erwartet das US-Agrarministerium (USDA) im laufenden Jahr bei der Rindfleischproduktion. Für Schweine- und Hähnchenfleisch sagen die Prognosen ebenfalls eine rückläufige Produktion voraus. Trotzdem sinken die Erzeugerpreise, während die Exporte steigen.

Insgesamt soll die Fleischproduktion in den USA laut neuester Schätzung 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent auf knapp 47 Mio. Tonnen sinken.

Jedoch geht das USDA schon für das kommende Jahr – unter der Voraussetzung, dass die Corona-Auswirkungen bis dahin abnehmen werden – von erneuten Produktionszuwächsen bei allen Fleischarten aus. Die Erzeugung könnte 2021 um 3,6 Prozent auf etwa 48,7 Mio. Tonnen steigen. Dies wäre ein neuer Rekordwert. Die höchste Zunahme wird mit 6,7 Prozent für Rindfleisch erwartet. Bei Schweine- und Geflügelfleisch gehen die US-Experten von einer um jeweils fast drei Prozent höheren Erzeugung aus. 

Produktion von Rindfleisch erholt sich nur langsam

Durch die Stilllegungen von Verarbeitungsbetrieben reduzierte sich die Rindfleischerzeugung im April 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als ein Fünftel. Nachdem US-Präsident Donald Trump eine Wiederaufnahme der Produktion in Schlachtbetrieben verfügte, stiegen die Schlachtungen im Mai leicht an. JBS, der größte Rindfleischhersteller in den USA, macht jedoch darauf aufmerksam, dass wegen der Corona-Auflagen die Kapazitäten nur zwischen 70 und 95 Prozent ausgelastet werden könnten. Bis zur vollständigen Auslastung werde es noch Monate dauern.

Die eingeschränkte Belieferung von Schlachtereien sorgte zuletzt für einen Preiseinbruch bei Schlachtrindern, während Rindfleisch im Handel immer teurer wurde. Teilweise wurde die Ware in den Läden rationiert. Laut USDA erreichten die Margen der Rindfleischvermarkter im Mai einen neuen Höchstwert. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Erzeugerpreis für männliche Schlachtrinder im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf ein Mehrjahrestief sinkt.

Viele Schweine nicht geschlachtet

Auch Schweineschlachtbetriebe mussten in den USA teilweise stillgelegt werden beziehungsweise mit geringerer Auslastung arbeiten. Ende April erreichte die Kapazitätsauslastung mit 58,5 Prozent ihren Tiefpunkt. Dadurch konnten viele Schweine nicht geschlachtet werden. Dem Nationalen Verband der Schweinehalter (NPPC) zufolge wurden bereits Tiere eingeschläfert. Der Verband warnte davor, dass möglicherweise Millionen Tiere gekeult werden müssten, wenn sich die Situation nicht schnell bessere. Gegenüber 2019 erwartet das USDA einen Rückgang der Schweinefleischproduktion um 0,7 Prozent. Damit würde der Boom der US-Schweinefleischerzeugung in diesem Jahr unterbrochen.

Einen erheblichen Zuwachs verzeichneten jedoch die Schweinefleischexporte nach China: Im Vergleich zum Vorjahr versechsfachten sich die Ausfuhren frischer und gefrorener Ware im ersten Quartal 2020 auf 216.000 Tonnen. Kritikern zufolge verursachten die Exporte Knappheit und höhere Preise auf dem heimischen Markt. Die Schweinefleischhersteller Smithfield und JBS kündigten indes Umrüstungen ihrer Betriebe an, um den heimischen Markt besser bedienen zu können.

Wegen des Überangebots am Lebensmarkt sanken die Erzeugerpreise für Schlachtschweine. Nach USDA-Prognose wird der Preis im Jahresmittel 2020 nur umgerechnet 0,88 Euro/Kilogramm Schlachtgewicht betragen – das wären rund zehn Prozent weniger als im bereits schwachen Vorjahr.

Geflügelfleisch übersteht Krise am besten

Mit 19,86 Mio. Tonnen erwartet das USDA eine Hähnchenfleischerzeugung, die sich nur knapp unter dem Vorjahresniveau befindet. Die stärkere Automatisierung bei der Herstellung sorgte für ein schnelleres Fortsetzen der Produktion. Da das Angebot die Nachfrage vermutlich decken wird, ist mit Preisschwächen zu rechnen. Für die Exporte von Hähnchenfleisch sagt das US-Landwirtschaftsministerium einen Anstieg von 3,6 Prozent voraus, was insbesondere mit der Wiederzulassung von US-Ware in China zu begründen sei.

Ein Produktionszuwachs wird lediglich beim Putenfleisch erwartet. Der minimale Anstieg von
0,3 Prozent sei laut USDA auf die noch immer steigenden Preise für Putenfleisch zurückzuführen.

Mit Material von Agra Europe
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