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Corona-Krise

EU-Geflügelwirtschaft vor dem Kollaps

Mehrere Masthähnchen
am Freitag, 05.06.2020 - 15:19 (1 Kommentar)

Seit Beginn der Corona-Krise erreichen in der EU pro Woche 20 Millionen Küken den Aufzuchtbetrieb nicht – trotzdem steigen die Importe aus Drittländern und die Preise sinken. COPA-COGECA warnt vor dem Konkurs vieler Betriebe, sollten sofortige Hilfen ausbleiben.

Wegen der Schließungen von Gastronomiebetrieben ist der Außer-Haus-Konsum von Geflügelfleisch in der EU weitestgehend zum Erliegen gekommen. Laut COPA-COGECA, der Dachorganisation der EU-Bauernverbände, macht dieser sonst 20 bis 40 Prozent des Verbrauchs aus. Auch die – trotz der Krise weiter zunehmenden – Geflügelfleischimporte aus Brasilien, Thailand und der Ukraine seien vorrangig für den Außer-Haus-Konsum bestimmt und könnten jetzt nicht mehr abgesetzt werden. Es bestehe daher ein Überangebot, Kühllager in ganz Europa seien voll ausgelastet und hätten mit steigenden Lagerkosten zu kämpfen, so COPA-COGECA.

In den letzten sieben Wochen sei der Preis für Geflügelfleisch um 12 Prozent zurückgegangen. Der Preisrückgang übe zusätzlich Druck auf die Erzeuger aus. COPA-COGECA warnt vor Arbeitsplatzverlusten in ländlichen Gebieten, solange sich die Situation nicht verbessert.

Dringender Handlungsbedarf

Die europäische Dachorganisation fordert schnelle Hilfen, damit die Geflügelerzeuger bei zurückkehrender Nachfrage ihre Produktion wieder aufnehmen können. Dabei dürften keine bürokratischen Hindernisse aufgestellt werden. Auch private Haushalte könnten einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten, indem sie vorübergehend Geflügelfleisch zu Hause lagern würden.

Zudem ruft COPA-COGECA dazu auf, die Investitionen der Erzeuger zu schützen und weiterhin den EU-Produktionsstandards zu folgen. Die Geflügelproduktion habe auf dem freien Markt unter den bestehenden Wettbewerbsbedingungen gut funktioniert. So produziere die Geflügelwirtschaft im Rahmen der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO), habe aber in der Vergangenheit selbst nie Hilfen beansprucht. Technischen Fortschritt und gestiegene gesellschaftliche Ansprüche beim Tierwohl und Umweltschutz hätten die Geflügelerzeuger immer umgesetzt.

Finanzielle Unterstützung sei jetzt notwendig, um die Ziele aus der Farm-to-Fork-Strategie zu verwirklichen. Das dafür notwendige Kapital übersteige jedoch deutlich den Betrag, der von der Geflügelwirtschaft im Moment aufgebracht werden könne.

Aufzuchtbetriebe arbeiten weit unter ihren Kapazitäten

Nach Schätzung von COPA-COGECA konnten seit Beginn der Corona-Krise etwa eine Milliarde Hähnchen nicht aufgezogen werden. Schließt man Enten- und Wachtelküken mit ein, konnten durchschnittlich 20 Millionen Tiere pro Woche nicht an einen Aufzuchtbetrieb übergeben werden. Teilweise stünden die Aufzuchtbetreibe komplett leer.

Insbesondere die auf Enten, Tauben, Wachteln, Perlhühner oder Gänse spezialisierte Branche habe Schwierigkeiten, ihre Produkte abzusetzen. Treten hier bei den Aufzuchtbetrieben Engpässe auf, sind diese sofort und für lange Zeit in der gesamten Wertschöpfungskette spürbar, so COPA-COGECA.

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