Login
Tierwohl

Ferkelkastration: Vion macht sich für Fristverlängerung stark

Thumbnail
Josef Koch, agrarheute
am
07.09.2018

Vion Food befürchtet ab 2019 in der Schweinebranche ein Chaos, wenn die Frist für das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration nicht verlängert wird.

Kastration eines Ferkels

Vion Food unterstützt als zweitgößter Schweinevermarkter die Initiative der Bundesländer
Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bayern, die Frist für das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab dem 1. Januar 2019 um mindestens drei Jahre zu verlängern.

„Trotz aller Anstrengungen der Land- und Fleischwirtschaft ist es bis heute nicht gelungen, für die Schweinehalter in Deutschland ein praktikables Verfahren zu entwickeln. Wir brauchen mehr Zeit“, sagt Dr. Heinz Schweer, Direktor Landwirtschaft bei Vion.

Zuvor hatte bereits Tönnies als größter Schweinevermarkter sich für die Einführung des 4. Weges stark gemacht. Der Konzern will die Abrechnungsmaske für Eber wegen Absatzproblemen ab Mitte September deutlich verschlechtern.

4. Weg wird immer noch geprüft

Dr. Heinz Schweer

Nach Einschätzung von Vion reichen die von der Bundesregierung zugelassenen Verfahren
nicht aus oder sind nicht umsetzbar. Die Immunokastration sei rechtlich zwar zulässig und
werde von Tierärzten favorisiert.

Nach Markteinschätzung von Vion findet Fleisch von geimpften Ebern bei nationalen und internationalen Kunden aber keine Akzeptanz. Eberfleisch selbst kann nur in einem begrenzten Markt im In- und Ausland abgesetzt werden, der höchstens 10 Prozent der inländischen Produktion umfasst.

Eine Narkose mit Isofluran ist bis heute arzneimittelrechtlich nicht zugelassen. Entscheidend ist aber, dass es nicht genügend Nutztierärzte gibt, die dieses nur von ihnen durchzuführende Verfahren in der Praxis umsetzen können.

Dr. Schweer: „Es bleibt aus unserer Sicht derzeit der vierte Weg über die Lokalanästhesie, wie sie in Schweden und Dänemark in der Hand des Landwirts zugelassen ist.“ Die Prüfung, ob dieses Verfahren den deutschen gesetzlichen Ansprüchen entspricht, läuft noch, ebenfalls die Zulassung geeigneter Medikamente.

Ohne Verlängerung droht Krise

Vion sieht eine dramatische Entwicklung auf die Ferkelerzeuger, Mäster und
fleischverarbeitenden Unternehmen zukommen, wenn der Bundesrat am 21. September
2018 gegen eine Fristverlängerung stimmen sollte.

„In der Ferkelerzeugung droht dann ein Strukturbruch. Die Fleischvermarktung wird noch komplexer und unübersichtlicher“, befürchtet der Vion-Experte.

Unabhängig vom Ausgang der politischen Entscheidungen sieht sich Vion gegenüber seinen Lieferanten verpflichtet, ab 2019 alle angelieferten Schweine abzunehmen.

Auch interessant