Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Exklusiv

Fleisch aus Deutschland: Neues Supermarkt-Label ab Frühjahr?

Fleisch-Fleischregal-Supermarkt
am Donnerstag, 19.01.2023 - 21:01 (Jetzt kommentieren)

Exklusiv: Möglicherweise wird noch im Frühjahr 2023 Fleisch in Supermärkten hierzulande besonders gekennzeichnet, wenn es aus Deutschland stammt. Wie agrarheute erfahren hat, finden derzeit entsprechende Verhandlungen zwischen den Wirtschaftsbeteiligten statt.

Noch im Frühjahr dieses Jahres könnte Fleisch aus Deutschland in Supermärkten als solches besonders gekennzeichnet werden. Das erklärte Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), heute gegenüber agrarheute. Neben seiner Position beim ZDG ist Ripke Vorstandsmitglied der Zentralen Koordination Handel-Landwirtschaft (ZHKL), einer Dialogplattform der Lebensmittelkette, in der unter anderem der Deutsche Bauernverband und der Handelsverband Deutschland vertreten sind.

Verhandlungen in der ZHKL über freiwillige Haltungskennzeichnung

In der ZHKL werde laut Ripke derzeit über eine freiwillige Herkunftskennzeichnung für Fleisch verhandelt. Der ZDG-Präsident betonte gegenüber agrarheute die hohe Bedeutung, die eine Kennzeichnung der Herkunft von Fleisch für ihn habe. Er sagte: „Eine Herkunftskennzeichnung ist für mich das Wichtigste.“ Falls alle Beteiligten sich einig würden, könne ein solches Label bereits ab Frühjahr kommen. Teilnehmen würden an der Kennzeichnung, so Ripke, dann möglicherweise alle großen Supermärkte, also die wichtigsten Akteure im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH).

Haltungskennzeichnung bereits im Handel

Eine einheitliche privatwirtschaftliche Fleisch-Kennzeichnung der Haltungsform gibt es im deutschen LEH bereits seit April 2019. Sie gilt für Fleisch aus landwirtschaftlichen Betrieben, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen. Als das Label eingeführt wurde, hatte die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner es als unzureichend kritisiert. Zwar sei es ein erster Schritt, doch sortiere der Handel nur ein, was es schon gebe. Wesentlich weiter würde ihr geplantes staatliches Label gehen, das in der damals angedachten Form jedoch nicht zur Umsetzung kam.

Wann kommt eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung?

Verpflichtend gekennzeichnet wird in Deutschland bereits heute unverarbeitetes, vorverpacktes Fleisch von Geflügel, Schafen, Schweinen und Ziegen. Dabei müssen sowohl das Land der Aufzucht als auch das der Schlachtung auf der Verpackung angegeben werden. Ob diese Kennzeichnungspflicht ausgeweitet wird, beispielsweise auf verarbeitetes Fleisch, wird derzeit auf EU-Ebene diskutiert. Ein entsprechender Vorschlag der EU-Kommission soll laut Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir noch Anfang dieses Jahres kommen. Bis zum Abschluss des gesetzgeberischen Prozesses und der Umsetzung im Handel dürften allerdings mehrere Jahre vergehen. Eine freiwillige Lösung, wie sie laut Ripke derzeit angestrebt wird, könnte wesentlich schneller im Markt umgesetzt werden.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...