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Fleischerzeugung

Fleischproduktion sinkt in Deutschland im Rekordtempo

Zerlegung von Schweinefleisch
am Mittwoch, 08.02.2023 - 10:54 (4 Kommentare)

Die Fleischerzeugung ist in Deutschland im vergangenen Jahr so schnell gesunken wie nie zuvor.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, ging die Fleischproduktion 2022 gegenüber dem Vorjahr um 8,1 Prozent oder 0,6 Millionen Tonnen auf 7 Millionen Tonnen zurück. Die Fleischerzeugung ist damit im sechsten Jahr in Folge seit dem Rekordjahr 2016 gesunken, aber nie so stark wie 2022.

Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren in Deutschland noch 8,3 Millionen Tonnen Fleisch durch gewerbliche Schlachtunternehmen erzeugt worden. Der Rückgang im vergangenen Jahr war bei Schweine- und Rindfleisch deutlich stärker als bei Geflügel.

Schlachter importieren mehr lebende Schlachtschweine

Grafik der Fleischproduktion in Deutschland

Da immer mehr Landwirte in Deutschland die Schweinehaltung aufgeben, machte sich das in der Produktion von Schweinefleisch erheblich bemerkbar. So brach die Zahl der Schweineschlachtungen laut Destatis 2022 um 9,2 Prozent oder 4,8 Millionen Stück auf 47 Millionen Schweine ein.

Dabei kamen vor allem weniger Schweine aus heimischer Produktion an die Haken. Die Schlachtungen von Schweinen inländischer Herkunft verringerten sich um 9,6 Prozent auf knapp 45,8 Millionen Tiere. Die Schlachtunternehmen versuchten, die Lücke teilweise durch vermehrte Importe lebender Schlachtschweine zu schließen. Daher nahmen die Schlachtungen importierter Schweine um 6,5 Prozent auf 1,2 Millionen Tiere zu.

Dennoch ging die gesamte Erzeugung von Schweinefleisch – auch aufgrund verringerter Schlachtgewichte – um 9,8 Prozent auf 4,5 Millionen Tonnen zurück. Zum Vergleich: Das waren 1,1 Millionen Tonnen oder fast 20 Prozent weniger Schweinefleisch als noch 2016 in Deutschland produziert wurden.

Das sind die Ursachen der Misere der Schweinefleischproduktion

Die seit längerem sinkenden Schweinebestände, geringere Ferkelimporte, stark gestiegene Betriebskosten, eine nachlassende Schweinefleischnachfrage, rückläufige Drittlandsexporte, Probleme mit Hofnachfolgern sowie zunehmende Auflagen und fehlenden Planungssicherheit durch die Politik sind laut Analysten wesentliche Faktoren für den Niedergang der hiesigen Schweineproduktion.

Dieser war im vergangenen Jahr in allen Bundesländern zu spüren. Ausnahme war Sachsen, wo die Schweineschlachtungen auf geringem Niveau um 16,9 Prozent auf 217.580 zulegten. Mit 16,10 Millionen Tieren kamen die meisten Schweine in Nordrhein-Westfalen an die Haken; im Vorjahresvergleich war das ein unterdurchschnittliches Minus von 5,7 Prozent. Dahinter folgte Niedersachsen mit 15,06 Millionen geschlachteter Schweine, was einen Rückgang von 10,8 Prozent entsprach.

Deutlich weniger Kühe geschlachtet

Die Zahl gewerblich geschlachteter Rinder sank in Deutschland im vergangenen Jahr gegenüber 2021 um 7,8 Prozent auf knapp 3 Millionen Tiere.

Ausschlaggebend war der Rückgang der Schlachtungen von Kühen um gut 10 Prozent auf nur noch 1 Million. Aber auch die Zahl geschlachteter Bullen entwickelte sich rückläufig mit einem Minus von 6,6 Prozent auf 1,1 Millionen Stück.

Die Produktion von Rindfleisch fiel daher in Deutschland im vergangenen Jahr mit 985.000 Tonnen um 8,2 Prozent kleiner aus als 2021.

Produktion von Putenfleisch geht ebenfalls zurück

Auch beim Geflügelfleisch ging die inländische Erzeugung 2022 zurück, aber weniger stark als die Produktion von Schweine- und Rindfleisch. Nach Angaben der Wiesbadener Statistiker sank die Menge an erzeugtem Geflügelfleisch um 2,9 Prozent auf gut 1,5 Millionen Tonnen.

Grund dafür war insbesondere die um 8 Prozent auf 0,4 Millionen Tonnen gesunkene Erzeugung von Putenfleisch. Stabiler war die Produktion von Jungmasthühnerfleisch, die lediglich um 0,6 Prozent auf 1,1 Millionen Tonnen bröckelte.

Mit Material von Destatis, AgE

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