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Rindermarkt und Rinderpreise

Höhenflug der Rinderpreise zu Ende? – Die Fakten sprechen dagegen

Bullenmast.
am Montag, 05.07.2021 - 12:42 (Jetzt kommentieren)

Die Rinderpreise sind so hoch wie seit Jahren nicht. Anfang Juli kommt die Preisrallye zumindest bei Bullen etwas ins Stocken.

bullenpreise.

Offenbar haben die hohen Preise zuletzt mehr Angebot angezogen und die Nachfrage hat sich mit dem Ferienbeginn etwas abgeschwächt. Fakt ist aber: Reichlich sind die männlichen Rinder auf keinen Fall! Der Bestand an Jungbullen zwischen einem und zwei Jahren war laut Viehzählung fast 5 Prozent kleiner als im Mai vor einem Jahr. Im Vergleich zum Bestand von vor zwei Jahren halten die deutschen Rindermäster sogar 10 Prozent weniger Bullen. Das heißt auch: In nur zwei Jahren ist die Zahl der Jungbullen von rund 910.000 auf nur noch knapp 820.000 geschrumpft.

Dieser drastische Bestandsabbau macht eines deutlich: Das Angebot wird auch die nächsten Monate klein bleiben. Gleichzeitig gehen alle Daten und Prognosen von einer mindestens stabilen Rindfleischnachfrage in Deutschland aus. Das bedeutet auch: Die Lücke zwischen Angebot und  Nachfrage wird eher größer und das hat natürlich Einfluss auf die Preise.

Ein Grund für den starken Bestandsabbau waren neben der coronabedingten Absatzkrise auch die explodierenden Futterkosten. Diese Konstellation dürfte in den letzten 12 Monaten die Entscheidung vieler Rindermäster zum Ausstieg aus der Produktion beeinflusst haben. Mit dem Ende des Lockdowns und der Öffnung der Gastronomie hat die Rindfleisch-Nachfrage zwar wieder deutlich angezogen - zumindest bei Bullen haben die hohen Preise zuletzt jedoch auch mehr Tiere auf den Markt gezogen. Allerdings könnten diese schneller vermarkteten Bullen in einigen Wochen fehlen und die Versorgungslücke wäre dann um so größer.

Fakt ist jedenfalls: Die Daten der BLE zeigen für die letzten Wochen einen Anstieg der Angebotszahlen bei Jungbullen. Die Folge: Die Schlachtung war in der zweiten Junihälfte zwischen 5 und 3 Prozent höher als im Vorjahr. Das ist auch der Grund  für die stagnierenden oder leicht unter Druck geratenen Bullenpreise. In der vorigen Woche haben die Schlachter für R3 Bullen im Mittel 3,94 Euro je kg SG gezahlt und damit etwa so viel wie in den beiden Wochen zuvor.

Die VEZG berichtete vorige Woche jedoch, dass die Versuche der roten Seite zugenommen haben, die  Bullenpreise nach unten zu drücken. In „normalen Jahren“ gehen die Preise während der Sommermonate aus saisonalen Gründen eigentlich zurück und steigen dann im Herbst wieder an, um dann zum Ende des Jahres ihren höchsten Stand zu erreichen. In diesem Jahr ist aber alles anders: Die Bullenpreise sind seit dem Frühjahr gestiegen und halten sich bisher auf den höchsten Niveau seit reichlich drei Jahren.

Schlachtkuhpreise auf 9-Jahreshoch - auch Färsenpreise sehr hoch

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Bei Schlachtkühen und Färsen ist der Preisanstieg noch drastischer als bei Bullen. Die Schlachtkuhpreise waren Ende Juni so hoch wie zuletzt vor 9 Jahren – und könnten diesen Rekord sogar noch brechen, denn zuletzt ging es immer weiter nach oben, wenn auch etwas langsamer. Anders als bei Bullen, erreichen die Preise für Schlachtkühe aus saisonalen Gründe im Sommer eigentlich ihren Höhepunkt. Denn: Das Angebot ist dann besonders klein, weil viele Tiere auf der Weide sind.

Erst mit dem Weideabtrieb im Herbst gibt es auf den Betrieben dann wieder eine stärkere Selektion. Die Preise fallen dann in der Regel bis zum Ende des Jahres. Auch das läuft dieses Jahr möglicherweise anders, denn das Angebot ist extrem knapp. In der zweiten Junihälfte meldete die BLE jedenfalls Schlachtzahlen die rund 7 Prozent niedriger waren als im Jahr zuvor. In Deutschland stammt aber ein Drittel des ingesamt erzeugten Rindfleisches von Kühen, etwa 45 Prozent kommt von Bullen, 16 Prozent von Färsen – und der Rest von Kälbern, Ochsen und Jungrindern.

Das heißt aber auch: Ein Rückgang der Kuhschlachtung macht sich beim Fleischangebot deutlich bemerkbar, zumal auch der Fleischanfall aus der Färsenschlachtung im Juni zwischen und 4 und 5 Prozent niedriger war als im vorigen Jahr. Den Angebotsrückgang bei weiblichen Tieren bestätigte auch die Viehzählung: Im Mai 2021 wurden etwa 2 Prozent weniger Kühe gehalten als im Mai 2020 – und 4,5 Prozent weniger als im Mai 2019. In Zahlen heißt das: Seit Mai 2019 schrumpfte die Zahl der Milchkühe in Deutschland von 4,07 Millionen auf 3,89 Millionen Tiere. Das ist ein Rückgang von immerhin 176.000 Kühen.

Die Zahl der Färsen (über 2 Jahre) nahm im gleichen Zeitraum noch weitaus drastischer ab: Nämlich um mehr als 10 Prozent! Und auch die Zahl der weiblichen Jungrinder unter 2 Jahren ging deutlich zurück. Die Hauptgründe für den Bestandsabbau bei weiblichen Tieren sind die anhaltend niedrigen Milchpreise und die sehr hohen Futterkosten – eine  geradezu toxische Mischung für die Milchbauern.

Das Gute daran is aber: Das sehr knappe Angebot hat die Preise für Schlachtkühe auf den höchsten Stand seit 9 Jahren getrieben. Für Schlachtfärsen zahlten die Schlachter zuletzt etwa so viel Geld wie vor knapp 4 Jahren. Ende Juni lag der Auszahlungspreis für Schlachtkühe der Handelsklasse R3 im Bundemittel bei 3,56 Euro je kg SG. Für O-3-Kühe bekamen die Bauern im Mittel 3,41 Euro und für die leichte P2-Kühe wurden noch 2,95 Euro gezahlt. Für R3-Schlachtfärsen waren die Preise zuletzt auf 3,76 Euro je kg SG geklettert – mit weiter steigender Tendenz.

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