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Rindfleisch

Hohe Preisabzüge für zu schwere Bullen

am Freitag, 29.03.2019 - 09:07

Immer mehr Rinderschlachter ziehen Geld für zu schwere Bullen ab. Experten haben zusammengestellt, wie hoch die Abzüge sind und wie Mäster reagieren müssen.

Schärfere Abzüge bei Vion

schlachthof

Die Rinderschlachter haben vermehrt Probleme mit zu schweren Jungbullen. Über ein Schlachtgewicht von 470 bis 480 kg hinaus wird die Teilstückverwertung zum Problem. Die führenden Schlachtunternehmen wenden daher seit kurzem Abrechnungsmasken an, die zu schwere Jungbullen mit hohen Abzügen bestrafen. "Für die Mäster kann das teuer kommen", warnt Dr. Frank Greshake, Geschäftsführer der Viehvermarktung Rheinland (VVR).

"In den vergangenen Monaten merkte man, dass bei Schlachtgewichten über 500 kg nichts mehr zu verhandeln ist, zunehmend auch nicht mehr über 480 kg", sagt Greshake.

Vion Food habe schon 2018 deutliche Signale für Preisabzüge in den Markt gegeben. Die Firma Tönnies versandte nun ein Anschreiben an ihre Lieferanten mit einem Abrechnungsmodus für Jungbullenschlachtkörper – gültig seit 1. März 2019. Die Abzüge für zu schwere Tiere (Handelsklasse U/R) sehen wie folgt aus:

Das ziehen Tönnies und Vion für Übergewichte ab
Schlachtgewicht   Tönnies Schlachtgewicht Vion Food
bis 479,9 kg   Basispreis

bis 480 kg

Basispreis
480 bis 499,9 kg   -5 Cent/kg bis 490 kg -5 Cent
500 bis 519,9 kg   -10 Cent/kg bis 500 kg -10 Cent
520 bis 539,9 kg   -20 Cent/kg bis 510 kg

-15 Cent

      über 510 kg -10 Cent/10 kg Übergewicht
         

Damit ist der Abzug über 480 kg bei Vion Food noch etwas schärfer als bei Tönnies.

So ziehen andere Schlachtunternehmen Geld ab

Bei der Westfleisch eG ist ein oberstes Schlachtgewicht für die „Partnerverträge“ auf 495 kg festgelegt. Auch ab dann erfolgen Abzüge von 5 Cent, ab 500 kg alle 10 kg minus 5 Cent. Dabei muss man aber wissen, dass auch beim Vertragsbetrieb der nachzuzahlende Bonus nur für Jungbullen bis 450 kg gilt. Den Sonderbonus gibt es für alle Jungbullen.

Für einen großen Jungbullenlieferanten von jährlich 250 Jungbullen sind 30 Euro Bonus auch noch „fehlendes“ Geld, wenn die Gewichte zu stark steigen.

Bei freien Bullenlieferanten zieht die Westfleisch in der Regel bei Schlachtkörpern ab 490 kg 5 Cent ab, ab 500 kg entsprechend mehr.

Beim Bochumer Fleischhandel werden auf jeden Fall Bullen über 500 kg gemaßregelt.

Bei Müller-Fleisch sieht es etwa so aus:

  • 480 bis 500 kg SG--->  – 5 Cent/kg
  • über 500 kg           ---> – 5 Cent je 10 kg Übergewicht

Fleisch von zu schweren Bullen ist schwer zu vermarkten

Das Problem: Die edlen Teilstücke aus Rücken und Keule von zu schweren Bullen werden vermarktungstechnisch zu schwer. Der LEH will sie nicht mehr. Und wenn man bei Bullen bei diesem oder noch höheren Schlachtgewichten Rouladen aus der Keule schneide, seien diese zu groß, führt der Rinderexperte aus. Und wer wolle schon Rouladen mittelgroß schneiden und den Rest als Hackfleisch vermarkten? Gleiches gelte für Steaks oder T-Bone-Steaks.

Der Druck zu marktgerechten Standardgewichten kommt aber noch von einer anderen Seite: Deutschland liegt beim Selbstversorgungsgrad für Rindfleisch jetzt bei 95 Prozent. Die Exporte Deutschlands fallen, die Importe nehmen zu. Die Südamerikaner können aus Millionen von Schlachtkörpern die exakt passenden Teilstücke heraussuchen. Billiger sind diese zudem, auf der Reise gut gereift, vakuumiert und mit organischer Säure behandelt, damit sie nach dem Anschnitt nicht dunkel verfärben. Das ist bei uns nicht erlaubt.

Wie Bullenmäster reagieren müssen

Greshake empfiehlt Bullenmästern, mehr als bisher die Schlachtgewichte im Auge zu halten. Den Blick auf das Geburtsdatum für den zweijährigen Geburtstag müsse man ohnehin immer wieder schärfen.

"Bullenmäster werden sich wohl daran gewöhnen müssen, bei gut wachsenden einheitlichen Bullenpartien wirklich zu prüfen, welches Schlachtgewicht die Tiere erreichen", meint der Vermarktungsexperte. 

Die Preisabzüge seien deutlich und zunehmend nicht mehr verhandelbar. Jungbullenschlachtgewichte über 470 bis 480 kg seien auch in einem Bereich, wo produktionstechnisch das Optimum überschritten werde.

Natürlich vermarkte jeder Jungbullenmäster seine Tiere am liebsten partieweise. Einzelne Tiere herauszuholen sei aufwendig und oft auch gefährlich. "Bei anschließenden Rangkämpfen hat es oft bei der Folgelieferung Teilschäden gegeben, die richtig ins Geld gehen", so Greshake.

"Trotzdem: Die Jungbullenschlachtunternehmen sind sich jetzt relativ einig: Zu schwere Bullen wollen sie nicht mehr! Auch nicht zu Zeiten, in denen die Jungbullen knapp sind."