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Afrikanische Schweinepest

Importstopp für Deutschland verteuert Schweinefleisch in China

schweinehälften für den export.
am Freitag, 25.09.2020 - 05:30 (Jetzt kommentieren)

Das Einfuhrverbot für Deutschland trifft Chinas drittgrößten Lieferanten von Schweinefleisch und hat nicht nur für den deutschen Markt erhebliche Folgen.

Am ohnehin extrem knapp versorgten chinesischen Markt fehlen die deutschen Lieferungen nämlich und sie sind – wenn überhaupt – wohl nicht so schnell zu ersetzen.

Deutschland hat in diesem Jahr insgesamt 14 Prozent der rekordhohen chinesischen Schweinefleischimporte geliefert. In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat sich der deutsche Export verdoppelt, nachdem die chinesische Produktion – auch wegen ASP – drastisch geschrumpft war.

Nun berichten chinesischen Medien und Nachrichtenagenturen über steigende Preise für Schweinefleisch – offenbar vor allem bei den in China sehr beliebten Schweinerippchen.

Deutschlands Lieferungen fehlen – Preise steigen

Fleischtheke in China.

Die Preise für die in China extrem beliebten Schweinerippchen stiegen steil an, nachdem Peking die Einfuhr von Schweinefleisch vom Hauptlieferanten Deutschland gestoppt hat, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Schweinerippchen gehören zu den meistverkauften Fleischmahlzeiten in China.

Viele Restaurants sind jedoch auf Importe angewiesen, da diese derzeit bis zu zehnmal billiger sind als die lokalen Produkte, wird berichtet. Nachdem Peking jetzt alle deutschen Schweinefleischimporte gestoppt hat, sind die Preise für gefrorene Rippchen drastisch gestiegen und erhöhen die Kosten der Restaurant-Betreiber.

Deren Kunden sind nach der Coronavirus-Epidemie gerade erst wieder zurückkommen und sollen nicht durch neuerliche Preiserhöhungen verschreckt werden. Der Preisanstieg ist auch darauf zurückzuführen, dass inländisches Schweinefleisch aufgrund der starken Dezimierung des chinesischen Schweinebestandes nach zahlreichen Ausbrüchen der afrikanischen Schweinepest noch immer sehr knapp und teuer ist.

Importe zum Vorjahr verdoppelt – Schweinebestand wächst wieder

Fleischer in China.

Chinas Schweinefleischimporte haben sich im August gegenüber dem Vorjahr auf 350.000 Tonnen verdoppelt. Dies zeigten die aktuellen chinesischen Zolldaten. Allerdings haben sich die Importe gegenüber dem Rekordwert des Vormonats von 430.000 Tonnen etwas verlangsamt, da Coronavirus-Ausbrüche in einigen Fleischfabriken (unter andern auch bei Tönnies) die Lieferungen aus wichtigen Exportländern verringerten.

Von Januar bis August summieren sich Chinas Schweinefleischimporte bisher auf 2,91 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 134 Prozent gegenüber 2019. Doch die Importe könnten sich nun weiter abschwächen, nachdem China Lieferungen aus Deutschland, seinem drittgrößten Lieferanten, gestoppt hat.

Allerdings wird auch erwartet, dass Chinas eigene Produktion allmählich wieder anzieht, nachdem die chinesischen Behörden meldeten, dass der Schweinebestand im August gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent gewachsen ist. Die chinesischen Schweinefleischpreise waren Anfang September auf 44 Yuan pro kg gesunken, nachdem sie im Juli noch bei 51 Yuan lagen. Trotz des Rückgangs sind die Preise jedoch noch immer doppelt so hoch wie im Vorjahr.

Die Importe von Schweinefleisch, einschließlich Innereien, beliefen sich im August sogar auf 450.000 Tonnen, was die Gesamtimporte des Jahres bis August auf 3,83 Millionen Tonnen erhöhte.

Andere europäische Lieferanten – wie Spanien und Dänemark profitieren

Rippchen an der Fleischtheke.

Importiertes Schweinefleisch, normalerweise gefroren, wird überwiegend von Restaurants und Kantinen als von Supermärkten verwendet, in denen Verbraucher lieber frisches Fleisch aus der Region kaufen.

Die Preise für importierte Rippchen sind jedoch zuletzt weitaus stärker gestiegen als für andere Schweinefleischstücke, da Deutschland ein so großer Lieferant ist, sagte Liu Xiaofeng, von der Beratungsfirma Meat International Group gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Mai wurden fast 20.000 Tonnen Spareribs nach China verschifft, sagte er. Die Preise stiegen zuletzt von 38 Yuan pro Kilo auf 44 Yuan. Die USA, Chinas größter Schweinefleischlieferant, verbrauchen selbst mehr Rippen als die europäischen Länder, was bedeutet, dass die Amerikaner Chinas Lücke kaum stopfen können.

Spanien, ein weiterer wichtiger Rippchen-Lieferant Chinas, wird mit anderen europäischen Lieferanten wie Dänemark und den Niederlanden von den steigenden Preisen profitieren, glauben Analysten. Chinesische Rippchen wurden zuletzt für 52 Yuan pro Kilogramm gehandelt – und damit noch deutlich teurer als die Importware.

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