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Kälbermarkt

Kein Geld mehr für Kälber – Preise am Boden

Kälber
am Montag, 11.11.2019 - 14:51 (1 Kommentar)

Weibliche Kälber kosten weniger als ein Kanarienvogel: Was sind die Gründe?

Für schwarzbunte Kälber bekommen Bauern derzeit kaum noch Geld: Im Oktober lag der Preis für Bullenkälber unter 50 Euro. Im Mai waren es noch fast 105 Euro.

Noch schlimmer sieht es für weibliche Kälber aus: Danach bekamen Landwirte im Oktober im Mittel nur noch 8,49 Euro für ein Kuhkalb. Im Mai lag der Preis noch bei gut 25 Euro. Auch das war schon erheblich weniger als in den vergangenen Jahren.

Einige Bauern haben für ihre Kuhkälber noch weniger Geld bekommen - zum Teil nur  noch einen Euro pro Tier - oder sie finden erst gar keinen der die Tiere überhaupt abholt.

Transportverbote sorgen für Angebotsstau

Kälber

Ein wesentlicher Grund für den Preisverfall ist der Ausbruch der Blauzungenkrankheit. Der Bauernverband kritisiert, dass einzelne Veterinärämter aus diesem Grund  keine Genehmigungen für Kälbertransporte in andere EU-Länder erteilten.

Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Bauernverbandes, sagte dazu: „Das führt direkt und unmittelbar zu einem starken regionalen Angebotsüberhang und zu diesem Preisverfall. Dieses Verhalten der Behörden halten wir für untragbar.“

Hintergrund ist: In spezialisierten Milchviehbetrieben werden nicht alle geborenen Kälber benötigt. Deshalb werden die männlichen Tiere zur Weitermast entweder an Bullenmäster – oder an spezialisierte Kälbermäster etwa in den Niederlanden und Spanien weiterverkauft.

Die weiblichen Tiere werden zwar überwiegend in der Milchproduktion eingesetzt, zur Produktion nicht benötigte Kuhkälber werden jedoch ebenfalls weiterverkauft.

Weniger Geld als für als einen Kanarienvogel

Ottmar Ilchmann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hatte in der vorigen Woche gegenüber dem Spiegel geäußert: "Da kostet ein Kalb weniger als ein Kanarienvogel." Die einseitige Züchtung bestimmter Rassen nur auf Milchleistung mache deren Nachwuchs für die Mast unwirtschaftlich.

Hinzu komme, dass die Futtervorräte durch die Trockenheit knapp seien. "Diese dünnen Kälber gelten oft nicht mehr als Tiere, sondern nur noch als Schaden", sagt Ilchmann.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht ebenfalls davon aus, dass hauptsächlich die Vermarktungsbeschränkungen in Folge der Blauzungenkrankheit für den Preisverfall verantwortlich sei. Ministerin Julia Klöckner hatte in einem Brief an ihren bayerischen Amtskollegen allerdings Zweifel geäußert, ob Kälber-Transporte ins EU-Ausland mit der EU-Verordnung vereinbar seien.

Tiefstpreise und Futtermangel

Kälber

Die Neue Osnabrücker Zeitung hatte schon vor einigen Wochen darüber berichtet, dass die extrem niedrigen Kälberpreise etwa für Bauern aus dem Emsland ein weiterer Grund seien mit der Milchproduktion aufzuhören. Neben den Vermarktungsproblemen infolge der Blauzungenkrankheit kam dort außerdem noch ein anderer Grund hinzu: Der anhaltende Futtermangel auf Grund der Trockenheit in diesem Sommer.

Damit hat sich die Lage für die Milchviehalter das zweite Jahr in Folge verschärft, sagte Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke, der in Bad Iburg (Landkreis Osnabrück) selbst Kühe hält. Dadurch sei das Futter knapp und teuer. Auch heimische Bullenmäster stallten weniger ein, die Nachfrage nach Kälbern sinke dadurch ebenfalls.

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