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Schweinepreise

Krach am Schweinemarkt: Schlachter zahlen Hauspreise

Schweinehälften im Kühlhaus
am Montag, 07.06.2021 - 12:00 (1 Kommentar)

Drei große Schlachtunternehmen machen Druck auf die Schweinepreise. Wie die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) berichtet, lehnen die Schlachter die jüngste Anhebung der VEZG-Notierung ab und zahlen Hauspreise. Das trifft vor allem frei vermarktende Mäster – als Druckmittel?

Durch die jüngsten Corona-Lockerungen bei besserem Wetter dürfte die Nachfrage am Fleischmarkt einen ordentlichen Schub erhalten haben. Gleichzeitig bleiben die Schlachtzahlen deutlich unter dem Niveau von 2019, dem letzten Jahr ohne coronabedingte Produktionsausfälle in der Fleischindustrie.

Trotzdem sträuben sich die führenden Schlachtunternehmen gegen die Preiserhöhung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) von 3 Cent auf 1,57 Euro/kg Schlachtgewicht (SG) aus der vergangenen Woche. Die drei größten Schlachter wollen für frei vermarktete Schweine weiterhin den alten Basispreis von 1,54 Euro/kg SG zahlen, so die ISN.

ISN-Marktanalyst Klaus Kessing kommentiert dies so: "Wir sehen Corona-Lockerungen kombiniert mit besserem Wetter und einem sehr übersichtlichen Angebot an Schlachtschweinen. Da muss der eher moderate Notierungsanstieg von gerade einmal 3 Cent doch wohl wenigstens machbar sein."

Sollen Mäster in Lieferverträge gedrängt werden?

Matthias Quaing, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Wirtschafts-GmbH (ISW), wittert gar taktische Manöver hinter den Hauspreisen, um weitergehende Preissteigerungen auszubremsen. Schon am Dienstagmorgen vor der Auktion der Internetschweinebörse der ISN seien von einem großen Schlachtunternehmen Partien abbestellt worden, um diese Mengen dann am Nachmittag direkt wieder zu ordern, so die ISW. Da liege es nahe, dass die Hauspreise der nächste Schritt seien, um die Erzeugerseite zu verunsichern.

Quaing geht davon aus, dass die großen Schlachter mit dem Schritt erwarteten Preissteigerungen vorsorglich den Wind aus den Segeln nehmen wollten.

Und noch eine Vermutung drängt sich auf, sagt Quaing: Nämlich dass mit den Hauspreisen ein weiteres Druckmittel gezogen werde, um noch nicht gebundene freie Schweine in feste Lieferverträge zu drängen. Denn genau die werden mit den Hauspreisen getroffen und nicht die Schweine, deren Abrechnungsbasis im Rahmen der Lieferverträge der VEZG-Preis ist.

Die Schweinehalter brauchen wegen steigender Kosten höhere Preise

Schweinehalter erwarten mit Spannung, wie sich die Schweinepreise in dieser Woche weiter entwickeln. Morgen setzt die routinemäßig anstehende Auktion der ISW den nächsten Impuls. Spätestens am Mittwoch wird die neue VEZG-Notierung zeigen, wohin sich der Schlachtschweinemarkt bewegt – und wie sich die Schlachtunternehmen dazu stellen.

Klar ist: Die Schweinehalter können höhere Erlöse dringend gebrauchen. Klaus Kessing sagt: „Bei den aktuell steigenden Kosten in allen Bereichen – insbesondere beim Futter - kann momentan kaum ein deutscher Schweinehalter kostendeckend arbeiten.“ Dass die Schlachtunternehmen ihre Marge ausschließlich auf Kosten der Erzeuger aufrechterhalten wollten, sei nicht die partnerschaftliche Zusammenarbeit, von der sie immer sprechen. Die Unternehmen würden einen weiteren Abbau der Schweinehaltung in Deutschland billigend in Kauf nehmen, wenn die Wertschöpfung entlang der Kette immer mehr ins Ungleichgewicht gerate.

Hier geht es zu den aktuellen Schweinepreisen.

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