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Freihandel

Mercosur-Abkommen: Nachteile für Rinder- und Geflügelhalter drohen

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Josef Koch, agrarheute
am
22.05.2018

Kommt das EU-Freihandelsbakommen mit den Mercosur-Staaten zustande, haben Rinder- und Geflügelhalter sowie Rübenanbauer in der EU Nachteile. Der Milchexport könnte sich aber verbessern.

Die deutschen Landwirte und ihre Kollegen in den anderen EU-Ländern haben zu Recht große Sorgen, wenn sie einem möglichen Handelsabschluss der Europäischen Union mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay entgegenblicken.

Bei einer Veranstaltung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) in Brüssel waren sich die Teilnehmer weitgehend darin einig, dass der Agrarsektor neben Vorteilen beim Export von Milchprodukten oder bei Spezialprodukten wie Wein und Spirituosen zum Teil mit erheblichen Problemen in anderen Sektoren zu kämpfen haben wird. Hierzu gehören aller Voraussicht nach die zu erwarteten höheren Importe von Rind- und Geflügelfleisch sowie Zucker.

Rinder- und Geflügelhalter besonders betroffen

Nach Einschätzung des Leiters des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft in München, Prof. Gabriel Felbermayr, wären die Rindfleisch- und Geflügelfleischproduzenten in der EU nach derzeitigem Verhandlungsstand besonders von einem Handelsabkommen mit Mercosur beziehungsweise Freihandelsquoten für Südamerika betroffen.

Allerdings gab auch Felbermayr zu bedenken, dass Spezialprodukte der EU von möglichen Zollsenkungen profitieren und deren Absatzmengen steigen könnten.

Faires Abkommen nötig

Der Leiter des Büros des Deutschen Bauernverbandes (DBV) in Brüssel, Dr. Simon Schlüter, forderte die EU-Kommission auf, sich für ein faires Abkommen einzusetzen und dabei vor allem die Interessen der Landwirte nicht außer Acht zu lassen.

Dies gelte besonders vor dem Hintergrund, dass die EU-Landwirte nach den derzeitigen Plänen mit niedrigeren Agrarbeihilfen zurechtkommen müssten. Zudem verwies Schlüter auf die deutlich höheren Produktionskosten und strengeren Nachhaltigkeitsstandards der europäischen Landwirtschaft im Vergleich zu den Agrarsektoren in den Mercosur-Ländern.

Bewegung bei Hygienestandards

Die Mercosur-Chefverhandlerin der EU-Kommission, Sandra Gallina, verwies indes auf die bisher erreichten Fortschritte hinsichtlich des Zollabbaus für EU-Spezialprodukte.

Zudem gebe es deutliche Bewegung bei der Anerkennung der EU-Hygienestandards durch die Mercosur-Staaten. Diese würde dazu beitragen, die EU-Standards zu gewährleisten.

Einen weiteren wichtigen Pluspunkt sieht die Italienerin in der vereinbarten Teilnahme der Mercosur-Länder an der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen.

Mit Material von AgE

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