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Schwere Krise am Schweinemarkt

Prognose: Schweinepreise werden weiter fallen – doch wer ist schuld?

schweinehaltung.
am Montag, 06.09.2021 - 12:27 (1 Kommentar)

Wie kommt der Markt aus der Krise? Fallen die Preise weiter? Experten geben Antwort.

Für Schweinehalter sind die Marktbedingungen extrem schwierig. Trotzdem könnten die Schweinepreise bis Ende September weiter fallen- sagt der Unternehmensberater Klaus-Martin Fischer von Ebner Stolz auf einem Netzwerkforum im Oldenburger Münsterland (AEF) in Essen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Havermann fordert er deshalb eine Ausstiegsförderung für Deutschlands Schweinehalter.

Eine der Ursachen für die Krise sei das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland, durch das der Export zusammengebrochen und der Schweinefleischpreis abgestürzt sei, sagt Fischer. Ein Ende der Krise sei nicht in Sicht, betonte der Berater und prognostizierte für Ende September einen Schweinepreis von 1,15 Euro je kg.

Gleichzeitig weisen die Berater Vorstellung zurück, der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sei für den Preisrutsch verantwortlich. Diesen Vorwurf nannte Fischer unbegründet. Der Grund: Die Einkaufspreise des Handels hätten sich im Prinzip ziemlich konstant gehalten. Vielmehr habe die Schlachtindustrie die Auszahlungspreise herabgesetzt, um die eigenen, durch den Exportstopp verursachten Verluste auszugleichen.

Zugleich warnte der Unternehmensberater vor höheren Schweinefleischpreisen hierzulande. Diese würden spanische Wettwebewerber anlocken, die ebenfalls erheblich Absatzprobleme hätten und zusätzliche Absatzmärkte suchten.

Hohe Fleischpreise und Auflagen sind kein Ausweg

Schweinestall.

Als zusätzliche Herausforderungen der heimischen Schweinhalter nannten Fischer und Havermann die hohen Futterpreise, die regulatorischen Vorgaben zum Beispiel bei der Düngung sowie die politische Vorhaben auf nationaler und europäischer Ebene, etwa den Green Deal und seine Folgen für die Bauern. Hinzu kämen die Ankündigungen des LEH zur Listung von Fleisch mit hoher Haltungsstufe.

Die Umsetzung sei zwangsläufig mit höheren Verbraucherpreisen verbunden, ist Fischer überzeugt. Bei Fleisch sei die große Mehrheit der Verbraucher jedoch sehr preissensibel. Für die Zukunft sei deshalb eine Zweiteilung des Marktes zu erwarteten mit einem kleinen Segment an Premiumware, die sehr hohe Nachhaltigkeitsanforderungen erfülle, und einem größeren Segment mit Fleisch der Haltungsstufe zwei.

Außerdem müssten sich heimische Schweinefleischerzeuger auf die Konkurrenz aus Spanien einstellen, wo die Produktionskosten geringer seien als hierzulande, erklärte Fischer. Mit Blick auf Drittlandsimporte kritisierte Havermann, dass die Politik eine Antwort schuldig bleibe, wenn es um den Schutz vor Einfuhren mit geringeren Standards gehe.

Langfristig überleben werden nach Einschätzung der beiden Berater in der Schweinefleischbranche hierzulande nur solche Betriebe, die ihre Prozesse, Systeme und Organisation optimieren können, eine gute Vernetzung und Reputation haben sowie die Nachhaltigkeitsziele integrieren. Außerdem könne die integrierte Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette Vorteile verschaffen.

Mit Material von Agra-Europe (age)

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