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Rindermarkt und Rinderpreise

Rinderpreise brechen alle Rekorde: Und die Rallye geht noch weiter

jungbullen.
am Freitag, 19.11.2021 - 14:02 (Jetzt kommentieren)

Solch hohe Preise haben die Schlachter den Bauern noch nie zuvor für ihre Bullen, Schlachtkühe und Färsen gezahlt.

bullenpreise.

Natürlich sind auch die Kosten für Futter, Energie und andere Betriebsmittel ebenfalls steil nach oben gegangen. Und diese fressen einen großen Teil der höheren Erlöse wieder auf. Trotzdem kann man den Schlachtrinderpreisen durchaus zufrieden sein.

Und die gute Nachricht ist: Der eigentlich größte saisonale Nachfrageboom steht erst noch bevor: nämlich das Weihnachtsgeschäft. In fast allen Jahren klettern die  Schlachtrinderpreise nämlich im Dezember auf ihren höchsten Stand.

Aber auch mit den aktuellen Rekord-Preisen können die Bauern schon zufrieden sein. So zahlen die Schlachter für R-3 Bullen knapp 4,50 Euro je kg SG und damit fast einen Euro!!! mehr als im vorigen Jahr. Auch die bisherigen Rekordpreise aus dem Jahr 2013 (vor der Finanzkrise) werden um fast 40 Cent übertroffen.

Ähnlich ist die Situation bei Schlachtkühen und Färsen. Derzeit zahlen die Schlachter für R-3-Kühe etwa 3,80 Euro je kg SG – das sind rund 1,20 Euro mehr als im vorigen Jahr und rund 20 Cent mehr als im Rekordjahr 2013. Für Schlacht-Färsen der Handelsklasse R-3 bekommen die Bauern im Moment 4,30 Euro je kg geboten rund 1,0 Euro mehr als im Vorjahr und 45 Cent mehr als im  bisherigen Rekordjahr 2013.

Und alles deutet daraufhin, dass es bis zum Ende des Jahres weiter nach oben geht. Das heißt: die Rekordrallye ist noch nicht zu Ende. Und die Rinderhalter können sich (einmal abgesehen von den leider auch extrem hohen Kosten) auf ein schönes Weihnachten freuen.

Rindfleisch ist weiter sehr knapp – das zeigen die Preise

preise für schlachtkühe.

Doch was sind die Gründe für die außergewöhnliche Rallye und wie geht es weiter?  Ein Grund für die hohen Preise ist jedenfalls das Rindfleisch auch in anderen EU-Ländern nach der Corona-Krise und den ebenfalls historischen Preistiefständen von 2020 sehr knapp ist.

Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bestätigt das: „Rindfleisch ist EU-weit ein knappes Gut. Das wird sich bei den Erlösen auch im nächsten Jahr bemerkbar machen, und der positive Trend wird sich fortsetzen“, ist der Kammerexperte überzeugt. Der Vorsitzender des Rindfleischausschuss des Landvolks Niedersachsen und Bullenmäster Martin Lüking ist allerdings etwas skeptischer: „Ein Teil der Preissteigerungen bleibt sicher bei uns Erzeugern hängen, einen Teil werden wir aber wieder an die Verarbeiter und den Handel durchreichen müssen.“

Hortmann-Scholten verweist jedoch auch auf die „besorgniserregende Kostenexplosion“. Diesel, Heizöl, Dünger und vor allem Futter erreichen Rekordpreise. Beeinflusst wird die Markt-Entwicklung auch durch coronabedingt fehlendes Personal an den Schlachthöfen. Die krisengeplagten Schweinemäster könne ein Lied davon singen. Doch es sind auch noch andere  Entwicklungen erkennbar.

„Wir beobachten, dass nach den Preisen für Getreide auch die Preise für Fleisch steigen“, sagt der Kammerexperte. Die Relation zu den Kosten fällt bei den Rindfleischerzeugern zudem günstiger aus als etwa bei den Schweinehaltern. Der Grund: Das Jahr 2021 habe gute Mengenerträge bei Mais- und Grassilage gebracht und auch für ausreichend Heu und Stroh gesorgt.

Turbulenzen am Binnenmarkt

faersenpreise.

Und was sagt die EU-Kommission zur aktuellen Entwicklung? In einem aktuellen Marktausblick vom Oktober 2021 heißt es: Im ersten Halbjahr 2021 ging die EU-Rindfleischproduktion weiter zurück. Einen erheblicher Beitrag des Rückgangs kommt nach Einschätzung der Kommission-Analysten aus Irland. Auf der grünen Insel ging die Produktion binnen Jahresfrist immerhin um 7 Prozent nach unten.

Dies lag vor an den Unsicherheiten bei den Grenzregelungen zwischen Großbritannien und Irland nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem Binnenmarkt. Diese Probelme haben die Produktion auf der grünen Insel  natürlich mächtig gedrückt – und damit auch die Exportmöglichkeiten der Iren.

In Deutschland entwicklt sich die Rindfleischproduktion nach Einschätzung der Kommission ebenfalls deutlich rückläufig – nämlich nochmals um mindestens 1,5 Prozent. Die Ursache sehen die EU-Experten vor allem in der  anhaltenden Reduzierung der Kuhbestände sowie in den Folgen der schwereren Absatzkrise während Corona in der Gastronomie und in den Kantinen.

Aufgrund der sehr hohen Futtermittelpreise und der explodierenden sonstigen Kosten (und wohl auch infolge der derzeitigen agrarpolitischen Entwicklung) hält die Kommission auch im zweiten Halbjahr 2021 zusätzliche Schlachtungen und Bestandsreduzierungen in der gesamten EU und in Deutschand für möglich (wahrscheinlich). Mit spürbaren Folgen für das europäische Rindfleischangebot im nächsten Jahr.

Derzeit erwartet die Kommission in ihrem Ausblick für 2022 einen weiteren deutlichen Produktionsrückgang von einem Prozent. Möglicherweise auch mehr – und das trotz der Erholung der Nachfrage und der hohen Preisen..

Weltmarkt ist ebenfalls sehr knapp versorgt

produktion rindfleisch.

Auf dem internationalen Markt herrscht derzeit ebenfalls "ein Mangel an Rindfleisch", sagen jedenfalls die Kommissionsexperten. Viele große Ausfuhrländer haben weniger Rindfleisch für den Export zur Verfügung. Auch die Farmer in den USA erzeugen derzeit deutlich weniger Rindfleisch. hinzu kommt: In Brasilien gibt es derzeit mmer neue sogenannte atypische BSE-Ausbrüche. Diese verhindern untr anderem den brasilianischen Export nach China, wo es einen sehr großen Bedarf gibt. Auch in den USA wird üerb Importspree für Brasilien diskutiert.

In Argentinien sind die Ausfuhren aufgrund von hohen Export-Zöllen um rund 20 Prozent eingebrochen. Die Rindfleischexporte der EU 27 gingen im ersten Halbjahr 2021 ebefalls zurück, hauptsächlich verursacht durch einen Rückgang der Exporte nach Großbritannien.

Deutschland selbst hat seine Ausfuhren in Drittländer gegenüber dem Vorjahr um gut ein Drittel ausgweitet und liegt im Ranking der europäischen Exporteure auf Postion 3 - hinter Polen und den Niederlanden.

Das knappe Angebot und die hohen EU-Preise dürften bei den rückläufigen Ausfuhren in Drittländer ebenfalls eine Rolle spielen. Da jedoch die Exporte auf hochpreisige Märkte wie Hongkong, Israel und die Schweiz zugenommen haben, hält die Kommission zum Jahresende sogar ein leichtes Ausfuhrplus für möglich.

Die  europäischen Importe werden im Jahresverlauf vermutlich wieder zunehmen, glaubt die Kommission. Grund ist das knappe innereuropäische Angebot und die hohen Preise am Binnenmarkt, die zunehmend Ware anlocken. Hinzu kommt natürlich auch die anziehende Nachfrage, angetrieben durch die allmähliche Wiedereröffnung von Gastronomie und Tourismus in vielen EU-Ländern. Ein neuer Lockdown - wie jetzt in Österrecih - könnte dies jedoch verhindern.

Die wichtigsten Lieferanten auf den EU-Markt waren im ersten Halbjahr Brasilien und: das Vereinigte Königreich. Gefolgt von Uruguay und Argentinien. Außer Uruguay haben alle wichtigen Export-Länder aber deutlich weniger Rindfleisch in die EU verkauft, sagt die Statistik der Kommission. Insgesamt beträgt der Rückgang fast 14 Prozent. Allein aus Argentinien, dem bei deutschen Gastronomen besonders beliebten Lieferanten, kam 11 Prozent weniger in die EU (und nach Deutschland).

Deutschland selbst hat seine Einfuhren aus in Drittländern gegenüber dem Vorjahr um fast 20 Prozent reduziert und liegt damit im Ranking der europäischen Importeure auf Postion 3 - deutlich hinter den Niedrerlanden und Italien.

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