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Rindermarkt und Rinderpreise

Rinderpreise so hoch wie seit Jahren nicht – wie geht es weiter?

Rinder.
am Mittwoch, 18.08.2021 - 05:00 (4 Kommentare)

Für Schlachtkühe bekommen die Bauern so hohe Preise wie zuletzt vor neun Jahren. Die Bullenpreise kletterten auf den höchsten Stand seit vier Jahren.

Bullenpreise.

Und zuletzt sind die Rinderpreise weiter gestiegen – obwohl der Sommer eigentlich „saure Gurkenzeit“ für Rindfleisch ist und die Preise unter Druck stehen. Davon ist in diesem Jahr jedoch keine Rede: Rindfleisch ist nach dem Ende des gastronomischen Corona-Lockdowns offenbar knapp – und dass nicht nur in Deutschland sondern europaweit.

Der Grund: Nach den Daten der Kommission haben die Landwirte ihre Produktion aufgrund der katastrophalen wirtschaftlichen Bedingungen und der explodierenden Produktionskosten im Vorjahr runtergefahren – gleichzeitig kommt deutlich weniger Rindfleisch aus dem Ausland auf den europäischen Markt. Dabei spielen sicher auch corona-bedingte Marktverwerfungen in den Exportländern selber eine Rolle. Hinzu kommen noch die massiven Lieferkettenprobleme sowie Containermangel und explodierende Transportkosten.

Fakt ist: Die wachsende Nachfrage der Gastronomie – und nach dem Ferienende auch der Bedarf der Großküchen und Kantinen – kann offenbar nur schwer gedeckt werden. Zusätzlich fehlt nun ein Teil der Importware, auch wenn die insgesamt benötigten Mengen  möglicherweise etwas kleiner sind als in den Vorjahren. Beispielsweise war die Importmenge des in deutschen Restaurants besonders beliebten argentinischen Rindfleischs in den ersten 5 Monaten um fast 20 Prozent eingebrochen.

Diese Lücke muss nun zusätzlich zu der geschrumpften inländischen Produktion gestopft werden, wobei ganz offensichtlich auch das Angebot in anderen wichtigen europäischen Rindfleischländern klein ist – sagen jedenfalls die aktuellen Rinderpreise dort.

Niedrigere Rinderpreise ließ sich nicht durchsetzen

schlachtkuhpreise.

In der vorigen Woche haben die Schlachter den deutschen Rindermästern für Bullen der Handelsklasse R3 im Bundesmittel einen Preis von 4,0 Euro je kg Schlachtgewicht gezahlt. Das waren nicht nur die höchsten Preise seit knapp 4 Jahren – sondern gleichzeitig auch 43 Cent mehr als vor einem Jahr.

Für Schlachtkühe der Handelsklasse R3 waren die Notierungen bis Mitte August auf 3,62 Euro je kg SG nach oben geschossen – so hoch waren die Kuhpreise zuletzt vor 8 Jahren. Gleichzeitig bekamen die Bauern knapp 70 Cent mehr als vor Jahresfrist. Ähnlich wie bei Kühen war die Entwicklung bei Schlachtfärsen. Hier lag der Auszahlungspreis für R3-Tiere bei 3,88 Euro je kg SG.

Dabei hatten Schlachter bereits im Juli versucht die Preise zu drücken und den Markt "schlecht zu reden" – doch daraus ist dann nichts geworden. Hintergrund war, dass die hohen Preise zweitweise mehr Tiere auf den Markt gezogen haben und dass diese Entwicklung dann als Argument für Preiskorrekturen genutzt wurde. Außerdem hatten die Ferien begonnen und die Schlachter befürchteten offenbar auch deshalb einen deutlicheren Nachfragerückgang.

Doch dann ist das Gegenteil passiert: Nach einer kurzen Unterbrechung des Preisanstiegs Mitte Juli und leichten Korrekturen – zogen die Rinderpreise danach noch viel stärker wieder an. Das gilt für Bullen ebenso wie für weibliche Schlachtrinder. Mitte August sieht es nun nach einer ähnlichen Situation aus wie im Juli – nur das die Ferien in den meisten Bundesländern zu Ende gehen und die Nachfrage schon deshalb nicht einknicken dürfte. Eigentlich nimmt die Rindfleischnachfrage im Herbst erst so richtig Fahrt auf.

Rinderpreise sind EU-weit sehr hoch

Färsenpreise.

Fakt ist jedoch auch: Die hohen Preise haben erneut mehr Rinder auf den Markt gezogen. In den ersten beiden Augustwochen lagen die Schlachtzahlen bei Bullen zwischen 12 und 14 Prozent höher als im Jahr zuvor. Kühe wurden in den beiden letzten Wochen zwischen 4 und 9 Prozent mehr geschlachtet und Färsen kamen knapp 11 Prozent mehr an den Schlachthaken.

Doch offenbar hat dieser Zuwachs nicht ausgereicht, um die Preise zu drücken, denn die Importe aus Drittländern und vor allem auch aus anderen EU-Ländern fehlen offenbar weiterhin. Wie wichtig die Rindfleischeinfuhr aus den umliegenden EU-Ländern für die deutsche Marktversorgung wirklich ist, zeigt ein Blick in die deutsche Versorgungsbilanz der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE). Dort ist zu sehen, dass von dem insgesamt in Deutschland verbrauchten Rindfleisch etwa ein Drittel aus anderen EU-Länder kommt und knapp 5 Prozent aus Drittländern.

Die andere Seite der Medaille ist: Knapp 30 Prozent des von deutschen Landwirten erzeugten Rindfleisch wird von den Schlachtern in andere EU-Länder verkauft – entweder zur Weiterverarbeitung wie nach Frankreich (Kuhfleisch) oder auch als hochwertige Steaks wie etwa nach Italien. Diese Beispiele zeigt die sehr enge und oft nicht wahrgenommene Verflechtung des deutschen Rindfleischmarktes mit dem Markt in anderen EU-Ländern.

Im Umkehrschluss heißt das: Die gegenwärtige Rindfleisch-Knappheit hat eben nicht nur Auswirkungen auf die deutschen Preise sondern auch auf die Rinderpreise in Frankreich, Irland oder Italien. Ein stärkerer Preisrückgang hierzulande wäre demnach wohl nur zusammen mit deutlich schwächeren Rinderpreisen in anderen EU-Ländern möglich. Und danach sieht es nach den letzten Preismeldungen der EU-Kommission derzeit nicht aus.

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