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Rindermarkt und Rinderpreise

Rinderpreise steigen weiter: Knappes Angebot ist Preistreiber

Rinderpreise steigen.
am Donnerstag, 21.07.2022 - 11:55 (2 Kommentare)

Die Rinderpreise sind im Juli kräftig gestiegen. Gegen den saisonal üblichen Trend. Grund ist ein sehr kleines Angebot, dass offenbar nicht einmal die eher verhaltene Nachfrage der Schlachter deckt.

Bullenpreise steigen.

In „normalen Jahren“ geben die Rinderpreise im Sommer und in der Ferienzeit nach und steigen erst im Herbst wieder kontinuierlich an. Doch was ist in diesen Tagen schon normal. Offensichtlich ist das verfügbare Angebot so klein, dass die Schlachter mehr zahlen müssen um ausreichend Tiere zu bekommen und den laufenden Bedarf zu decken.

Bei weiblichen Tieren, also in der Milchproduktion, liegt die Erklärung auf der Hand: Bei Milchpreisen von mehr als 50 Cent lohnt es sich jede Kuh so lange wie möglich zu melken, denn das Angebot an Rohmilch ist weiterhin extrem knapp. Auch die jüngste Viehzählung zeigt, dass sowohl Bullen als auch Kühe weiter abgeschafft werden – trotz der hohen Preise. Denn auch die Kosten sind extrem hoch und die Landwirte passen ihre Produktion langfristig an die schwierigen ökonomischen und auch gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an.

Außerdem lassen sich langfristige Trends – was die Tierhaltung betrifft – nur schwer umkehren, denn es sind in aller Regel meist hohe Investitionen nötig. Vom Fleischmarkt kommen derzeit indessen wenig Impulse den die hohen Preise im LEH für Fleisch – sowie alle anderen Lebensmittel und Energie – bremsen den Verbrauch – vor allem bei hochpreisigen Produkten.

Dennoch reicht die Nachfrage im Vergleich zum Angebot offenbar aus, um die Preise weiter nach oben zu treiben oder zumindest auf hohem Niveau stabil zu halten.

Fakt ist jedenfalls: Die offiziellen Schlachtzahlen verdeutlichen die knappe Angebotssituation am besten. So lag die Zahl der geschlachteten Bullen in ersten 27 Wochen dieses Jahres gut 7 % unter dem Vorjahr.

Bei Schlachtkühen wurden in diesem Jahr 11 % weniger Tiere geschlachtet als im Jahr zuvor und bei Färsen betrug der Abstand zum Vorjahr 7 %. Kurzfristig dürften außerdem auch die laufenden Erntearbeiten viele Landwirte von der Vermarktung abhalten.

Bullenpreise ziehen weiter nach oben

Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) sagt in ihren aktuellen Wochenbericht: Das weiterhin nur klein ausfallende Angebot auf dem deutschen Schlachtrindermarkt reicht nicht immer vollständig aus, um die ruhige Nachfrage zu bedienen. Leicht erhöhte Preise für Jungbullen und bessere Färsenqualitäten sowie stabile Auszahlungspreise für Schlachtkühe sind zum Wochenende die Folge.“

Am Montag, den 18. Juli 2022 nannte die VEZG bundesweit für QS-Ware einen R3-Jungbullenpreis für Fleckvieh und Fleischrassen, in Höhe von 4,77 EUR/kg SG. Das waren 2 Cent mehr als vor einer Woche und 30 Cent mehr als Anfang Juni. Für schwarzbunte R3-Jungbullen ermittelte die VEZG diese Woche einen Preis von 4,72 EUR/kg SG. Das waren ebenfalls 2 Cent mehr als in der Vorwoche.

Im Jahresvergleich zahlten die Schlachter damit 93 Cent je kg bzw. rund 24 % mehr. Unterstellt man ein durchschnittliches Schlachtgewicht für R-3-Bullen von etwa 413 kg, ergibt sich ein Verkaufserlös von 1991 Euro je Tier. Das sind 385 Euro höhere Erlöse als vor einem Jahr.

Preise für Kühe und Färsen ein Drittel höher als im Vorjahr

schlachtkuhpreise.

Für weibliche Rinder sind die Preise im Juli kräftig gestiegen – und scheinen sich diese Woche auf hohem Niveau zu konsolidieren. Die Preise für Schlachtkühe der Klasse O3 (310 kg) lagen nach der Preisfeststellung der VEZG am 18. Juli für die laufende Woche bei 4,55 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht und damit ebenso hoch wie in der Vorwoche und 25 Cent höher Anfang Juli/Ende Juni.

Für R3-Kühe (310 kg) wurden 4,60 Euro je kg gezahlt - ebenfalls die gleichen Preise wie vor Wochenfrist. Im Jahresvergleich zahlten die Schlachter damit immer 123 Cent je kg bzw. 35 % mehr. Unterstellt man ein durchschnittliches Schlachtgewicht für R-3-Kühe von zuletzt etwa 327 kg, ergibt sich ein Verkaufserlös von 1.553 Euro je Tier. Das sind 402 Euro bzw. 35 Prozent höhere Erlöse als vor einem Jahr.

Für Färsen der Kategorie R3 mit 300 kg SG nannte die VEZG für die laufende Woche einen Preis von 5,0 Euro je kg – und damit ebenfalls die gleichen Preise wie in der Vorwoche. Im Jahresvergleich zahlten die Schlachter damit 126 Cent je kg bzw. rund 34 % mehr! Für O3-Färsen wurden 4,60 Euro je kg notiert – das waren die gleichen Preise wie eine Woche zuvor.

Erzeugerpreise für Rinder auf agrarheute

Auf agrarheute finden Sie: Aktuelle Erzeugerpreise für Tiere: Schweinepreis, Ferkelpreis, Preise für Jungbullen, Nutzkälber und Färsen. Außerdem Kuhpreis und Preise für Sauen. Regionale Preise für Bundesländer. Oder einfach: https://markt.agrarheute.com/tiere/

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