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Ruinöser Druck auf die Schweinepreise hält unvermindert an

Schweinepreis Schweinefleisch Schlachtschweine
am Freitag, 30.07.2021 - 13:24 (2 Kommentare)

Die Schweinepreise kommen nicht vom Fleck. Die Schlachter zahlen für vertragsfreie Tiere nur Hauspreise. Chinas Erfolg beim Wiederaufbau seiner Schweinebestände setzt die europäischen Mäster massiv unter Druck.

Erneut zahlen die großen Schlachtunternehmen für Schweine ohne Liefervertrag extrem niedrige Hauspreise. Die gegenüber der Vorwoche unveränderte Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) in Höhe von 1,42 Euro je Indexpunkt unterschreiten die Schlachtriesen aktuell um 7 Cent. „Bei diesen Preisen bleibt die deutsche Schweineerzeugung auf der Strecke“, prognostiziert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN). Die Preisdrückerei müsse sofort ein Ende haben.

Bei vertraglich gebundenen Schweinen haben sich die meisten Schlachtunternehmen vertraglich zur VEZG-Notierung als Preisbasis verpflichtet.

Angebot am Schweinemarkt so klein wie vor 14 Jahren

Für eine deutliche Belebung der Schweinepreise mangelt es derzeit an der Nachfrage. Denn das Angebot an Schlachtschweinen ist bereits so niedrig wie zuletzt 2007. In den letzten fünf Wochen lagen die Schlachtzahlen rund 10 Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum vor zwei Jahren. Laut ISN-Angaben gab es seit 30 Jahren keinen solch großen Angebotsrückgang in so kurzer Zeit.

Die ISN-Schweinebörse brachte heute (30.7.) dennoch nur eine von drei angebotenen Partien an den Kunden. Der Auktionspreis legte im Vergleich zum Dienstag um 1 Cent auf 1,44 Euro je kg Schlachtgewicht (SG) zu.

Schweinebestand in China wieder auf Vor-ASP-Niveau

Trotz der niedrigen Schlachtzahlen in Deutschland ist der europäische Markt mit Schweinefleisch reichlich versorgt. Und das liegt am erfolgreichen Wiederaufbau der Schweinebestände in China.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Peking gab es Ende Juni 45,6 Millionen Sauen im Land; das war gut ein Viertel mehr als zwölf Monate zuvor. Der Gesamtbestand an Schweinen nahm binnen Jahresfrist um 29,2 Prozent auf 439,1 Millionen Tiere zu. Damit wuchs die Herdengröße wieder auf den Stand von Ende 2017, dem letzten Jahr vor dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Auch deutlich mehr Schweinefleisch produziert

Deutlich zugelegt hat im ersten Halbjahr 2021 auch die Schweinefleischproduktion in der Volksrepublik. Den offiziellen Angaben zufolge erhöhte sich die Schweinefleischerzeugung um 35,9 Prozent auf 27,2 Mio t. Begleitet war die starke Angebotsausweitung von einem rapiden Verfall der Schweinepreise, der sich seit Jahresbeginn auf gut 60 Prozent belief.

Mittlerweile konnte dieser durch Marktinterventionen, wie verstärkte Lagerhaltung, gestoppt werden. Die landesweiten Schlachtschweinepreise haben sich auf einem Niveau von rund 15 CNY (1,97 Euro) je Kilogramm Lebendgewicht stabilisiert.

Hohe Zahl an Betriebsaufgaben

Für die deutschen Schweinehalter sind die Mindererlöse durch Hauspreise ein weiterer Schlag ins Gesicht, denn schon seit Monaten kämpfen die Betriebe um ihr wirtschaftliches Überleben. Laut ISN-Marktanalyst Klaus Kessing ist die Zahl der Betriebsaufgaben katastrophal hoch.

Angesichts der niedrigen Schweine- und Ferkelpreise bei gleichzeitig stark gestiegenen Kosten sei eine noch drastischere Entwicklung zu befürchten, warnt Kessing. Wenn das so weitergehe, bleibe die deutsche Schweineerzeugung auf der Strecke.

Mit Material von AgE, ISN, VEZG
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