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Schweinemarkt in Russland

Russland: Export von Schweinefleisch boomt – trotz ASP

Schweine stehen in einzelnen Boxen in einem Schweinestall
am Donnerstag, 24.09.2020 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Die Russen versorgen sich selbst mit Schweinefleisch. Und sie können immer mehr exportieren – trotz endemischer Afrikanischer Schweinepest.

Balkendiagramm zum ansteigenden Russischen Schweinebestand mit 25,7 Millionen Tieren im Jahr 2020

Nach mehr als zehn Jahren intensiven Wachstums drängen die Russen nun mit aller Macht auf die Exportmärkte für Schweinefleisch, schreibt das USDA-Büro in Moskau in einer aktuellen Marktanalyse. Dabei hat das Land weiterhin massiv mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu kämpfen - auch bei Hausschweinen.

Der Schweinebestand ist mit etwa 25 Millionen Tieren etwa so groß wie in Deutschland und auch die Zahl der geschlachteten Schweine ist mit knapp 55 Millionen ähnlich groß. Treiber des enormen Produktionswachstums sind die großen Schweinefarmen des Landes: Diese halten 2020 etwa 88 Prozent der gesamten Schweineherde. Der Rest der Tiere steht in kleinen Bauernwirtschaften und in sogenannten Hinterhofwirtschaften.

Da die Branchenführer weiter massiv in Wachstum investieren, verschärft sich aber auch der Wettbewerb am russischen Binnenmarkt. Weniger effiziente und nicht modernisierte Unternehmen werden dadurch aus dem Markt gedrängt. Der Schweinebestand in den kleinen Betrieben ist auch wegen der ASP-Ausbrüche und der damit verbundenen Auflagen weiter rückläufig.

Dagegen wachsen die industriellen Farmen trotz der endemischen ASP weiter. Der erste ASP-Ausbruch wurde 2007 gemeldet und die Krankheit bleibt das Hauptproblem der Schweinehaltung in Russland. Das weitere Wachstum und die Expansion in neue Märkte wird durch die ASP jedenfalls erheblich behindert.

Die russischen Veterinär-Behörden meldete von Januar bis August 2020 weitere 117 Ausbrüche in 20 Regionen, 74 Fälle wurden in großen Schweinefarmen und in kleinen Betrieben registriert und 43 Fälle bei Wildschweinen.

Exportboom kurbelt die Produktion weiter an

Graphik zu Produktion und Verbrauch von Schweinefleisch in Russland mit übersteigender Produktion

Die russische Schweinefleisch-Produktion wird im Jahr 2020 voraussichtlich auf 3,52 Mio. Tonnen steigen. Das ist ein neuer Rekord. Gleichzeitig wächst das Tempo der Erschließung neuer Exportmärkte, etwa in Vietnam und Hongkong, schneller als zuvor erwartet. Ein weiteres Produktionswachstum um 80.000 Tonnen auf 3,60 Mio.Tonnen wird deshalb für 2021 prognostiziert.

Die Gründe: Die anziehende Inlandsnachfrage und ein anhaltendes Exportwachstum. Der Wettbewerb zwischen den großen „Schweine-Holdings“ hat sich jedoch verschärft: Das führte zuletzt zu einem Rückgang der Einzelhandelspreise, was wiederum den Inlandsverbrauch ankurbeln dürfte.

Die Verfügbarkeit von Futtermitteln aus der sehr großen Getreideernte Russlands wirkt sich zudem positiv auf die Marktentwicklung aus. Die negativen Auswirkungen des schwächeren Rubels auf die Produktionskosten können damit teilweise ausgeglichen werden.

Die Lieferungen von russischem Schweinefleisch nach Vietnam wurden 2020 zum wichtigsten positiven Ereignis am Markt und stützten die Inlandspreise auf einem Niveau, dass das Produktionswachstum ankurbelte. Die führenden Unternehmen sind sehr gut in der Lage, die neuen Exportmöglichkeiten zu nutzen und zu bedienen.

Konsum wächst langsamer als die die Produktion

ASP-Faelle in Russland.

Die Auswirkungen von Covid-19 auf den Schweinefleischkonsum waren in Russland relativ begrenzt. Als die Nachfrage aufgrund der Schließung von Restaurants zurückging, konnten die großen Schweine-Produzenten ihr Angebot größtenteils an Einzelhandelsgeschäfte umleiten.

Infolge dieser Umverteilung stieg auch der Verbrauch von russischem Schweinefleisch auf Kosten von importiertem Fleisch, das hauptsächlich von Verarbeitern verwendet wird. Ein weiterer Covid-19-Effekt war die Verschiebung der traditionellen Grillsaison von Mai auf Juli. Das führte zu einer zweimonatigen Verzögerung des üblichen saisonalen Anstiegs der Nachfrage nach Schweinefleisch.

Das reichliche Angebot lokaler Produzenten drückte die durchschnittlichen Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um knapp 5 Prozent nach unten. Der Schweinefleischverbrauch wird voraussichtlich 2020 um knapp 2 Prozent auf 3,48 Millionen Tonnen steigen. Diese Prognose spiegelt allerdings auch die Erwartung niedrigerer Preise wider, da das Angebot russischer Produzenten weiterhin schneller als die Inlandsnachfrage wachsen dürfte.

Versorgungsprobleme im Zusammenhang mit Covid-19 haben allerdings zu erheblichen Preiserhöhungen auf dem Futtermittelmarkt geführt. So stiegen die Preise für Vormischungen aufgrund von Störungen und Verzögerungen bei der Lieferung der importierten Komponenten im Jahresvergleich um durchschnittlich 40 bis 50 Prozent. Außerdem wertete der Rubel gegenüber dem US-Dollar kräftig ab, was die Margen ebenfalls unter Druck setzte, denn die Kosten für importierte Komponenten von Futtermitteln, Zuchtmaterial und Ausrüstung sind dadurch gestiegen.

Schweinefleisch-Exporte wachsen immer schneller

Export und Import von Schweinefleisch.

Das USDA prognostiziert für 2021 einen Export von Schweinefleisch von 130.000 Tonnen. Das ist ein Anstieg gegenüber dem aktuellen Rekordwert von 110.000 Tonnen für 2020. Damit hat die russische Schweinefleischindustrie die Fähigkeit erreicht, die Inlandsnachfrage zu decken. Gleichzeitig sind die großen Unternehmen in der Lage, zu wettbewerbsfähigen Preisen zu exportieren.

Die Importeure müssen allerdings bereit sein, Schweinefleisch aus dem ASP-positiven Land zu kaufen. Das Wachstum für 2021 wird in Erwartung einer stabilen Nachfrage traditioneller Importeure in der Ostukraine, in Weißrussland und in anderen GUS-Märkten prognostiziert. Die Lieferungen an kürzlich erschlossene Märkte in Vietnam und Hongkong werden auch von einem schwächeren Rubel angetrieben. Russland exportierte von Januar bis Juni 2020 rund 63.030 Tonnen Schweinefleisch. Das ist ein Plus von 191,5 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2019.

Der Handel wächst derzeit hauptsächlich aufgrund von Lieferungen nach Vietnam. Dort haben die lokalen Erzeuger ebenfalls mit den Auswirkungen von ASP zu kämpfen. Vietnam hat seinen Markt für russisches Schweinefleisch im Dezember 2019 geöffnet. Im ersten Halbjahr 2020 gingen rund 35 Prozent der Schweinefleischexporte nach Vietnam.

Dieser Handel wird voraussichtlich zunehmen, glaubt das USDA, da mehr Unternehmen für den Versand nach Vietnam zugelassen wurden. Die Industrie arbeitet daran, die Genehmigung für den Export in andere wichtige asiatische Märkte zu erhalten, aber die endemische ASP in Russland behindert diese Initiativen.

Mit Material von US-Landwirtschaftsministerium (USDA)
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