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Schweinefleisch

Russland verhängt Importstopp

Schweinehälften im Schlachthof
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
24.11.2017

Russland verhängt ab dem 1. Dezember ein „temporäres“ Importverbot für Schweine- und Rindfleisch aus Brasilien. Hintergrund sind Belastungen des aus Brasilen importierten Fleisches mit dem Wachstumsförderer Ractopamine.

Der Einsatz von Ractopamine ist in Russland, aber auch in China und der Europäischen Union verboten. 

Die russische  Kontrollbehörde für Agrarimporte Rosselkhznadzor kündigte das „temporäre“ Importverbot am Montag dieser Woche an, nachdem in mehreren aus Brasilien stammenden Chargen der verbotene Wachstumsförderer gefunden worden sein soll.

Beobachter halten das Vorgehen von Rosselkhznadzor allerdings durchaus auch für eine Maßnahme zur Unterstützung und zum Schutz der russischen Schweine- und Rindfleischproduktion.

Insbesondere die russische Schweineproduktion ist in den letzten Jahren mit massiver staatlicher Förderung sehr dynamisch gewachsen und hat die bisherige Versorgungslücke  erheblich verkleinert.

Schutz des heimischen Marktes?

Russland Produktion und Verbrauch

Das brasilianische Landwirtschaftsministerium reagierte auf die Ankündigung mit Verwunderung und meldete, dass die vor Ort regelmäßig durchgeführten Kontrollen keine Belastung mit Ractopamine gezeigt hätten. Nun sollen die Ergebnisse russischen Labor-Untersuchungen geprüft werden.

Sollten sich die russischen Ractopamine-Funde bestätigen, will das Ministerium die Kontrollen vor Ort verschärfen. Der Verband der brasilianischen Geflügel- und Schweinefleisch-Industrie (ABPA), zeigte sich ebenfalls beunruhigt und hofft auf eine schnelle Aufklärung und Aufhebung des temporären (vorübergehenden) Importstopps.

Russland ist für Brasilien der wichtigste Exportmarkt für Schweinefleisch und hatte im September 2017 rund 41 % aller Schweinefleischexporte Brasilien zum Ziel. Außerdem gingen 11 % der brasilianischen  Rindfleischexporte nach Russland. Brasiliens Fleischindustrie (ABPE, Apiec) befürchtet ebenfalls, dass das russische Importverbot in erster Linie den russischen Markt vor (preiswerten) Importen schützen und die inländische Produktion fördern soll.   

Schweinefleisch-Importe drastisch reduziert

Russland Importe

Russland Produktion von Schweinefleisch ist von 2010  bis 2016 um etwa 50 % auf rund 3,0 Mio. t gewachsen. Der Verbrauch hat im gleichen Zeitraum um 14 % auf 3,3 Mio. t zugelegt. Gleichzeitig haben sich die Importe von Schweinefleisch von knapp 1,0 Mio. t Schweinefleisch auf zuletzt 0,3 Mio. t reduziert.

Der russische Selbstversorgungsgrad hat sich von knapp 70 % auf gut 90 % verbessert und könnte in nicht allzu ferner Zeit auf 100  % steigen. Der wichtigste Lieferant von Schweinefleisch nach Russland ist nach dem Importverbot für die Europäer seit dem Jahr 2014 Brasilien, mit einem Markanteil (2016) an allen Importen von 90 % (!!).

Danach folgen als Lieferanten mit deutlichem Abstand Weißrussland und Chile. Im internationalen Vergleich ist Russland als Importeur von Schweinefleisch von Position 1 auf  Rang 6 zurückgefallen.

Rindfleischproduktion stagniert, Importe schrumpfen dennoch

Russlands Produktion von Rindfleisch stagniert seit Jahren bzw. ist weiter leicht rückläufig. Im Jahr 2016 lag die Produktionsmenge bei etwa 1,31 Mio. t, im Vergleich zu 1,39 Mio. t im Jahr 2013.

Der Verbrauch hat wegen der im Vergleich zu Geflügel- und Schweinefleisch hohen Rindfleischpreise am russischen Binnenmarkt, von 2,4 Mio. t auf nur noch 1,8 Mio. t abgenommen. Ein sehr kräftiges Minus von 25 %. Der russische Selbstversorgungsgrad hat sich infolge der schrumpfenden Verbrauchsmengen von knapp 60 % auf 75 % verbessert.

Die russischen Rindfleischimporte haben sich von etwa 1,0 Mio. t auf (2016) nur noch knapp 0,5 Mio. t halbiert. Brasilien ist (nach Weißrussland) der zweitwichtigste Lieferant von Rindfleisch nach Russland, mit einem Markanteil (2016) an allen Importen von etwa 35 % .

Auf Position eins der Lieferanten liegt Weißrussland, mit einem Markanteil von 38 %. Im internationalen Vergleich ist Russland als Importeur von Rindfleisch von Position 1 auf Rang 4 zurückgefallen.

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