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Schafhaltung in Deutschland

Schafhalter: Die vergessenen Tierhalter schöpfen Hoffnung

Schafe.
am Freitag, 15.07.2022 - 14:42 (1 Kommentar)

In Deutschland fristet die Schafhaltung ein Nischendasein. Nicht für die Schafhalter selbst natürlich. Aber für die Politik und auch für die übrige Landwirtschaft. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist die wirtschaftliche Bedeutung – anders als etwa in Vereinigten Königreich oder in Irland - gering. Zum anderen konzentriert sich die Schafhaltung auf bestimmte Bundesländer und Regionen – etwa auf Bayern und Baden-Württemberg sowie auf Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

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Ein großes Problem für die Schafhaltung in Deutschland war die Abschaffung der sogenannten „gekoppelten Weideprämie“ oder „Mutterschafprämie“ durch die EU im Jahr 2005. Schäfer erhielten seitdem keine Förderung mehr für die Produktion von Wolle, Milch oder Fleisch. Sie haben nur noch Anspruch auf eine Flächenprämie, wie andere Landwirte auch. Viele Schäfer haben aber kein eigenes Land, und die Pachtpreise stiegen seit Jahren.

Die allermeisten Schafhalter betreiben die Schäferei zudem im Nebenerwerb. In Schleswig-Holstein sind beispielsweise weniger als 10 % der Schäfer hauptberuflich tätig. Die Vollerwerbsbetriebe haben jedoch besonders unter den steigenden Pachtgebühren, den niedrigen Marktpreisen und der fehlenden EU-Agrarförderung gelitten.

Entsprechend hat die Zahl der Schafhalter hat in den letzten 20 Jahren drastisch abgenommen, ebenso die Zahl der gehaltenen Schafe. Seit 5 Jahren ist die Zahl der der Schafhalter und Schafe aber relativ stabil und hat zuletzt sogar leicht zugenommen – vor allem wegen der seit 2021 kräftig gestiegenen Lammfleischpreise. Aber eins nach dem anderen.

Schafhalter: Hohe Lammpreise konsolidieren Schafhaltung

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Die Zahl der Schafhalter lag vor gut 20 Jahren – im Jahr 2000 - bei rund 31,6 Tausend. In den darauffolgenden 10 Jahren gaben fast 10 Tausend – oder knapp ein Drittel der Schafhalter auf. Damit gab es 2010 nur noch 22,3 Tausend Schafhalter. Dann kam der nächste Bruch: Bis 2015 warfen nochmals 12,4 Tausend oder zwei Drittel der Schafhalter das Handtuch. Es blieben nur noch 9,9 Tausend Betriebe übrig.

Bis 2020 ging die Zahl der Betriebe dann noch weiter auf 9,1 Tausend zurück. Die letzte Zählung zeigt dann eine dicke Überraschung: 2021 hat die Zahl der Schafhalter dann um rund 600 Betriebe zugenommen auf 9,7 Tausend. Verantwortlich für diese Erholung, auf ein im langfristigen Vergleich immer noch sehr niedriges Niveau, dürften in der Hauptsache, die bereits 2021 und dann 2022 deutlich gestiegenen Preise für Lammfleisch gewesen sein.

Aktuell werden für pauschal abgerechnete Lämmer Preise von etwa 8,30 Euro je kg SG gezahlt im Vergleich zu 7,50 Euro im vorigen Jahr (2021) und 5,90 Euro vor zwei Jahren (2020). Ein Preisanstieg von 2020 bis 2022 von gut 40 %. An dieser Stelle kann man sehen, was auskömmliche Preise bewirken können.

Ähnlich wie die Entwicklung der Halter, ist die Entwicklung der Schafbestände verlaufen: Wurden im Jahr 2000 noch rund 2,7 Millionen Schaffe gehalten, waren es 2010 noch gut 2,0 Millionen und 2020 dann 1,5 Millionen – ein Rückgang in 10 Jahren um 25 %. Zuletzt ging es wieder leicht nach oben – von 1,48 auf 1,51 Millionen Tiere – immerhin.

Ab 2023 gibt es wieder - für alle - eine Prämie

Die Agrarministerkonferenz hat im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik die Einführung einer gekoppelten Tierprämie für Schafe, Ziegen und Mutterkühe beschlossen. Davon profitieren die Schäfereien Von 2023 an werden zwei Prozent der Direktzahlungen der EU für eine gekoppelte Tierprämie bereitgestellt. Konkret bedeutet das, dass die Tierhalter voraussichtlich 30 Euro pro Mutterschaf und Ziege erhalten werden.

Die gekoppelte Tierprämie unterstütze die oft prekäre Einkommenssituation der Schaf- und Ziegenhalter. In einigen wenigen Bundesländern - wie Thüringen und Niedersachsen - gab es schon vorher ein Landesprämie. Die Thüringer Prämie in Höhe von 25 Euro pro Tier wurde 2019 erstmals ausgezahlt. In Niedersachsen bekamen Schafhalter ab 2021 immerhin 33 Euro ausbezahlt.

Bei der ebenfalls klein strukturierten Schaf- und Ziegenhaltung in Niedersachsen kommt dadurch ein großer Teil der niedersächsischen Schafhalter in den Genuss der Förderung. "Einziger Wermutstropfen ist, dass die Förderung der sogenannten De-minimis-Regelung unterliegt und damit die Förderhöhe auf maximal 200 Tiere begrenzt ist", sagt Klaus Gerdes, Leiter des Sachgebiets Tierzucht bei der LWK Niedersachsen.

Mit Ausblick auf eine bundesweite Einführung einer gekoppelten Prämie für die Weidetierhaltung ab 2023 ist die Prämie als Übergangslösung zu verstehen und schließe bis dahin Lücke.

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