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Schlachtbranche

Was Schlachthöfe an Nebenprodukten erlösen

am Dienstag, 16.10.2018 - 08:36 (Jetzt kommentieren)

Schlachtnebenprodukte wie Knochen, Darm, Magen, Haut oder Kopf bringen durchaus zusätzliche Einnahmen für Schlachtunternehmen. Das zeigte eine LfL-Tagung.

Gronnegger-Bernhard- BestHides GmbH

Mit Schlachtnebenprodukten lässt sich durchaus Geld verdienen. Das machten verschiedene Referenten des Marktforums der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft deutlich. Die Anteile von Schlachtnebenprodukten wie Haut, Därme, Knochen, Kopf machen am Tierkörper einen hohen Anteil aus.

Beim Rind sind es 74 Prozent des Schlachtkörpergewichtes (SKG), beim Schwein rund 25 Prozent. Schlachtnebenprodukte werden in der Fleischbranche oft als „das fünfte Viertel“ bezeichnet. Der Anteil der Schlachtnebenprodukte wie Haut, Kopf, Knochen oder Mägen beim Rind machen rund 5 bis 10 Prozent des Tierwertes aus, so Egbert Klokkers, Geschäftsführer Tönnies Rind GmbH Co. KG.

Der Rinderexperte merkte an, dass es vor allem die Häute von Fleckviehbullen deutlich wertvoller sind, als die von schwarzbunten Tieren. Allerdings haben sich die Hautpreise in den vergangenen Jahren deutlich erniedrigt. Grund sind die niedrigen Preise für Leder. Sie liegen nur noch knapp über dem sehr niedrigen Niveau in der letzten Krise 2008/2009, so Dr. Dagmar Adeline Brüggemann vom Max Rubner-Institut in Kulmbach.

Experte Bernhard Gronegger, Geschäftsführer BestHides GmbH, prophezeite gar, dass Rinderhäute mit zahlreichen Verletzungen (so genannte Schusshäute) im Prinzip derzeit wertlos seien, weil sie wegen des Überangebotes am Markt nicht unterzubringen seien.
 

10 bis 15 Euro pro Schwein sind möglich

Hackner-Michael-CDS Hackner GmbH

Beim Schwein lassen sich dank neuer Absatzwege nach Asien, Schlachtnebenprodukte wie Schweinefüße, Därme, Rüssel, Mägen etc. lukrativer als Spezialitäten vermarkten, bestätigte Michael Hackner, Geschäftsführer bei CDS GmbH Crailshaim.

Seiner Schätzung nach bewegt sich der Erlös für pro Schwein je nach Marktlage zwischen 10 und 15 Euro. Bei rund 16 Millionen Schlachtungen pro Jahr erzielt Tönnies beispielsweise für das fünfte Viertel etwa 160 bis 240 Mio. Euro zusätzliche Erlöse.

Fünfte Viertel 4,5 Mrd. Euro wert

Sutor-Peter-Dr. LfL Bayern

Nach Schätzungen der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) beträgt der Wert der Schlachtnebenprodukte von Rind und Schwein in Deutschland rund 4,5 Mrd. Euro.  „Das entspricht rund 13 Prozent des gesamten Schlachtkörperwertes“, sagte Peter Sutor, Leiter des LfL-Institutes für Ernährungswirtschaft und Märkte. Seinen Ausführungen zufolge sind die exportierten Mengen und Werte seit 2008 um rund 31 Prozent gestiegen. Alleine 2017 betrug der Exportwert des fünften Viertels von Rind und Schwein 1,8 Mrd. Euro.

Der Großteil der Mengen geht in die Niederlande und nach China. Wertmäßig beliefen sich die Ausfuhren 2017 auf rund 291 Mio. Euro in China und 184 Mio. Euro in die Niederlande. Danach folgen Polen, Frankeich und Italien. Die Exportwerte liegen hier aber nur noch zwischen 73 und 94 Mio. Euro. 

Deutsche Veterinäre zerstören Mehrwerte

Klokkers-Egbert-Tönnies Rind GmbH & Co.KG

Aufgrund der veterinärrechtlichen Bestimmungen in Deutschland gehen Rinderschlachtern beispielweise die wertvollen Backen des Rindes als Schlachtnebenprodukt verloren. So müssten die Veterinäre an deutschen Schlachthöfen beide Backen am Rinderkopf anschneiden, um auf Finnen zu untersuchen. Laut Egbert Klokkers, Tönnies, gehen pro Tier rund 1 kg verloren, weil angeschnittene Backen als Ganzes nicht vermarktbar seien. „In Frankreich gibt es solche veterinärrechtlichen Bestimmungen bei der Finnenuntersuchung nicht“, so der Tönnies-Experte.

Zudem beklagte er, dass es auch große Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland gebe, was die Beanstandungen bei den Rinderkörpern anbelange. In Kempten, Allgäu, hätten die Veterinäre nach seinen Erfahrungen an 56 Prozent der Rinderschlachtkörper Beanstandungen, am Tönnies Schlachthof in Schleswig-Holstein seien es dagegen nur 10 Prozent. „Eine bundesweite Harmonisierung bei der Schlachtkörperbewertung wäre angesagt“, so Klokkers.    

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