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Schwein: China sorgt für Exportboom und Preisrallye

Schweinestall
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
19.04.2019

Die Europäische Kommission erwartet für dieses Jahr deutlich höhere Exporte von Schweinefleisch und kräftig steigende Schweinepreise.

Ursache ist die explodierende Nachfrage aus China. Dort bricht die Produktion wegen der riesigen Bestandsverluste infolge der Afrikanischen Schweinepest (ASP) dramatisch ein. 

Vor wenigen Tagen hatten die Rabobank und das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) auf den explosionsartig wachsenden chinesischen Importbedarf hingewiesen. Mittlerweile breitet sich die ASP auch auf Vietnam und andere Länder in Südostasien aus und dezimiert die dortigen Schweine-Bestände.

Profitieren dürfen von der stark wachsenden chinesischen Nachfrage neben den Europäern, auch die USA und Brasilien. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich seit August vorigen Jahres sehr rasch in ganz China ausgebreitet und die Schweinebestände dezimiert.

Das Reich der Mitte ist der weltweit größte Schweineproduzent und gleichzeitig der größte Importeur. Für die Europäische Union ist China zudem der mit Abstand wichtigste Exportmarkt.

China braucht Fleisch, wie viel ist unklar

Das mögliche Niveau der europäischen Schweinefleisch-Exporte nach China ist noch ungewiss und hängt sehr stark von der Größenordnung des chinesischen Produktionseinbruchs ab. Derzeit schätzt die Kommission die gesamten europäischen Exporte von Schweinefleisch für 2019 auf 2,92 Millionen Tonnen. Das wäre ein Plus gegenüber dem vorigen Jahr von 9 Prozent.

Im Jahr 2018 lag die Ausfuhrmenge bei 2,68 Millionen Tonnen, sagt die die Kommission in ihrem Short-Term-Outlook, der auch Prognosen zu allen übrigen Agrarprodukten enthält. Im vorigen Jahr waren die gesamten europäischen Schweinefleisch-Exporte um 4 Prozent gestiegen, die Ausfuhr nach China war jedoch leicht rückläufig.

Nun hat der Markt komplet gedreht. Die Folgen der ASP-Epidemie in China werden zu einem kräftigen Anstieg der chinesischen Importe führen, teilte die Kommission mit. Allerdings lassen sich die Auswirkungen auf den Gesamtmarkt noch nicht abschätzen.

Preise steigen in China und Europa kräftig

Schweinefleischexporte

Die Europäische Kommission geht derzeit davon aus, „dass die Schweinefleisch-Exporte der Europäer mit der steigenden chinesischen Nachfrage kräftig wachsen. Die Preise werden ebenfalls steigen, wenn sich das Angebot in China deutlich verknappt und gleichzeitig die Exportnachfrage kräftig anzieht", so die Kommissionseinschätzung.

Die chinesischen Schweinefleischpreise könnten in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich um bis 70 Prozent steigen, kommentierte ein EU-Beamter die Entwicklung. Nach Aussagen der Kommission zeigen die Daten bereits jetzt, dass der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) die weltweit größte Schweineherde im ersten Quartal um mindestens 10 Prozent reduziert hat.

Eine Prognose der Rabobank hält für das Gesamtjahr 2019 sogar eine Bestandsdezimierung von einem Viertel bis zu einem Drittel für möglich. Etwa zeitgleich hatte USDA hatte den ASP-bedingten Bestandsabbau in China auf etwa 15 Prozent geschätzt.

Produktion wird kräftig angekurbelt

Schweineproduktion in der EU

Im vorigen Jahr hat der Anstieg der europäischen Produktion die Schweinepreise spürbar gedrückt und bewirkte zudem eine Verringerung des Schweinebestandes in der EU, berichtet die Kommission. Auch die Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest in einigen Ländern der EU sowie die verschärften Umweltvorschriften führten zu Bestandsreduzierungen.

Allerdings könnte die sehr starke Exportnachfrage die Produktion in diesem Jahr wieder ankurbeln, analysiert die Kommission die Lage. Für das Jahr 2019 erwartet man zunächst eine relativ stabile Produktion von 24,12 Millionen Tonnen, wobei das mögliche Produktionswachstum auch von der der chinesischen Nachfrage abhängen wird.

Für 2020 rechnet die Kommission derzeit mit einem Anstieg der EU-Produktion um 0,5 Prozent und beim Export mit einem weiteren Zuwachs von 5 Prozent.

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