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Arbeitskräftemangel

Schweinehalter in Großbritannien keulen so viele Tiere wie nie zuvor

Symbolbild zu den Brexit-Folgen für Schweinehalter
am Dienstag, 30.11.2021 - 12:26 (1 Kommentar)

16.000 Schweine wurden während der Krise auf dem britischen Schweinemarkt in den Betrieben des Vereinigten Königreichs getötet – die Dunkelziffer ist vermutlich noch viel höher. Die Brexit- und Pandemiefolgen sind so stark, dass die Schweinehalter keine Alternativen mehr sehen.

Wie das Fachmagazin Farming UK berichtet, handelt es sich bei der derzeitigen Summe von 16.000 Schweinen nur um die gemeldeten Fälle. Die tatsächliche Zahl dürfte wesentlich höher sein. Gegen die Folgen des Arbeitskräftemangels in den Schlachtbetrieben hat die britische Regierung bereits Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet, die die Lage aber noch nicht entspannen konnten.

So warnt die National Pig Association (NPA), dass die Situation düster bleibe und sich sogar noch weiter verschlechtere. Der Nachrichtensender Sky News holte bei Landwirten, Tierärzten und Industrie eine eindeutige Ursachenermittlung ein: Verantwortlich für das nie dagewesene Ausmaß von Keulungen sei menschliches Versagen.

NPA: Staatliche Unterstützung für Schweinehalter gehen in die falsche Richtung

Als Unterstützungsmaßnahmen hat das britische Landwirtschaftsministerium (Defra) laut Farming UK 800 Visa für ausländische Arbeitskräfte ausgestellt, Beihilfen für die private Lagerhaltung ermöglicht und für Schlachtbetriebe Anreize zur Auflösung des Schweinestaus geschaffen. Bisher seien ausländische Schlachthofmitarbeiter in ausreichender Zahl noch nicht eingetroffen und die private Lagerhaltung sei von den Verarbeitern noch nicht in Anspruch genommen worden.

Nach Einschätzung der NPA sei die private Lagerhaltung im Dezember nicht das richtige Mittel: Anstatt Schweinekadaver einzulagern, müsse die Industrie momentan den Einzelhandel in Vorbereitung auf das Weihnachtsgeschäft mit Schweinefleisch beliefern. Nach den Feiertagen könnten die staatlichen Maßnahmen anschlagen. „"Im Januar könnte es etwas Bewegung geben – aber das wird für viele zu spät sein“, befürchtet die NPA.

Weil das staatliche Paket noch keine Wirkung zeigt, steigt der Druck auf das britische Landwirtschaftsministerium weiter. NPA verweist auf einen Tweet des Labour-Politikers Luke Pollard, in dem der dem britischen Premierminister Boris Johnson und dem Ministerium Defra vorwirft, die Lage der Schweinehalter ignoriert zu haben. Das habe zur bisher größten Notschlachtung von Schweinen im Vereinigten Königreich geführt.

Neben Keulungen auch immer mehr Abtreibungen

Eine NPA-Umfrage habe ergeben, dass elf Prozent der Schweinehalter im Vereinigten Königreich bereits gesunde Tiere gekeult hätten. Weitere zehn Prozent gaben an, dies in den nächsten zwei Wochen tun zu müssen. Neben Berichten über Notschlachtungen zeigt Sky News Beispiele von Sauenhaltern, die sich dazu entschlossen haben, Abtreibungen bei ihren Tieren durchzuführen.

Sky News geht von einer um etwa 25 Prozent reduzierten Schweinefleischverarbeitung im Land aus. Viele ausländische Mitarbeiter sind nach dem Brexit in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

Wegen des Brexit und der Corona-Pandemie hätten Schweinehalter im Vereinigten Königreich in diesem Jahr über viele Monate hinweg etwa 25 Pfund (fast 30 Euro) pro Schwein verloren, erläutert Farming UK. Hinzu kämen die steigenden Kosten, insbesondere für Futtermittel.

Im Oktober wandte sich NPA an den Einzelhandel, um abzufragen, mit welchen Unterstützungsmaßnahmen aus der Wertschöpfungskette Schweinehalter rechnen können. Die Supermarktkette Waitrose habe zugesagt, den Schweinefleischpreis zu erhöhen, was die Organisation für Schweinehalter ausdrücklich begrüße.

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