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Viehzählung November 2021

Viehzählung zeigt das Drama: 10 % weniger Schweine, 8 % weniger Bauern

schweinehalter.
am Mittwoch, 22.12.2021 - 14:11 (3 Kommentare)

Unerwartet kam das nicht: Die Zahl der Schweinehalter, die die Produktion aufgegeben, nimmt dramatisch zu. Gleichzeitig schrumpft auch die Zahl der Schweine sehr stark - um fast 10 %.

schweinbestand.

Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Viehzählung vom November. Auch in der Milchviehhaltung kommt die langsame Preiserholung für viele Höfe zu spät – auch hier steigen mehr Bauern aus als im, vorigen Jahr. Einziger Lichtblick: Die Rindfleischerzeuger – mit hohen Preisen und relativ stabilen Beständen sowie wenig veränderten Betriebszahlen.

Völlig anders die Situation bei den Schweinehaltern: Hier schrillen wirklich die Alarmglocken. Fakt ist, dass die Zahl der Tiere deutlich stärker abnimmt, als die Zahl der Tierhalter – wie jetzt bei Schweinen – kommt eigentlich nur selten vor. Meist erfolgte der Rückgang der Tierbestände langsamer als die Betriebsaufgaben, denn es geben vor allem kleinere Betriebe auf. Von diesen wandern die Tiere dann rein statistisch gesehen, in größere und weiter wachsende Betriebe.

Das ist diesmal – zumindest in der von einer schweren Krise geschüttelten Schweinehaltung – anders: Während von November 2020 bis November 2021 etwa 1600 Schweinehalter aufgegeben haben, dass sind immerhin knapp 8 Prozent der Betriebe, schrumpfte der Schweinebestand im gleichen Zeitraum um 2,45 Millionen Tiere oder um knapp 10 Prozent – also deutlich stärker.

In der Sauenhaltung läuft die Entwicklung hingegen in dem hohem Tempo wie zuvor: Einem Rückgang der Sauenhalter von 7,3 Prozent innerhalb eines Jahres, steht ein Abbau der Sauenbestände um 7,2 Prozent gegenüber.

Bei den Rinderhaltern nimmt die Zahl der Betriebe mit 2,5 Prozent in ähnlichem Tempo ab wie der Rinderbestand mit 2,3 Prozent.

Allerdings ist die Abnahmerate bei den Milchbauern mit 4,4 Prozent wesentlich höher. Gleichzeitig geht die Zahl der Milchkühe mit 2,3 Prozent etwas langsamer zurück. Also auch in der Milchproduktion ein anhaltender Konzentrationsprozess.

Schweinehalter schaffen Schweine ab

schweinehalter in deutschland.

Gezählt hat Destatis im November 2021 in Deutschland nur noch 23,6 Millionen Schweine. Das sind 2,5 Millionen Tiere bzw. fast 10 Prozent weniger als im November 2020. Diese scharfe Bestandsrückgang ist eine direkte Folge der  schlimmen und weiter anhaltenden ASP- und corona-bedingten Absatz- und Preiskrise am Schweinemarkt.

Diese Krise treibt die Schweinehalter bei gleichzeitiger Kostenexplosion tief in die roten Zahlen, und führt wie zu sehen ist, zu vielen Betriebsaufgaben. Weil einfach das Geld alle ist. Wenig überraschend ist auch, dass der Bestandsabbau gerade in den Hochburgen der Schweinehaltung – also Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – mit  jeweils 8,9 Prozent sehr drastisch ist.

Während die Bestände in einigen ostdeutschen Ländern wie etwa Mecklenburg-Vorpommern mit reichlich 16 Prozent sogar zweistellig schrumpften, blieb die Zahl der Schweine in anderen ostdeutschen Regionen, wie Sachsen-Anhalt, nahezu stabil. Doch das war eher die Ausnahme.

Das der Bestandsabbau insgesamt sehr hoch war, verdeutlichen auch die Zahlen aus anderen Bundes-Ländern: So schrumpfte der Schweinebestand in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg gegenüber der Novemberzählung vor einem Jahr jeweils zweistellig: nämlich um 14 Prozent und um 11 Prozent. Dramatisch war der Bestandseinbruch mit 9 Prozent auch in Bayern, lag damit aber sogar noch etwa im Bundesdurchschnitt.

Die Betriebsaufgaben waren in Niedersachsen – gegenüber November 2020 - mit immerhin 10 Prozent ebenfalls außergewöhnlich hoch und auch höher als im Bundesmittel. Dagegen warfen in Nordrhein-Westfalen mit 4,7 Prozent deutlich weniger Bauern das Handtuch als im Durchschnitt und auch als bei den niedersächsischen Nachbarn.  

Aus Bayern meldeten die Statistiker Betriebsaufgaben in der Schweinehaltung von 11 Prozent innerhalb eines Jahres und in Schleswig-Holstein zählte man im November rund 13 Prozent Schweinebauern weniger als im Jahr zuvor. In Baden-Württemberg hatten dagegen „nur“ 5 Prozent der Schweinebauern aufgegeben und damit erheblich weniger als im Durchschnitt des Landes.

2535 Milchbauern haben aufgehört – das sind 7 Betriebe pro Tag

Milchkuhhalter.

Der Rinderbestand hat von November 2020 bis November 2021 um rund 263.000 Tiere auf 11 Millionen Rinder abgenommen. Das ist eine Abnahmerate von 2,4 Prozent. Die Zahl der Milchkühe ging im gleichen Zeitraum um knapp 89.000 auf 3,83 Millionen zurück. Das ist ein neuer Tiefstand – und bedeutet eine Abnahmerate von 2,3 Prozent.

In den großen Milchproduktionsländern Bayern und Niedersachsen nahm die Zahl der Kühe nur um jeweils 1,7 Prozent ab. Am stärksten war der Bestandsabbau bei Milchkühen in einigen ostdeutschen Ländern mit bis zu 5 Prozent.

Von allen deutschen Milchbauern haben von November bis November 2021 rund 2535 Betriebe die Produktion eingestellt – jeden Tag also 7 Betriebe. Die Abnahmerate lag bei knapp 4,5 Prozent.

Das Resultat: Im November 2021gab es in Deutschland noch 54.487 Milchbauern –  so wenig wie noch nie zuvor. Das ist mit Sicherheit auch ein Ergebnis, der auf der einen Seite nur sehr langsam steigenden Milchpreise - und der auf der anderen Seite geradezu explodierenden Produktionskosten.

In den beiden deutschen TOP-Milchländern Niedersachsen und Bayern haben von November bis November 2021 immerhin 4,6 und 4,3 % der Milchbauern aufgegeben - also ähnlich viel wie im Durchschnitt. Aus dem dritten Top-Milchland, Schleswig-Holstein, meldete man einen Abnahmerate bei den Milchbauern von 4,0 Prozent und aus Baden-Württemberg von überdurchschnittlichen 5,5 Prozent.

Dagegen schieden in Ostdeutschland überdurchschnittlich viele Milchbauern aus der Produktion aus. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise 8,3 % und in Brandenburg etwa 7 %.

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