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Schwere Krise am Schweinemarkt

Schweinekrise und Preissturz jetzt auch in England

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am Freitag, 17.09.2021 - 11:44 (Jetzt kommentieren)

Schweinebauern im Vereinigten Königreich erleben ebenfalls eine massive Krise. Sie werden ihre Schweine nicht los

Es gibt eine Rückstau von 85.000 zusätzlichen Schweine in den Betrieben. Und jede Woche kommen etwa 15.000 Tiere hinzu, berichten britische Fachmedien. Die Schweinepreise sind Anfang September massiv unter Druck geraten, obwohl das Niveau im Vergleich mit Deutschland immer noch hoch ist. Schweineproduzenten steigen reihenweise aus der Produktion aus oder reduzieren sie reduzieren wenn möglich den Bestand, weil sie keine Verluste mehr verkraften können, hat die National Pig Association (NPA) mitgeteilt.

Die britische Regierung wurde wiederholt aufgefordert, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um die Arbeitskräftekrise zu bewältigen, die den Lebensmittel- und Landwirtschaftssektor lahmlegen. Der chronische Mangel an Arbeitskräften, in den Fleischverarbeitungsbetrieben im ganzen Land, führt zu einem wachsenden Rückstau an Schweinen auf den Farmen. Ähnlich der Situation in Deutschland – als wegen zahlreicher Corona-Fälle auf den Schlachtbetrieben nicht geschlachtet werden konnte.

Derzeit gibt es schätzungsweise 85.000 zusätzliche Schweine auf den britischen Farmen, deren Zahl um etwa 15.000 pro Woche ansteigt und vielen Landwirten geht mittlerweile der Platz aus. Die Branche hatte bereits im vergangenen Jahr einen schweren Schlag erlitten, als Covid-19, der Brexit und Rekordproduktionskosten viele Schweinebauern dazu gezwungen hatten, die Produktion aufzugeben.

Schweine müssen wohl getötet werden

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Während leere Regale im Lebensmittelhandel an der Tagesordnung sind, habe die Auswirkungen des Personalmangels auf den Schlachthöfen verheerende Auswirkungen auf die Schweinehalter, warnte die NPA. Das erste Halbjahr 2021 war nach jüngsten Schätzungen des britischen Landwirtschaftsamtes AHDB eines der wirtschaftlich schlechteste Jahre im Schweinesektor überhaupt – vor allem auch wegen der Rekordproduktionskosten. Die Produzenten verloren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 116 Millionen Pfund, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass der finanzielle Druck, dem die Branche ausgesetzt ist, sofort nachlässt.

„Der Schweinerückstau verursacht nun weitere Probleme für die Landwirte und zwingt sie, zusätzliches Geld für teures Futter zu beschaffen und Strafen für den Verkauf übergewichtiger Schweine zu zahlen“, sagte Zoe Davies, Geschäftsführerin der NPA gegenüber dem Agraronlinedienst Farming UK. "Viele Landwirte sind gezwungen, sich der realen Aussicht zu stellen, Schweine töten zu müssen, weil sie einfach nirgendwo mehr damit hin können."

Davies sagte, einige Bauern seien in einer „herzzerreißenden“ Situation, viele seien verzweifelt und wissen nicht, was die Zukunft bringt. „Ohne sofortige staatliche Intervention werden mehr Produzenten aus dem Markt gedrängt“, fügte Davies hinzu.

Schweinepreise fallen deutlich

Die Schweinepreise haben Anfang September den größten Einbruch seit 2016 erlitten, berichten die britischen Medien, da die anhaltende Personalkrise die Verarbeiter weiterhin massiv trifft. In der Woche zum 4. September gab es einen deutlichen Rückgang des EU-spezifizierten SPP auf 156,39 Pence pro Kilogramm. Dies bedeutet, dass die Erzeuger im Durchschnitt 2,31 Pence weniger für ihre Schweine erhielten als in der Woche zuvor.

Die National Pig Association (NPA) warnte davor, dass Erzeuger in ganz Großbritannien derzeit mit einer „großen Krise“ konfrontiert seien. Laut AHDB-Analyse war dieser weitere Rückgang der Schweinepreise das Ergebnis von Einschränkungen bei den Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten aufgrund von Personalmangel.

Der jüngste Rückgang der Schweinepreise in den meisten EU-Mitgliedstaaten habe wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle gespielt, so erklärte sie, dass die Einfuhr von Schweinefleisch in das Vereinigte Königreich preislich wettbewerbsfähiger sei.

Rekordverluste für Schweinehalter

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Die AHDB hob hervor, wie der Rückstau weiter wächst. Die geschätzte Schlachtung lag zuletzt bei 155.700 Stück, etwas weniger als in der Woche zuvor, aber 12.100 Schweine weniger als im Vorjahr und fast 16.000 weniger als im Fünfjahresdurchschnitt. Nach Angaben der NPA gibt es derzeit schätzungsweise 85.000 zusätzliche Schweine auf Farmen in ganz Großbritannien, eine Zahl wächst um etwa 15.000 pro Woche.

Die NPA warnte davor, dass der Rückstand und die fallenden Preise durch die Tatsache verschärft würden, dass die Erzeuger zu einer Zeit, in der die Produktion „unglaublich teuer“ sei. Die Produktionskosten für britische Schweine erreichten im zweiten Quartal dieses Jahres einen Rekordwert von 182 Pence/kg, was laut kürzlich veröffentlichten AHDB-Zahlen hauptsächlich auf steigende Futterkosten zurückzuführen ist.

Dies führte zu geschätzten Nettoverlusten von -28p/kg (oder -24£/Stück) im zweiten Quartal, einer ähnlichen Situation wie im ersten Quartal.NPA-Chefin Zoe Davies sagte, Produzenten in ganz Großbritannien müssten entweder den Sektor verlassen oder ihre Bestände aufgrund steigender Verluste  deutlich reduzieren.

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