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EU-Agricultural-Outlook

Schweinemarkt: Exportboom und Preisrallye durch ASP in China

Schweine
am Mittwoch, 11.12.2019 - 10:55 (Jetzt kommentieren)

Die Folgen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China sind auch für den europäischen Schweinemarkt gravierend.

Die Europäische Kommission erwartet in einem Marktausblick,  dass die Ausfuhren der EU nach China für alle Fleischsorten und insbesondere für Schweinefleisch weiter sehr stark steigen.

Auch die Preise legen weiter kräftig zu. Diese Entwicklung wird auch zu Veränderungen in den langfristigen globalen und europäischen Angebots- und Handelsmustern führen.

Darüber hinaus könnte die geringere Verfügbarkeit von Schweinefleisch am EU-Markt auch zu einer Änderung der Konsumgewohnheiten führen, glaubt die Kommission. Allerding bestehet auch für die europäischen Exportländer eine hohes Risiko für einen ASP-Ausbruch – mit erheblichen Folgen für Märkte und Preise.

Anstieg der Produktion und der Preise

Schweine

Der Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Schweinefleisch wird kurzfristig zu einem Anstieg der Schweinefleischproduktion in der EU führen und auch zu weiter steigenden Preisen. Letzteres könnte jedoch einen stärkeren Rückgang des EU-Verbrauchs bewirken. Wenn sich der asiatische Fleischmarkt wieder erholt, dürfte die EU-Produktion zusammen mit den Schweinepreisen jedoch stark zurückgehen, prognostiziert die Kommission.

Die Schweinefleischerzeugung in der EU wird langfristig jedoch auch durch politische Entscheidungen, die sich insbesondere aus Umweltbelangen in mehreren EU-Mitgliedstaaten (z. B. Deutschland und den Niederlanden) ergeben begrenzt.  

Ein hohes Risiko sind auch die anhaltenden ASP-Fälle in Mittel- und Osteuropa und ein mögliches übergreifend der Seuche auf Deutschland und andere Länder. Ein ASP-Ausbruch bei den wichtigsten Schweinefleischexporteuren der EU – also Deutschland, Spanien, Dänemark und Frankreich – würde auch die europäischen Exporte massiv bedrohen. Derzeit sind etwa zehn Länder der Europäischen Union von ASP betroffen, insbesondere Bulgarien, Rumänien und Polen.

Produktion wächst in allen Exportländern

Schweine

Der derzeitige Anstieg der Nachfrage und der Weltmarktpreise wird ein kräftiges Wachstum der Produktion in einer Reihe von Ländern auslösen, insbesondere denen mit Zugang zu asiatischen bzw. chinesischen Markt. Das betrifft sowohl EU-Länder wie Spanien – als auch Brasilien oder die USA.

Sobald sich die chinesische Produktion jedoch zu erholen beginnt, dürften Produktion und Preise in der EU  (und auch in anderen Regionen) wieder stark sinken, glaubt die Kommission. Bis zum Ende des Prognosezeitraums (2030) könnte die EU-Produktion dann wieder auf das Niveau vor 2018 zurückgehen, da auch viele Verbraucher nicht vom Geflügel zum Schweinefleisch zurückkehren werden.

Außerdem glaubt die Kommission, dass die Konsumtrends in der EU auf eine Zunahme der alternativen pflanzlichen Ernährung hindeuten, was auch die künftige Entwicklung des Proteinkonsums verändern wird. Dieser Rückgang des Fleischkonsums in der EU übt jedoch zusätzlichen Druck auf die europäischen Fleischpreise aus. Diese sollen bis 2030 um fast ein Fünftel sinken, so die Prognose.

ASP-Risiko auch bei europäischen Exportländern

Schlachthof-Schweinehälften

Die Schweinefleischexporte der EU sind aufgrund der chinesischen Nachfrage bereits 2019 deutlich gestiegen. Die Lieferungen dürften im Prognosezeitraum hoch bleiben und ihren Höhepunkt etwa um 2022 erreichen. Dann erwartet die Kommission Ausfuhren von mehr als 4 Millionen Tonnen, im Vergleich zu etwa 2,7 Millionen Tonnen im Vorjahr.

Danach geht der Export infolge der Erholung des chinesischen Angebots jedoch wieder zurück. Es wird jedoch erwartet, dass die EU-Exporte bis 2030 höher bleiben werden als sie heute sind, da es anderen Importeuren in Asien möglicherweise nicht gelingen wird, sich vollständig von ASP zu erholen. Wichtige Unsicherheiten für den Prognosezeitraum sind  zudem die Entwicklung der Nachfrage in China und die Frage, ob ASP nicht in den wichtigen EU-Exportländern ausbrechen wird. Dann könnte es zu erheblichen Turbulenzen und Verwerfungen am europäischen Binnenmarkt kommen.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch ist in einer Reihe von EU-Mitgliedstaaten bereits jetzt rückläufig, da die Verbraucher Geflügel bevorzugen, das billiger ist und als gesünder empfunden wird. Die hohen Schweinepreise in den ersten Jahren des Prognosezeitraums dürften diesen Trend noch beschleunigen.

Schweinepreise steigen bis 2020

schweinestall

Die Schweinefleischpreise in der EU steigen bereits 2019 aufgrund der chinesischen Nachfrage  kräftig und dürften auch 2020 weiter steigen. Die Preise werden so lange hoch bleiben, bis sich die chinesische Produktion erholt hat, und könnten je nach dem Tempo der Erholung und der Entwicklung der Produktion in der EU  und bei den Wettbewerbern (USA, Brasilien, Kanada) danach stark sinken.

Die Kommission rechnet bis 2020 mit einem Anstieg der durchschnittlichen europäischen  Schweinepreise auf 1.952 Euro je Tonne. Sobald sich die Produktion in China jedoch erholt, dürften die EU-Preise bis 2024 auf 1.460 zurückgehen und sich zum Ende des Prognosezeitraums bei etwa 1.500 EUR  je Tonne stabilisieren.

Hinzu kommt nach Einschätzung der Kommission dan  der Preisdruck der von eine stärkeren Umstellung der Ernährung in der EU auf pflanzliches Eiweiß ausgeht. Der damit verbundene Rückgang des Fleischkonsums in der EU übt zusätzlichen Druck auf die Fleischpreise aus. Der Rückgang der Erzeugerpreise würde jedoch die Wettbewerbsfähigkeit des EU-Fleischsektors (auch bei Rind und Geflügel) auf den Weltmärkten erhöhen, was zu einem Anstieg der Ausfuhren und einem Rückgang der Einfuhren führen wird.

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