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Schweinemarkt: Die Krise ist da – aber keine Lösung

Schlachtschweine
am Dienstag, 07.07.2020 - 12:00 (Jetzt kommentieren)

Der Schweinemarkt steht massiv unter Druck: Absatzstau, Hauspreise und jetzt auch Bauernproteste. Grund ist die Tönnies-Krise.

Schweine

Wegen der stark reduzierten Schlachtungen fällt das Angebot an Schweinen mittlerweile bedarfsüberteigend aus. Immer mehr Schlachter zahlen nur noch Hauspreise. So nimmt der Druck auf die Schweinepreise weiter zu. Auf der heutigen ISN-Auktion wurden erneut viele Schweine angeboten – sie fanden jedoch keinen Käufer.

Immer mehr Bauern bleiben auf ihren schlachtreifen Schweinen sitzen. In Gütersloh demonstrierten sie deshalb. Vor dem Kreishaus trafen sich 100 Landwirte mit ihren Traktoren, um ihrer Forderung nach einer schnellen Wiedereröffnung des Tönnies-Werkes Nachdruck zu verleihen.

Der europäische Schlachtschweinemarkt wird in der laufenden Schlachtwoche von der Entwicklung in Deutschland erheblich beeinflusst. Die Lage ist insgesamt spürbar angespannt, berichtet die ISN. Die Verschiebungen beim Absatz betreffen mittlerweile auch die Nachbarländer Niederlande und Belgien, von wo nicht wenige Bauern ebenfalls Schweine an deutsche Schlachthöfe liefern.

Besonders starker Preisdruck kam vom deutsch-niederländischen Schlachtunternehmen VION, berichtet die ISN. In den Niederlanden setzte man in der vorigen Woche einen sehr kräftigen Abschlag von 15 Cent durch.

Zusätzlicher Preisdruck entsteht jetzt durch den Entzug der Exportzulassungen der von Corona betroffenen Schlachtbetriebe durch die chinesischen Behörden.

Noch keine Öffnung in Sicht - sagen die Behörden

Werksgebäude des Unternehmens Tönnies

Vertreter der Bezirksregierung, des Kreises Gütersloh und der Stadt Rheda-Wiedenbrück hatten am Montag mit der Leitung des Fleischunternehmens Tönnies über die Voraussetzungen gesprochen den Betrieb in Rheda-Wiedenbrück wieder aufzunehmen. Am heutigen Dienstag soll eine Werks-Begehung stattfinden. Tönnies hatte zuvor ein Konzept vorgelegt, wie im Unternehmen zukünftig die Vorgaben der Corona-Schutzverordnung und des Arbeitsschutzes erfüllt werden sollen.

Landrat Adenauer sagte dazu am Montag jedoch: „Das Konzept, das die Firma vorgelegt hat, beantwortet bei Weitem nicht alle Fragen, die geklärt werden müssen. Also bis der Betrieb wieder anläuft, kann es noch dauern“. Das Tönnies-Werk steht zwar seit dem 20. Juni still. Der Stopp des Werkes soll offenbar noch bis zum 17. Juli dauern.

Die Bundestierärztekammer (BTK) hat die Bundesregierung aufgefordert, umgehend einen Krisengipfel unter Einbeziehung von Veterinären, Landwirten, Schlachthofbetreibern und zuständigen Behörden einzuberufen, um schnell Lösungen für die aktuelle Situation nach der Schließung von Schlachtstätten zu finden. „Der plötzliche Wegfall von Schlacht- und Zerlegekapazitäten hat unmittelbare Auswirkungen auf die tierhaltenden Betriebe und die Tiere in den Ställen“, warnte BTK-Präsident Uwe Tiedemann.

Tierärzte warnen vor den Folgen

Schweinehälften

Die Tierärzte warnen davor, dass zunehmend tierschutzrelevante Probleme entstehen können. Laut BTK ist nicht auszuschließen, dass es durch Überbelegung in den Ställen zum Verenden von Tieren kommt. Die Transportwege zu alternativen Schlachtstätten, teilweise im Ausland gelegen, würden länger dauern und belasteten die Tiere zusätzlich. Zudem sei auch in der Ferkelaufzucht ein Rückstau mit entsprechenden Überbelegungen zu erwarten.

Fehlende Schlachtkapazitäten durch andere Standorte zu kompensieren sei nur schwer möglich, denn die notwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln hätten bereits deutliche Kapazitätseinbußen zur Folge. Darüber hinaus stünden aufgrund der branchenweiten Tests und zahlreicher noch offener Testergebnisse auch weniger Mitarbeiter in Schlachtstätten zur Verfügung.

Beobachter gehen derzeit aber nicht davon aus, dass – wie etwa in den USA - Notschlachtungen nötig sind. Dort hatte die Schließung zahlreiche großer Schlachthöfe zu Tötung zahlreichen Schweinen geführt – die nicht mehr auf den Betrieben gehalten werden konnten. Um so wichtiger ist für die deutsche Mäster, dass das Tönnies-Werk so schnell wie möglich wieder seine Arbeit aufnimmt.

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