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Schweinemarkt und China

Schweinepreise im freien Fall: China blockiert Importe aus Europa

schweine.
am Freitag, 10.09.2021 - 12:38 (Jetzt kommentieren)

Chinas Schweinepreise stürzen immer weiter in Tiefe. Das hat massive Folgen für den Schweinemarkt in Europa.

Schweinepreise in China.

Allein im August ging es am chinesischen Terminmarkt in Dalian mit den Schweinpreisen um 30 Prozent nach unten – auf umgerechnet nur noch 1,71 Euro je kg Lebendgewicht. Seit Mai haben sich die Preise mehr als halbiert. Die Folge: China versucht nun die Importe zu bremsen – denn offensichtlich ist genug billiges Schweinfleisch am Markt.

Mit Abstand größer europäischer Lieferant ist Spanien - nach dem ASP-bedingten Exportverbot für Deutschland. China hat nun in den letzten Monaten sieben Produktionsstätten in Spanien die Ausfuhrlizenzen für Schweinefleisch entzogen. Das erklärt auch den hohen zusätzlichen Preisdruck auf den deutschen Markt. Die für den Entzug der Lizenzen genannten Gründe sind vielfältig und konzentrieren sich vordergründig auf formale Fehler bei notwenigen Papieren oder auf falsche Online-Audits.

Die chinesische Regierung will nach Aussagen der spanischen Schweinefleischindustrie ihre Abhängigkeit von Schweinefleisch aus dem Ausland schrittweise reduzieren. Währenddessen stocken die Chinesen ihren Schweinebestand weiter auf und versuchen die Selbstversorgung auszuweiten. Diese Strategie wird durch zusätzliche Kontrollen und Behinderungen der Exporte aus Spanien und anderen Ländern der Europäischen Union unterstützt.

„Der europäische Schweinefleischmarkt ist von Exporten insbesondere nach China abhängig, daher spiegeln sich die fallende chinesische Preise auch in Europa wider“, sagte ein europäischer Fleischexporteur.

Spaniens Produktion expandierte - vor allem wegen China

schweinehaltung.

Spanien treffen die Probleme im Export  schwer, denn das Land hat den Schweinebestand und die Produktion zuletzt kräftig ausgeweitet. Nun drückt das nicht exportierte Fleisch auf den europäischen und insbesondere auch den deutschen Markt. Es wird geschätzt, dass Spanien seine Schweineherde im Jahr 2020 um 5 Prozent (1,43 Millionen Tiere) vergrößert hat, angetrieben von der chinesischen Nachfrage. Die Sauenzahlen blieben jedoch Berichten zufolge unverändert, sodass die Produktion im Jahr 2021 voraussichtlich ein geringeres Wachstum aufweisen wird.

Im Jahr 2020 exportierte Spanien 2,78 Millionen Tonnen Schweinefleisch (einschließlich Innereien), ein Plus von 23 Prozent gegenüber 2019. Der überwältigende Treiber dieses Wachstums wie bei den gesamten EU-Exporten war China. Im Jahr 2020 überholten die spanischen Exporte in Nicht-EU-Länder zudem erstmals die in die EU und machten 62 Prozent der gesamten Schweinefleischlieferungen Spaniens (oder 1,72 Millionen Tonnen) aus.

Die Ausfuhren nach China überstiegen im Jahresverlauf zudem die in die EU insgesamt versandte Menge. Das starke Exportwachstum nach China ging offenbar auch zu Lasten der Lieferungen in andere asiatische Märkte wie Japan, Südkorea und die Philippinen.

Rekordexporte, Rekordproduktion und kein Ventil

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Die Schweinefleischproduktion in Spanien befindet sich seit Jahrzehnten im Aufwärtstrend, mit einem kontinuierlichen Wachstum von Jahr zu Jahr in den letzten sechs Jahren. Dies setzte sich auch 2020 fort, obwohl COVID-19 ein schwieriges Jahr für den EU-Fleischsektor war. Im Jahr 2020 wurden in Spanien 56,5 Millionen Schweine geschlachtet, 7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, berichtet die Europäische Kommission.

Bis in den Juni hinein hatte Spanien zudem die höchsten Schweinepreise in der EU. Danach erfolgte mit den Exportproblemen dann der Absturz der Preise. Bereits im Juli hatten große Schlachter, insbesondere in Katalonien und Aragon, wo sich 60 Prozent der Gesamtkapazität befinden, die Schlachtung gedrosselt und fahren die Produktion nun immer weiter zurück.

Doch auch Spaniens Bauern müssen ihre Schweine verkaufen, um den Produktionsfluss aufrechtzuerhalten, und drücken so mächtig auf die Preise am Binnenmarkt. Denn auch in Deutschland und Dänemark gibt es große Probleme und der Markt ist dicht und ohne Ventil.

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