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Schweinemarkt

Schweinepreise: Schlimme Verluste für die Bauern

In den Ställen stauen sich die Schweine.
am Freitag, 10.07.2020 - 13:21 (Jetzt kommentieren)

Die Krise am Schweinemarkt trifft die Bauern mit voller Wucht. In nur zwei Wochen sind die Preise um 19 Cent abgestürzt – auf den niedrigsten Stand seit Ende 2019.

Schweinepreise: Absturz um 19 Cent in zwei Wochen.

Auf 20 Mio. Euro Schaden beziffert die Interessengemeinschaft der deutschen Schweinehalter (ISN) die Verluste allein in dieser Woche, ausgelöst durch die anhaltende Schließung des Schlachtbetriebs von Tönnies in Rheda.

Und die Lage spitzt sich weiter zu, denn der Rückstau an nicht vermarkteten Schweinen und Ferkeln wird immer größer – und drückt mächtig auf die Preise.

Das zeigt sich auch bei der heutigen Internet-Auktion der ISN: Den dritten Handelstag in Folge fanden die dort angebotenen Schweinen keinen Käufer – der Markt ist offenbar dicht. Und ein Zeitpunkt für die Wiederöffnung des Schlachthofs in Rehda ist noch immer nicht benannt.

Riesenrückstau an Schweinen

Mastschweine

Seit fast drei Wochen stehen die Schlachtbänder bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück jetzt still. Und es ist weiter ist unklar, wann es weitergeht. Die meisten Schweine sollen eigentlich auf andere Schlachtunternehmen verteilt werden, sagt Matthias Quaing, von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). "Das gelingt aktuell nicht aber vollständig", räumt er ein.

Notschlachtungen seien keine Option, betont Quaing jedoch. Stattdessen blieben viele Schweine länger im Stall. Doch viele Schweinhalter seien schon jetzt an ihre Grenzen ihrer Kapazitäten. Und die Schweine werden immer schwerer. Mit dem Ausfall von Tönnies hat zudem der Druck auf allen Mäster zugenommen – egal ob sie ihre Schweine an Tönnies zugeliefert haben oder nicht.

Rund 500.000 Schweine befinden sich derzeit „in Wartestellung, schätzt die ISN. " Für bestimmte Verarbeitungswege seien sie zudem nicht mehr zu gebrauchen, sagt Quaing. "Ein Nebeneffekt für die Landwirte ist nämlich, dass diese Schweine – wenn sie denn abgeliefert werden können – deutlich schlechter bezahlt werden“, sagt Quiang. Der Grund: Sie sind für die üblichen Vermarktungswege deutlich zu schwer.

Schockierende Entwicklung - auch in Holland

Schweine

Auch auf unsere Nachbarländer wirkt sich die Tönnies-Krise aus. Zum Beispiel auf die Niederlande: Dort sind die Ferkelpreise auf den niedrigsten Stand seit Ende 2018 gefallen, berichte das Agrarportal nieuweoogst. Der Marktexperte Benny ten Thije vom Schweinehändler Dijk spricht von "schockierenden Preisentwicklungen".

Auch auf dem Markt für Schlachtsauen läuft es nicht gut. Ten Thije sagt: „Niemand spricht über den Preis, denn die Suche nach Abnehmern hat Vorrang. Die Züchter bleiben weiterhin massenhaft auf ihren Sauen sitzen. Die Preise für Mastschweine fielen in den Niederlanden diese Woche ebenfalls weiter, jedoch weniger stark als in der Woche zuvor. Nachdem der Vion-Preis letzte Woche um 15 Cent pro Kilo Schlachtgewicht gefallen war, waren es diese Woche 4 Cent. Der Vion-Preis liegt jetzt bei 1,47 Euro. Das ist der niedrigste Preis seit März 2019.

Ten Thije erwartet jedoch, dass der Einbruch noch nicht vorbei sein wird. "Ich glaube nicht, dass wir den Tiefpunkt erreicht haben", sagt er. Der Händler glaubt, das der Preisverfall – neben der Schließung von Tönnies – "möglicherweise auch auf den Importstopp Chinas zurückzuführen ist."

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