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Schweinemarkt

Schweineverkauf: Das bringen die neuen Tönnies-Lieferverträge

am Freitag, 25.10.2019 - 09:47 (Jetzt kommentieren)

Tönnies bietet ab sofort Lieferverträge für Schweinemäster an. Landwirte könnte sich auch für Mehrwochenpreise entscheiden. Doch lohnt sich das?

Zahlungsziel von fünf Tagen

Die Tönnies Unternehmensgruppe bietet Schweinemästern zukünftig eine weitere Vermarktungsalternative an, um dem steigenden gesellschaftlichen Interesse an der Nutztierhaltung gerecht zu werden.

Ab sofort können interessierte Schweinemäster direkt über Ihren Vermarkter eine Dreiecksvereinbarung mit Tönnies abschließen und von vielen Mehrwerten profitieren. Dabei plant Tönnies bis zu einem Viertel seiner Schlachtmenge über Partnervereinbarungen anzubieten.

Mit einem Zahlungsziel von fünf Tagen erhalten die landwirtschaftlichen Partner von Tönnies den finanziellen Spielraum für Investitionen und weitere Liquidität. Zudem bietet die dreimonatige Kündigungsfrist der Partnerschaft kurzfristige Flexibilität bei einer Regellaufzeit von zwölf Monaten.

Mit dem Liefervertrag will Tönnies Wettbewerbsfähigkeit in der Vermarktung der Schlachtschweine verbessern. Davon profitieren beide Seiten. Tönnies belohnt die Mäster mit einem zusätzlichen Bonus. Er soll nach agrarheute-Recherchen 50 Cent/Schwein am Jahresende betragen, wenn der Mäster die vereinbarte Menge an Schweinen geliefert hat.

Auch Viehhändler sollen einen Bonus erhalten. Er könnte in Ostdeutschland, wo die Schweine knapper sind, höher als im Westen ausfallen, meinen Marktbeteiligte. 

Keine Hauspreise mehr

Werksgebäude des Unternehmens Tönnies

Landwirte können dabei zwischen unterschiedlichen Preismodellen wählen. Zwischen einem Tagespreis, dem Wochenpreis und einem 3-Wochen-Preis auf Basis der VEZG Preisempfehlung bietet Tönnies flexible und auch langfristige Preismodelle. Zudem soll Tönnies nach agrarheute-Recherchen in den Verträgen auf Hauspreise verzichten.

Die Vorkosten bei der Vermarktung sollen sich nach dem jeweiligen Viehhändler oder Erzeugergemeinschaft richten.

Zudem stellt das Schlachtunternehmen über das neue Tönnies Schlachtdatenportal dem Landwirt umfassend die betriebsindividuellen Schlachtauswertungen kostenlos zur Verfügung. Die Daten sollen optimiert für die Anwendung am Desktop-Computer oder mobil sein.

Laut Tönnies wird mit den neuen Lieferverträgen die Zusammenarbeit zwischen Landwirt, Viehhändler und Schlachthof auf ein neues Partnerschaftsniveau gehoben. Planungssicherheit, Preissicherheit und Abnahmegarantien böten den landwirtschaftlichen Partnern eine Zukunftsperspektive, die den Markt insgesamt transparenter macht.

Fünf Säulen für Vermarktung

"Das Megathema Klimaschutz, welche Auswirkungen unsere Ernährung hat und welchen Beitrag die Nutztierhaltung leistet, sind Themen, die die Verbraucher in Deutschland mehr denn je interessieren. Wir wollen die Verbrauchertransparenz weiter erhöhen und die Partnerschaft zu unseren landwirtschaftlichen Lieferanten steigern“, sagt Dr. Robert Elmerhaus, Leiter Lebendvieheinkauf bei Tönnies.

Deshalb bietet Tönnies seinen Schlachtschweinelieferanten neue, mittelfristige Liefer- und Abnahmevereinbarungen an. Das Vermarktungskonzept fußt im Wesentlichen auf fünf Säulen: Tiergesundheit, Tierwohl, Nachhaltigkeit, Qualität und Transparenz. Alle Säulen zielen darauf das Verbrauchervertrauen zu erhöhen.

agrarheute-Tipp: Nur für Teilmengen Verträge abschließen

Auf den ersten Blick klingt das Tönniesangebot für Schweinemäster verlockend. Boni, kurzes Zahlungsziel von fünf Tagen und keine Hauspreise sind ein Wort. Der Bonus von 50 Cent/Schwein ist aber nicht üppig. Sind Schweine knapp, zahlen Schlachthöfe schnell einmal 2 bis 3 Cent mehr als den VEZG-Preis, berichten Vermarkter. Ebenso sind Hauspreise eher selten, wenn, wie in diesem Jahr, Schweine gesucht sind. 

Besonders kritisch zu sehen sind Mehrwochenpreise. Diese zahlen sich nur dann aus, wenn die Preise am Markt stark schwanken. Dieses Jahr jedoch sind die Schweinepreise stark angezogen und sind auf hohen Niveau stabil. Mäster, die sich seit Jahresanfang in Vion-Lieferverträgen bei Good Farming Balance für Sechs-Wochenpreise entscheiden haben, haben phasenweise ein dickes Minus in der Schweinevermarktung eingefahren, das bis jetzt immer noch nicht ausgeglichen ist.

"Die Angebote von Vion, Tönnies und Westfleisch zeigen deutlich: Die Unternehmen haben Angst um eine Rohstoffknappheit. So versuchen sie über Lieferverträge Landwirte mit ihren Schweinen sicher an sich zu binden", sagt Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.      

Er empfiehlt Mästern, nur für Teilmengen Lieferverträge mit Tönnies abschließen. "So können sie prüfen, ob und wie sich die Vertragsschweine gegenüber einer freien Vermarktung auszahlen."

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