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ASP-Krise und Ferkelmarkt

Schwere Krise am Ferkelmarkt - kaum Absatz, Preise im Keller

Ferkel mit Marken im Ohr stehen in einer Reihe
am Freitag, 18.09.2020 - 12:04 (Jetzt kommentieren)

Die ASP-Krise hat auch für die Ferkel-Erzeuger katastrophale Folgen. Die Ferkelpreise sind auf historische Tiefstände gefallen.

Grafischer Verlauf der Ferkelpreise-Wochenpreis in Deutschland, mit einem Absturz beim Ferkelpreis

Der Absatz kommt praktisch zum Erliegen und die Bauern bleiben auf den Ferkeln sitzen. Trotz der drastischen Preissenkung von 12 Euro auf gerade einmal noch 27 Euro je 25-kg-Ferkel gibt es praktisch kaum Nachfrage. Ferkel-Erzeuger berichten über Gebote, die noch weit unter diesem Preis liegen. Damit bleiben viele Sauenhalter auf ihren Ferkeln sitzen.

Ähnlich kritisch ist die Lage offenbar in den Niederlanden. Auch in unseren Nachbarländern ist der Ferkelmarkt quasi zusammengebrochen. Mehr als 10 Millionen Ferkel aus den Niederlanden und Dänemark werden pro Jahr an deutsche Schweinemäster verkauft.

Auf dem niederländische agrarportal Nieuwe Oogst berichtet der Marktexperten Benny ten Thije von Varkenshandel Dijk , dass auch viele südeuropäische Importeure keine Ferkel mehr abnehmen. „Sie trauen sich wegen ASP nicht mehr, Ferkel von hier zu kaufen. Schlimmer kann es nicht werden als diese Woche", sagte Thieje gegenüber Nieuwe Oogst. Das gilt wohl uneingeschränkt auch für die deutschen Ferkel-Erzeuger.

Jede Woche werden Ferkel geboren

Hausschwein und Ferkel stehen auf Stroh

In Niedersachsen hat jetzt der Sauenhalter und Landvolk-Vorstand Thorsten Riggert an die Solidarität unter den Schweinehaltern appelliert: „Es ist notwendig, dass die Mäster den Ferkelerzeugern helfen, indem sie Ferkel abnehmen“, sagt Riggert. Denn selbst wenn die Ferkelerzeuger ihre Sauen abschaffen wollten, ginge das nicht von jetzt auf gleich.

„Es werden jede Woche Ferkel geboren, dieser Prozess lässt sich nicht einfach aufhalten. Insofern ist es auch ein Gebot der Solidarität und wichtig für die Lieferbeziehungen“, sagt Riggert.

„Für die Schweinemäster besteht bei den derzeit niedrigen Ferkelpreisen keinerlei Risiko, insbesondere da die Schweinepest zum Glück noch nirgends in einem Hausschweinebestand aufgetreten ist. Bislang besteht also kein Grund, Angst um den eigenen Bestand zu haben“, bekräftigt der Landwirt.

Landvolk: Suche nach neuen Wegen

Ferkel saugen an den Zitzen einer Sau im Stahl

Der Viehhandel integriert aktuell in seinen Lieferscheinen eine Zusatzerklärung, in der bestätigt wird, dass die jeweiligen Schlachtschweine nicht aus einem Sperrbezirk, Beobachtungsgebiet oder einem gefährdeten Gebiet im Sinne der Schweinepestverordnung stammen, berichte das Landvolk. Damit soll eine effiziente Abwicklung zwischen dem Lieferanten und dem Schlachtbetrieb sichergestellt werden.

Der Preisrückgang, der nun eingesetzt hat, ist aus Sicht der Schweinehalter inakzeptabel. Die neueste Notierung zeigt, dass der Kilopreis zwar aktuell bei 1,27 Euro stabil geblieben ist, aber bevor der ASP-Verdacht in Brandenburg bestätigt wurde, hatten die Mäster fast 20 Cent mehr erzielt. „Wir müssen zeitnah in Deutschland regionalisierte Handelsbeschränkungen erreichen, die insbesondere von den asiatischen Marktpartnern akzeptiert werden“, fordert Enno Garbade, Vorsitzender des Landvolk Arbeitskreises Sauenhaltung.

Gleichzeitig warnt Garbade vor Panikverkäufen bei Schlachtschweinen. „Es muss möglich sein, neue Absatzwege für verloren gegangene Märkte zu finden. Deshalb wäre es ein Fehler und schadet dem ganzen Berufsstand, wenn die Kühlhäuser mit zu leichten Schweinen blockiert werden.“

Garbade ist in Sorge, dass die ASP mit ihren marktpolitischen Folgen für viele bäuerliche Betriebe womöglich das Aus bedeutet.

Politik verspricht direkte Finanzhilfen

Julia Klöckner (CDU) am 17.09.2020 im Bundestag

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat den Schweinehaltern in Deutschland Unterstützung zugesagt, sollte die Marktentwicklung infolge des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) das erfordern. „Wir lassen die Bäuerinnen und Bauern in dieser besonderen Situation nicht allein“, versicherte Klöckner in einer Aktuellen Stunde, die gestern Abend im Bundestag stattfand.

Die Ministerin nannte Beihilfen zur Privaten Lagerhaltung (PLH) als eine Möglichkeit, Marktverwerfungen zu begegnen. Hier gehe es in erster Linie darum, den richtigen Zeitpunkt zu finden, weil die Kühlhäuser derzeit noch mit Exportware gut gefüllt seien. Daneben gehe es um direkte Finanzhilfen. Etwaige Liquiditätshilfeprogramme müssten zielgerichtet ausgestaltet sein und die Betroffenen erreichen. Notwendig sei eine gemeinsame Kraftanstrengung, um die Krise zu bewältigen, so Klöckner.

Der agrarpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Albert Stegemann, forderte kurzfristigen finanziellen Hilfen für schweinehaltende Betriebe ein. SPD-Agrarsprecher Rainer Spiering rief hingegen dazu auf, „Systemänderungen“ anzugehen.  Der Grünen-Agrarpolitiker Harald Ebner kritisierte zudem die hohe Exportabhängigkeit der hiesigen Fleischbranche und betonte die Notwendigkeit, den Nutztierbestand in Deutschland zu senken.

Der agrarpolitische Sprecher der Liberalen, Gero Hocker, warf Klöckner vor, entgegen ihrer Ankündigung habe es die Ministerin nicht geschafft, mit China ein Regionalisierungskonzept zu vereinbaren und damit den Export von Schweinefleisch trotz ASP-Ausbruch sicherzustellen.

Mit Material von Landvolk Niedersachsen, Agrar Europe

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