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Viehzählung Mai 2021

Tierhaltung in der Krise: Bauern geben auf und schaffen Tiere ab

rinder.
am Montag, 28.06.2021 - 15:21 (2 Kommentare)

Unerwartet kam das nicht: Die Zahl der Bauern, die die Tierhaltung aufgeben, nimmt spürbar zu. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Tiere – vor allem der Schweine – kräftig ab.

schweinebestand.

Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Viehzählung vom Mai. Das die Zahl der Tiere noch schneller schrumpft als die Zahl der Tierhalter – wie jetzt bei Schweinen – kommt aber selten vor.

Meist erfolgte der Rückgang der Tierbestände langsamer als die Betriebsaufgaben, denn es geben vor allem kleinere Betriebe auf. Von diesen wandern die Tiere dann rein statistisch gesehen in größere und weiter wachsende Betriebe.

Das ist diesmal – zumindest in der von einer schweren Krise geschüttelten Schweinehaltung  – anders: Während von November 2020 bis Mai 2021 etwa 600 Schweinehalter aufgegeben haben, dass sind immerhin 3,3 Prozent der Betriebe, schrumpfte der Schweinebestand im gleichen Zeitraum um 1,43 Millionen Tiere oder 5,5 Prozent – also deutlich stärker.

In der Sauenhaltung läuft die Entwicklung hingegen weiter so wie zuvor: Einem Rückgang der Sauhalter von immerhin 4,7 Prozent oder etwa 200, steht ein Abbau der Sauenbestände von 3,9 Prozent bzw. 66.000 Tieren gegenüber.

Bei den Rinderhaltern nimmt die Zahl der Betriebe mit 1,8 Prozent ebenfalls schneller ab als der Rinderbestand mit 1,1 Prozent. Dabei ist die Abnahmerate bei den Milchbauern mit 2,6 Prozent noch wesentlich höher. Gleichzeitig geht die Zahl der Milchkühe mit 0,8 Prozent jedoch relativ langsam zurück. Das heißt: In der Milchproduktion setzt sich der übliche Konzentrationsprozess fort.

Schweinehalter schaffen Schweine ab

schweinehalter.

Gezählt hat Destatis im Mai in Deutschland rund 24,6 Millionen Schweine. Das sind 1,43 Millionen Tiere bzw. 5,5 Prozent weniger als im November 2020. Dieser scharfe Bestandsrückgang ist eine direkte Folge der ASP- und corona-bedingten Absatz- und Preiskrise am Schweinemarkt.

Überraschenderweise ist der Bestandsabbau in den Hochburgen der Schweinehaltung – also in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – mit 2,7 Prozent und 3,6 Prozent weitaus weniger heftig, als etwa in Ostdeutschland, mit oftmals zweistelligen Werten. Auch in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ist die Abnahmerate mit 9,4 Prozent und 8,3 Prozent wesentlich höher als im Nordwesten. In Bayern war der Bestandsabbau mit 4,2 Prozent vergleichsweise moderat und lag unter dem Bundes-Durchschnitt.

Die Betriebsaufgaben waren in Niedersachsen mit gerade einmal 1,3 Prozent außergewöhnlich niedrig. Dagegen warfen in Nordrhein-Westfalen mit 3,9 Prozent schon deutlich mehr Schweinehalter das Handtuch.  

Anteilmäßig am meisten Betriebe schieden in Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein aus der Schweineproduktion aus, mit einer Abnahmerate von 5,4 bis 7,5 Prozent aller Schweinehalter in diesen Ländern.

1500 Milchbauern in 6 Monaten aufgehört

milchkuhhalter.

Der Rinderbestand hat von November bis Mai um 125.600 Tiere auf 11,2 Millionen Rinder abgenommen. Das ist eine Abnahmerate von 1,1 Prozent. Die Zahl der Milchkühe ging im gleichen Zeitraum um knapp 30.000 auf 3,89 Millionen zurück. Das ist zwar ein neuer Tiefstand – bedeutet jedoch eine Abnahmerate von nur 0,8 Prozent.

In den großen Milchproduktionsländern Bayern und Niedersachsen nahm die Zahl der Kühe sogar nur um 0,2 Prozent und 0,6 Prozent ab. Am stärksten war der Bestandsabbau in einigen ostdeutschen Ländern und in Schleswig-Holstein, mit durchweg deutlich über 1 Prozent.

Von den deutschen Milchbauern haben von November bis Mai rund 1.500 Betriebe die Produktion eingestellt – jeden Tag also rund 8 Betriebe. Die Abnahmerate lag bei 2,6 Prozent. Damit gab es im Mai noch 55.892 Milchbauern in Deutschland – so wenig wie noch nie zuvor. Das ist das Ergebnis der anhaltend niedrigen Milchpreise und wohl auch der aktuellen Agrarpolitik.

In den beiden TOP-Milchländern Niedersachsen und Bayern, haben von November bis Mai rund 2,8 und 2,3 der Milchbauern aufgegeben - also etwas weniger als im Durchschnitt. Aus Schleswig-Holstein meldete man eine Abnahmerate bei den Milchbauern von 2,3 Prozent und in Baden-Württemberg schieden mit 3,3 Prozent überdurchschnittliche viele Landwirte aus.

Auch in Ostdeutschland gaben überdurchschnittliche viele Milchbauern die Produktion auf.

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