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Tierwohlkennzeichnung

Tierwohl: Stufe 2 kostet Schweinehalter 13 Cent pro kg

Ferkel im Stall
am
06.05.2019
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Die VEZG hat die Mehrkosten für das Tierwohllabel des Lebensmittelhandels berechnen lassen. Sie sind nicht zu vernachlässigen – und das staatliche Label würde noch deutlich teurer.

Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) hat die Kosten der Maßnahmen für das 4-stufige Tierwohllabel des Lebensmitteleinzelhandels von Agrarökonomen berechnen lassen.

Danach verursachen die Anforderungen für Haltungsform 2 auf der Erzeugerstufe durchschnittlich Mehrkosten in Höhe von 13 Cent je kg Schlachtgewicht (SG). Das von der Bundesregierung geplante staatliche Tierwohllabel werde zu Mehrkosten führen, die um das Vierfache höher lägen, so die VEZG.

Zu den Zusatzkosten für Tiere der Haltungsformen 3 und 4 nach den Kriterien des Einzelhandels macht die VEZG keine Angaben. Laut VEZG-Geschäftsführer Dr. Albert Hortmann-Scholten würden die zusätzlichen Kosten in diesen Stufen sehr stark variieren wegen der unterschiedlichen Baukosten zur Erfüllung der Kriterien. Das mache eine Ausweisung problematisch. Zudem sei damit zu rechnen, dass die beiden Stufen nur Marktanteile im niedrigen einstelligen Bereich erreichten.

Aufschläge auf die VEZG-Notierung lassen auf sich warten

Verarbeiter und Handel könnten nun auf Basis der ermittelten Kosten ihre Endverbraucherpreise kalkulieren, erläuterte die VEZG. Die Marktbeteiligten seien aufgefordert, die Haltungsformen nach Preisen differenziert im Einzelhandel auszuloben.

Die VEZG hatte im März angekündigt, ihre Wochennotierung für Schlachtschweine um Aufschläge für die höheren Haltungsanforderungen zu ergänzen. Bisher ist das nicht erfolgt, obwohl die Haltungsformkennzeichnung durch den Handel zum 1. April startete. Laut Dr. Hortmann-Scholten soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden, ob die Notierung um Zuschläge ergänzt wird. Wichtig sei, die Marktnotierung nicht mit betriebswirtschaftlichen Kalkulationen zu vermischen.

Matthias Frieß, Vorstand der VEZG in Oldenburg, begrüßte die Haltungskennzeichnung durch den Einzelhandel ausdrücklich, auch wenn diese auf Erzeugerstufe mit erheblichen Zusatzkosten verbunden sei. Verbraucher erhielten die Gelegenheit, sich eindeutig für mehr Tierwohl zu entscheiden und die Erzeugungsbedingungen in die gesellschaftlich erwünschte Richtung zu verändern.

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