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Corona-Krise und Schweinemarkt

Tönnies ist weiter dicht – Schweinehalter in Not

Werksgebäude des Unternehmens Tönnies
am Montag, 06.07.2020 - 11:31 (2 Kommentare)

Tönnies bleibt bis 17. Juli dicht. Ein Öffnungskonzept wird heute beraten. Schweinehalter geraten immer mehr in Not. Gibt es bald Probleme im Einzelhandel?

Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück

An diesem Montag soll über ein von Tönnies vorgelegtes Hygienekonzept für die schrittweise Wiederaufnahme des Betriebes beraten werden. Nach Angaben der Stadt Rheda-Wiedenbrück, dem Standort des geschlossenen Tönnies-Betriebes, sind dabei Vertreter des Unternehmens und alle Fachbehörden eingebunden. Ein Konzept zum Gesundheits- und Arbeitsschutz ist Voraussetzung dafür, dass Tönnies den Betrieb schrittweise wieder hochfahren kann.

Mitte der vorigen Woche wurde der Zeitraum der befristeten Schließung des Schlachtbetriebes bis zum 17. Juli verlängert. "Ich nehme wahr, dass das Unternehmen deutliche Anstrengungen unternimmt, um den hygienischen Anforderungen für eine Wiederaufnahme des Betriebes gerecht zu werden. Ich sehe uns alle in der Pflicht, an einer sicheren Lösung mitzuarbeiten, die alle Aspekte des Gesundheitsschutzes und des Arbeitsschutzes berücksichtigt um ein weiteres Infektionsgeschehen auszuschließen und die gleichzeitig eine schrittweise Wiederaufnahme des Betriebes ermöglicht", so der Bürgermeister von Rheda-Wiedenbrück Theo Mettenborg.

Lesen Sie in unserem Top-Thema: Wie die Coronakrise die Schlachtbranche unter Druck setzt

Schrittweise Öffnung wird angestrebt

Tönnies selbst meldete: "Wir stehen in engem Austausch mit den örtlichen Behörden und kämpfen für einen schnellstmöglichen Wiederanfang am Standort Rheda. Wir wurden von den Behörden informiert, dass eine schrittweise Wiedereröffnung des Betriebs jetzt gemeinsam aktiv angepackt wird. Auf der Grundlage des durch uns vorgelegten, ausführlichen Hygienekonzepts werden wir am Montag (heute) ein gemeinsames Gespräch mit den Behörden führen.

Unter der Voraussetzung der Genehmigung des Konzepts wird dann über die schrittweise Eröffnung von Teilbereichen entschieden. Vor zwei Wochen wurde der Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück wegen der zahlreichen positiven Corona-Tests unter den Schlachthof-Mitarbeitern eingestellt.

"Dass die Schweinehalter nach zwei Wochen immer noch nicht ansatzweise wissen, wie es weiter geht, ist ein unhaltbarer Zustand," sagte der ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes. "Dabei ist die Systemrelevanz sowohl von Tönnies als auch der Politik klar herausgestellt worden“.

Mäster und Sauenhalter mit großen Problemen

schweine-farmer

Es gibt viele, die unter der Infektionswelle und den daraus resultierenden Folgen zu leiden haben. Das gilt ganz besonders und mit jedem Tag der Schließung des Schlachtbetriebes für die Bauern. „Die Systemrelevanz zeigt sich an dieser Stelle für alle deutschen Schweinehalter, denn an dem Standort werden im Normalbetrieb immerhin 12 bis 14 Prozent der deutschen Schweine geschlachtet.

Wöchentlich stauen sich bis zu 100.000 Schweine auf, die zusätzlich in den Ställen auf die Schlachtung warten. Und das schlägt sich durch bis in die Ferkelerzeugerbetriebe", sagte ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. "Die Tierhalter sind die Leidtragenden der Schlachthofschließung. Und weder Landesregierung, Bezirksregierung, Landkreis und auch das Unternehmen Tönnies sagen, wie das weitere Vorgehen und der Zeitplan hinsichtlich der Wiederaufnahme des Schlachtbetriebes aussieht," so  Staack weiter.

"Auch bei den Sauenhaltern verschärfe sich die Situation erheblich, da sei normalerweise ihre Ferkel an die Mäster liefern. Aufgrund des Rückstaus bei Schlachtschweinen fehlte es zunehmend an Kapazitäten in den Mastbetrieben. Sauenhalter stünden somit vor dem Problem, dass sie keine Abnehmer mehr für ihre Ferkel fänden, warnte Staack. Der stockende Absatz hatte sich bereits bei den Schweinepreisen bemerkbar gemacht.Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) hatte die Notierung für Schlachtschweine vorige Woche um 6 Cent auf 1,60 Euro/kg Schlachtgewicht gesenkt.

Versorgungsprobleme im Einzelhandel?

Lidl

Den Corona-Ausbruch bei Tönnies bekommen offenbar auch erste Supermärkte zu spüren. So muss der Discounter Lidl temporär auf Tönnies-Fleisch verzichten. Wie eine Sprecherin gegenüber dem Nachrichtensender ntv.de sagte, bleibe der Fleischproduzent aber grundsätzlich ein Lieferant. "Es geht darum, dass wir ausreichend Fleisch für unsere Filialen benötigen", sagte die Sprecherin.

Wenn Tönnies wieder ausreichend liefern könne, werde Lidl auch wieder Tönnies-Fleisch anbieten, bestätigte die Sprecherin. Es gehe aktuell um eine vorsorgliche Maßnahme, hieß es. Vor allem die Lidl-Eigenmarke "Landjunker" besteht aus Tönnies-Fleisch.

Die beiden anderen großen Discounter Aldi Süd und Aldi Nord beziehen vor allem für die Eigenmarke "Meine Metzgerei" weiterhin verschiedene Fleischprodukte von Tönnies - mit einer Einschränkung. "Aktuell werden keine Waren mehr aus dem Standort Rheda-Wiedenbrück an uns geliefert", teilte das Unternehmen dem "Handelsblatt" mit.

"Um aufgrund der aktuellen Situation Lieferengpässe zu vermeiden, arbeiten wir gemeinsam mit unseren Lieferanten daran, die Versorgung mit den entsprechenden Fleischartikeln auf gewohnt hohem Niveau zu gewährleisten", hieß es Seites der Discounter.

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