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Corona-Krise und Schweinemarkt

USA: Corona-Krise bringt Schweinehalter in Existenznot

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am Dienstag, 16.06.2020 - 11:40 (Jetzt kommentieren)

In den USA durchleben die Schweinehalter wegen Corona eine schwere Krise. Die Marktpreise für Schweine sind in wenigen Wochen um 50 Prozent abgestürzt.

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Grund war die coronabedingte Schließung zahlreicher Schlachthöfe. Im April unterzeichnete Donald Trump deshalb eine Verordnung, um sicherzustellen, dass die Fleischproduktion auch während der COVID-19-Krise fortgesetzt werden kann. Außerdem wurde eine Untersuchung der Preisdifferenzen zwischen den abstürzenden Erzeugerpreisen und steil ansteigenden Verbraucherpreisen durch das Justizministerium und die Kartellbehörden eingeleitet.

„Der Markt ist schon lange kaputt und die Pandemie hat es nur noch schlimmer gemacht. Schlachtunternehmen machen Rekordgewinne und die Viehzüchter gehen aus dem Geschäft “, sagte Ben Gotschall, Executive Director einer Organisation für wettbewerbsfähige Märkte.“ Die Schließung von Fleischfabriken im April und Mai löste im Lebensmittelhandel erhebliche Engpässe aus.  

"Angesichts der hohen Konzentration von Fleisch- und Geflügelverarbeitern in einer relativ kleinen Anzahl sehr großer Anlagen, hat die Schließung weniger Betriebe die Lebensmittelversorgung gestört und sich extrem nachteilig auf die Landwirte und Viehzüchter ausgewirkt", heißt es in der Erklärung des Weißen Hauses.

Kaum Absatz – viele Schweine getötet

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Laut einem Bericht der amerikanischen CoBank wird die vorübergehende Reduzierung der Schlachtkapazität dauerhafte Auswirkungen auf Fleischverarbeiter, Farmer, Einzelhändler und Verbraucher haben. "Die Margen für Rinder- und Schweinehalter sind auf mehrjährige Tiefststände gefallen", sagte Will Sawyer, Ökonom bei der CoBank.

„Da zahlreiche Schlachter geschlossen waren, hatten die Farmer kaum Absatzmöglichkeiten, sodass die viele Tiere getötet werden mussten. Die Schweine- und Rindfleischproduktion ist im Vergleich zum vorigen Jahr zeitweise um etwa 35 Prozent zurückgegangen, fügte Sawyer hinzu. Während die Schweineschlachtung mittlerweile wieder anzieht, müssen die Farmer möglicherweise bis zu 7 Millionen Schweine töten, was einem Wert von fast 700 Millionen US-Dollar entspricht, schätzt der Analyst.

Dies würde die Fleischversorgung verringern und die Verluste in Milliardenhöhe aufgrund niedrigerer Schweinepreise weiter erhöhen, glaubt Sawyer. Der Rückgang der Fleischproduktion im Mai und Juni hat außerdem auch zu einem starken Rückgang der Lebensmittelvorräte in den USA geführt. Lebensmittelgeschäfte rationierten ihre Fleischvorräte. "Das führt auch zu einer starken Inflation der Einzelhandelspreise für Rind- und Schweinefleisch", ist Sawyer sicher.

60 bis 70 Dollar Verlust – je Schwein

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Der US-Senat muss schnell handeln, um den in der Krise befindlichen US-Schweinefleischproduzenten zu helfen", sagt Howard Roth, Präsident des National Pork Producers Council (NPPC). Nach seiner Einschätzung leiden die Produzenten doppelt unter dem Coronavirus: Sie verlieren 60 bis 70 US-Dollar pro Schwein, wenn sie die Tiere an Schlachter verkaufen, und sie müssen die Kosten für das Töten und Entsorgen von Schweinen tragen, die keinen Käufer haben.

Zwei Millionen Schweine waren im Mai auf den Farmen gestrandet, weil die Schlachter seit Wochen mit reduzierter Kapazität betrieben wurden und die Zahl der nicht fristgerecht geschlachteten Schweine täglich wächst, sagte der Analyst Steve Meyer. Viele Produzenten töten deshalb Schweine, obwohl es keine genauen Zahlen darüber gibt, wie viele es bisher waren.

Schweinezüchter müssen für den Rest des Jahres einen kollektiven Verlust von rund 5 Milliarden US-Dollar verkraften, sagte Roth. Ende Mai wurde die Registrierung für ein USDA-Programm eröffnet, das Landwirten Barzahlungen in Höhe von 16 Mrd. USD ermöglichen soll. Schätzungsweise 1,6 Milliarden US-Dollar davon würden an Schweinefarmen gehen."Es ist aber nicht ausreichend, um Tausende von Produzenten zu ernähren", sagte Roth.

Die Pandemie hat nach Einschätzung des NPPC das übliche Muster der Schweinezucht gestört oder unterbrochen, bei dem die Schweine in regelmäßigen Abständen auf den Markt gebracht und Ersatztiere neu eingestallt werden, erläutert der NPPC-Chef.

Schlachtung erholt sich – Schweinepreise fallen wieder

Arbeiter steht in einem Schlachthof vor Schweinehälften

Die wöchentliche Schlachtung von Rindern und Schweinen waren im April zeitweise um bis zu 40 Prozent eingebrochen – erholte sich dann im Mai aber allmählich wieder. Händler erwarten, dass die Schlachter innerhalb der nächsten zwei Wochen anfangen werden, den Rückstand der Schweineschlachtung aufzuholen, sagte Rich Nelson, Chefstratege des Maklers Allendale. Viele Schlachtunternehmen haben den Betrieb nach den Schließungen im April und Mai jetzt wieder aufgenommen - viele jedoch noch mit reduzierten Kapazitäten.

Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wurden in der vorigen Woche allerdings 5 Prozent mehr Schweine geschlachtet als in der Woche zuvor, jedoch etwa 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die schneller als erwartete Erholung der Schlachtung hat die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die laufende US-Fleischversorgung fast neutralisiert, sagte die USDA am vorigen Donnerstag.

Das USDA schätzt, dass die Amerikaner in diesem Jahr durchschnittlich 220,2 Pfund rotes Fleisch und Geflügel konsumieren werden. Damit wäre der Pro-Kopf-Fleischkonsum gegenüber dem Vorjahr nur um 1 % gesunken. Die Schweinepreise waren nach einem Absturz von etwa 50 Prozent im März/April, bis Mitte Mai zunächst wieder um 25 Prozent gestiegen. Seitdem geht es mit den Preisen jedoch wieder nach unten – zuletzt fast bis auf den Stand vor der Preiserholung.

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