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Schweinemarkt und Schweinepreise

USA: Schweinepreise explodieren – auf 7-Jahreshoch!

Schweine
am Mittwoch, 31.03.2021 - 06:30 (Jetzt kommentieren)

In den USA sind die Schweinepreise explodiert – auf den höchsten Stand seit sieben Jahren.

Schweinepreise.

Der Grund: Der Schweinebestand und vor allem der Sauenbestand gehen deutlich zurück. Und ganz offensichtlich war der Rückgang stärker, als dies Analysten zuvor erwartet hatten. Auslöser für die Preisrallye war der "Quarterly Hogs & Pigs Report" des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA), der die Bestände quartalsweise erfasst, diesmal zum 1. März.  

Analysten waren sich nach der Veröffentlichung der Daten einig: Dieser sehr bullische Bericht wird die Situation am US-Schweinemarkt für längere Zeit beeinflussen. Die Preise haben jedenfalls sofort reagiert: Am US-Terminmarkt schossen die Futures für lebende Schweine (Lean Hogs) auf den höchsten Stand seit August 2014 nach oben – nämlich auf etwa 2,20 USD je kg Schlachtgewicht für den April-Termin. Und für die nachfolgenden Termine notierten Schweine sogar noch etwas höher.

Für die Schweinemäster war das eine große Erleichterung. Denn: Noch zum Jahreswechsel bekamen sie nicht einmal 1,40 USD je kg SG – und waren damit tief in den roten Zahlen. Jetzt können die Mäster endlich etwas von den Verlusten aus dem sehr schwierigen Jahr 2020 wieder ausbügeln.

Eine ähnliche Rallye würde man sich auch für deutsche Mäster wünschen.

Schlachter müssen um die Schweine kämpfen

Schweinebestand.

Ein Blick auf die Zahlen: Der Gesamtbestand an Schweinen belief sich in den USA am 1. März auf 74,8 Millionen Stück. Das sind 2 Prozent bzw. 1,4 Millionen Tiere weniger als man im März vor einem Jahr gezählt hat und 3 Prozent weniger als noch am 1. Dezember. Die Anzahl der Zuchttiere wurde mit 6,21 Millionen Stück angegeben, was einem Rückgang von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Im Jahresmittel wurden im vorigen Jahr sogar 78,6 Millionen und vor zwei Jahren 79 Millionen Schweine gezählt. Demgegenüber hat die Erhebung von März 2021 etwa 5 Prozent bzw. 5,4 Prozent weniger Schweine in den Ställen der US-Farmer ergeben.

Das USDA prognostiziert auch einen deutlichen Rückgang der Zahl tragender Sauen. Die Folge: Von Juni bis August 2021 werden voraussichtlich mindestens 4 Prozent weniger Ferkel geboren als im vorigen Jahr. Damit hatten die Analysten nicht gerechnet.

„Für eine Märzzählung ist dies zudem die erste Bestandsreduzierung seit 2014", schreibt der US-Ökonom Steve Meyer. „Nach sieben Jahren Wachstum gab es erstmals einen Rückgang. Die erwartete deutlich engere Versorgung hat dann nicht nur den Terminmarkt beflügelt, sondern auch die Preise am Kassamarkt weit nach oben getrieben".

„Schlachter befürchten jetzt, sie müssen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder um Schweine kämpfen", hieß es weiter.

Corona-Folgen sind überwunden - Nachfrage springt an

Einen so starken Abbau der Sauenherde hat es seit 2008/09 nicht mehr gegeben, schreiben US-Analysten. Offenbar war den meisten Marktakteuren unklar, wie die US-Schweinehalter auf die Folgen der COVID-19-Krise und den damit verbunden Preisverfall reagieren würden.

Doch als der Markt sich 2020 allmählich zu erholen begann, gingen die Preise für Futtermittel und Getreide durch die Decke und verteuerten die Produktion drastisch. Niedrige Preise und extrem hohe Kosten: Dieser Mix hat sicher viel mehr Schweinehalter als erwartet dazu gebracht, ihre Schweinebestände zu reduzieren.

Nun kommt aber von einer anderen Seite Entlastung, nämlich von der Nachfrage am Binnenmarkt. Dabei wirkt sich in den USA die Tatsache positiv aus, dass das Land hinsichtlich der Corona-Impfungen vielen anderen Ländern voraus ist, und es deshalb eine schnellere Rückkehr zu einem normaleren Verhalten der Verbraucher erwartet wird.

Das könnte bedeuten, das die „aufgestaute Nachfrage“ unter den Verbrauchern, wenn sie denn rauskönnen und sogar grillen dürfen, weiter anzieht. Auch die Nachfrage der wieder geöffneten Restaurants wirkt sich sehr positiv auf den Absatz von Schweinefleisch aus, heißt es in einer Marktanalyse von James Mintert von der Purdue University.

All das passiert in einem Umfeld, in dem die Schweinebestände erheblich kleiner sind als zuvor erwartet.

Export nach China – Unsicherheitsfaktor für die Preise

Schweinefleisch-Export.

An den Exportmärkten könnte der steile Anstieg der Schweinepreise die Wettbewerbsfähigkeit von US-Schweinefleisch aber deutlich drücken. Im Jahr 2020 waren die US-Schweinefleischexporte nach China doppelt so hoch wie 2019. Und auch insgesamt erreichten die US-Ausfuhren einen neuen Rekord. Doch derzeit besteht eine große Unsicherheit darüber, wie hoch die Ausfuhrmenge 2021 am Ende sein wird.

Dabei weiß vor allem niemand wirklich, was in China derzeit passiert, und wie sich die Importe der Chinesen weiter entwickeln, sagt ein US-Analyst. „Es gibt Berichte über eine zweite ASP-Welle, und wo Rauch ist, ist meist auch Feuer", heißt es in dem Analysten-Report.

Der Tip ist: Wenn es um China geht, schaut man am besten auf die tatsächlichen Zahlen. Was machen sie, anstatt was sagen sie? Und was China in Bezug auf den Import von Tierfutter wie Soja und Mais macht, nämlich Riesenmengen auf dem Weltmarkt einkaufen, sagt viel darüber aus, was man tut, um die Sauenherde wieder aufzubauen.

Fakt ist jedenfalls, dass die Exporte nach China die Nachfrage und die Preise am US-Binnenmarkt erheblich beeinflussen werden. Wie groß dieser Einfluss sein kann, das mussten deutsche Mäster nach dem ASP-bedingten Wegbrechen der Exportmöglichkeiten ins Reich der Mitte erleben.

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