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Trockenheit: Sinkende Pegelstände bremsen Schifffahrt aus

Binnenfrachter
am Freitag, 05.08.2022 - 14:43 (Jetzt kommentieren)

Kein Regen in Sicht. Landwirtschaft und Schifffahrt leiden in ganz Deutschland unter dem Wassermangel.

Die monatelange Trockenheit bringt Landwirte nicht nur wegen vertrockneter Ernten in die Bredouille. Auch der Transport auf dem Wasserweg kommt an seine Grenzen. Der Rhein steht da besonders im Fokus; Schiffe können nur mehr in der Fahrrinne fahren und müssen Ladung reduzieren. Mitunter bis zur Grenze der Wirtschaftlichkeit.

So ist der Wasserstand an der Engstelle Kaub bei Koblenz inzwischen besonders niedrig, so dass dort einige Schiffe nur noch 25 Prozent ihrer eigentlichen Kapazität laden können. Das macht den Transport auch von Getreide teurer. Es könnte sogar noch schlimmer kommen: Der Fluss steht kurz davor, nicht mehr befahrbar zu sein.

Transportpreise haben sich vervierfacht

Bei Kaub ist es bald soweit. Der Pegel könnte dort bis zum Wochenende auf 47 Zentimeter sinken. Ohne den Fluss als Massentransportmittel könnte sich beispielsweise die Energiekrise weiter verschärfen, weil Öl oder Kohle nicht ohne Weiteres auf Straße oder Schiene umgeladen werden können. Das schlägt sich im Preis nieder: Die Spotpreise für ein Flüssigtankschiff zum Beispiel, das von Rotterdam nach Karlsruhe unterwegs ist, stiegen am Mittwoch auf etwa 87 Euro pro Tonne. Das sind sieben Euro mehr als am Vortag. Im Juni lag der Preis noch bei 20 Euro pro Tonne.

Derzeit sind insbesondere die frei fließenden Flüsse wie Rhein, Donau und Elbe, von Niedrigwasser betroffen. Auf staugeregelten Flüssen oder den Kanälen sind die direkten Auswirkungen von Niedrigwasser deutlich geringer, da durch die Schleusensteuerung der Wasserstand auf einem bestimmten Niveau gehalten werden kann.

Von den Rekord-Pegeltiefständen des „Niedrigwasserjahres“ 2018 sind die aktuellen Wasserstände derzeit noch ein gutes Stück weit entfernt, meldet der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB). Zum Vergleich: Der Pegel Kaub steht heute bei 56 Zentimetern gegenüber dem Pegel Kaub im Oktober 2018 von 25 Zentimetern.

Flüsse trocknen europaweit aus

Die Trockenheit hat in ganz Europa große und kleine Auswirkungen. Auch weil das Wasser aus den Flüssen fehlt, ist zum Beispiel in den Niederlanden ein Notfallplan in Kraft getreten. Künftig werde ein zentrales Krisenteam die Wasservorräte verteilen, meldet die dpa. Dazu gehören etwa Sprühverbote für Bauern. Aber auch Appelle an die Bevölkerung, sparsam mit Trinkwasser umzugehen. Brisant ist die Trockenheit in den Niederlanden auch, weil sie die Stabilität der Deiche gefährde. Auch Frankreich hat heute einen Krisenstab wegen der Wasserknappheit eingesetzt. In 100 Kommunen soll bereits die Trinkwasserversorgung zusammengebrochen sein.

Anderswo in Europa sinken die Pegel der Flüsse ebenfalls. Der Po in Italien ist allenfalls noch ein Rinnsal. Ebenso haben die Thaya in Tschechien oder die Donau in Österreich dramatische Pegeltiefstände.

Wasserstraßen müssen planbar sein

Der BdB sieht es als besonders wichtig, dass Wasserstraßenprojekte aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 zügig umgesetzt werden. Diese Projekte könnten auch bei Niedrigwasser Abhilfe schaffen, indem Binnenschiffstransporte auch bei niedrigen Wasserständen besser plan- und durchführbar bleiben. Zu nennen sind hier beispielsweise die Wasserstraßeninfrastrukturprojekte „Abladeoptimierung Mittelrhein“ oder die Verbesserung der Fahrrinne an der Donau zwischen Straubing und Vilshofen. Beide Projekte tragen zur Beseitigung von bestehenden Engpässen im deutschen Wasserstraßennetz bei, so der BdB. Wenn der Klimawandel nicht zu noch größeren Trockenheiten führt.

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