Wirtschaft Auswirkungen der Japan-Krise auf die Agrarmärkte

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Tokio - Japan ist weltweit größter Importeur von landwirtschaftlichen Rohstoffen. Durch die Katastrophe wird der Selbstversorgungsgrad des Landes weiter sinken.

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Der Selbstversorgungsgrad in Japan wird auf 30 Prozent sinken.
Kein anderes Industrieland weist eine so geringe landwirtschaftliche Selbstversorgungsquote auf wie Japan. (2008: 41 Prozent auf Kalorienbasis). Das Land wird, als größter weltweiter Importeur von Nahrungs- und Futtermitteln, aufgrund der verheerenden Katastrophe am 11. März seine Einfuhren weiter steigern müssen, da wichtige landwirtschaftliche Produktionsgebiete im Nordosten des Landes strahlenkontaminiert sind und deshalb der Selbstversorgungsgrad auf rund 30 Prozent sinken wird.

75 Prozent der Futtermittel werden importiert

Die Auswirkungen der Katastrophe auf die weltweiten Agrarmärkte wurden in einer Studie der Rabobank International untersucht. Futter- und Lebensmittelimporte Japan importiert 75 Prozent der benötigten Futtermittel und ist mit 16 Millionen Tonnen der weltweit größte Maisimporteur. Das entspricht einem Volumen von zwei Prozent der Mais-Weltproduktion beziehungsweise 30Prozent der EU-27. 85 Prozent der in Japan für Futterzwecke verwendeten Sojabohne (3,5 Millionen Tonnen) werden eingeführt, was einem Anteil von 1,4 Prozent an der Sojaerzeugung weltweit und 0,4 Prozent der EU-27-Produktion gleichkommt.

Weizen zu 90 Prozent aus Einfuhren

Für die Nahrungsmittelindustrie stammen 90 Prozent des Weizenverbrauches aus Importen. Japan verzeichnet Weizeneinfuhren von 5,2 Millionen Tonnen, das sind 0,8 Prozent der Weltproduktion und 21 Prozent der EU-weiten Weizenerzeugung. Der hohe Selbstversorgungsgrad bei Reis von 100 Prozent wird mit massiven Direktförderungen und einem sehr restriktiven Außenhandelsregime für Reisimporte unterstützt. Auch halbfertige und fertige Lebensmittel werden in großer Menge und 67 Prozent des benötigten Zuckers auf den Importmärkten besorgt. Japan, als der weltweit größte Importeur an Schweinefleisch und der zweitgrößte an Rindfleisch, führt jährlich 4,6 Millionen Rinder, 9,6 Millionen Schweine und 294 Millionen Geflügel ein. Zusätzlich werden Käse (190.000 Tonnen), Fisch und Fischprodukte in einem Ausmaß wie in keinem anderen Land importiert.

Die Auswirkungen der Katastrophe

Der Verlust wertvoller Produktionsflächen, durch Versalzung und radioaktive Kontamination des Bodens, wird direkt durch Importe ausgeglichen werden müssen, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Die insgesamt ausgefallenen Mengen sind aber, in Relation zu den auf den Weltmärkten gehandelten Mengen, nicht sehr groß. Zudem wird Japan aufgrund zerstörter Tierproduktionsstätten weniger Futtermittel einführen, weshalb die Auswirkungen des zusätzlichen Importbedarfes auf die Agrarmärkte minimal sein werden. Der Ausfall der sechs kontaminierten Präfekturen wird auf rund acht Prozent des gesamten Verbrauches geschätzt. Produkte mussten wegen hoher Strahlenwerte vernichtet werden oder sind aufgrund der Unterbrechung der Kühlkette durch den Stromausfall verdorben. Zusätzlich wurde die Infrastruktur für 380.000 Tonnen jährlicher Verarbeitungskapazität der Fischindustrie, die zweitgrößte in Japan, zerstört.
 
Trotz der eingeschränkten Exportmöglichkeiten durch mangelnde Verfügbarkeit und Sperren von Importmärkten werden die strengen Lebensmittelkontrollen in Japan das Vertrauen der weltweiten Bevölkerung und Exportmärkte in die japanische Produktion nach dem Sinken der Risikowerte auf ein gesundheitsunschädliches Niveau wieder stärken. Es wird damit gerechnet, dass sich die japanische Wirtschaft bis zum 3. Quartal 2011 stabilisieren wird.

Niedrigste Selbstversorgungsquote aller Industrienationen

Im Jahr 2008 lag die Selbstversorgungsquote nur für Reis bei 100 Prozent. Auf Importe war Japan bei Weizen (14 Prozent Selbstversorgungsgrad), Bohnen (neun Prozent), Gemüse (82 Prozent), Obst (41 Prozent), Fleisch (56 Prozent) und bei Fisch und Meeresfrüchten (62 Prozent) angewiesen. Die konstant hohen Volumen der Nahrungs- und Genussmittelimporte Japans sind neben der extrem hohen Bevölkerungsdichte auf die komparativen Nachteile in der landwirtschaftlichen Produktion sowie die natürlich begrenzte Produktionskapazität zurückzuführen. Es mangelt in Japan an großen Anbauflächen, die potenziell für eine intensive agrarische Nutzung nutzbar wären und folglich international wettbewerbsfähig sein könnten. Die im Laufe der Jahre entstandene enorme Verwundbarkeit des Landes im Bereich der Nahrungsmittel-Versorgungssicherheit hat bereits vor dem Desaster zu einem Umdenken in der japanischen Landwirtschaftspolitik geführt, weshalb ein Selbstversorgungsgrad von 50 Prozent bis 2020 von der Regierung angestrebt wird.