Produktion und Förderung Bodenmarkt: "Knappe Fläche, heiß begehrt"

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München - Heiß begehrt waren auch die Sitzplätze im Vortragssaal zum Podiumsthema Bodenmarkt auf der DLG-Wintertagung. Steigende Pacht und Preise bei immer weniger Fläche, das erhitzt die Gemüter.

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Gut besucht - Das Thema Bodenmarkt beschäftigt die Landwirte.
Dass das Thema Bodenmarkt junge wie ältere Landwirte umtreibt, zeigte sich an der großen Besucherzahl der Veranstaltung "Knappe Fläche, heiß begehrt" der Jungen DLG, die im Rahmen der diesjährigen DLG-Wintertagung in München stattfand. Seit der Finanzkrise 2008 sind die Kaufpreise für Agrarflächen explodiert. Vor allem in den neuen Bundesländern stiegen die Bodenpreise bis zu 150 Prozent im Zeitraum zwischen 2005 und 2012.
 
 
Spitzenreiter im Preiszuwachs sind Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, stellte der Bodenmakler und Landwirt Jakob von Richthofen fest. Die höchsten Preise erzielen jedoch derzeit Flächen in Nordrhein-Westfalen und Bayern. "Bei niedrigen Zinsen und volatilen Finanzmärkten ist Boden ein attraktives Anlageobjekt für Investoren geworden.", erklärt Anlageberater Sandy Hotowitz der Privatbank Berenberg. Die Volatilitätsrate für Agrarland lag zwischen 1999 und 2013 bei nur 6,3 Prozent, so Hotowitz.

S-A will Reform des Grundstückverkehrsgesetzes

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Referenten (v.l.n.r.): Sandy Hotowetz, Berenberg; Juliane Wehrend, Eigenrode Agrar KG; Jakob von Richthofen, Flohr und Richthofen Land- und Forstimmobilien; Dr. Ekkehard Wallbaum, Agrarministerium Sachsen-Anhalt.
In den letzten acht Jahren haben sich die Bodenpreise in Sachsen-Anhalt verdoppelt. Jetzt will das Land der Preisexplosion Einhalt gebieten. Agrarminister Dr. Aeikens hat dazu letztes Jahr eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Situation am regionalen Bodenmarkt bewerten soll. Ein Lösungsweg könnten Anpassungen des Grundstücksverkehrsgesetzes (GrdstVG) sein, erklärte Dr. Ekkehard Wallbaum vom Agrarministerium Sachsen-Anhalts. Es steht die Überlegung im Raum, eine Preismissbrauchsgrenze bei 120 Prozent einzuführen.
 
Eine weitere Option sei laut Wallbaum, die Freigrenze auf drei oder vier Hektar anzuheben. Sie liegt derzeit bei zwei Hektar - ab dieser Größe müsse der Käufer nachweisen, ob er Landwirt ist oder nicht. Eine Anhebung würde Bürokratie abbauen und den Bodenkauf für Landwirte vereinfachen, da Flächen in dieser Größenordnung ohnehin für Investoren unattraktiv seien.
 
Außerdem müsse überlegt werden, wie mit Geschäftsanteilen, an denen Bodeneigentum geknüpft ist und die an Genossenschaften gehen, umgegangen werden sollen. "Beim Handel mit Anteilen greifen die Instrumente des GrdstVG nicht", so Wallbaum. "Das Grundstücksverkehrsrecht sieht nur bei konkreten Flächenverkäufen Eingriffsmöglichkeiten vor". Hier müsse eine gesetzliche Genehmigungspflicht etabliert werden.

Definitionsproblem 'Landwirt'

Um gesetzliche Maßnahmen zum Schutz des landwirtschaftlichen Bodenmarkts zu ermöglichen, sei jedoch zuerst die Definition eines Leitbilds für die Landwirtschaft erforderlich, folgert Wallbaum. Auch Bodenmakler von Richthofen fragt sich: "Wer ist Landwirt?", "Wer darf kaufen?", "Zählen Baulandkäufer, Biogasanlagenbetreiber, Betriebe mit Agrarhandelsaktivität als Landwirte?"
 
In diesem Zusammenhang müsse man aber auch danach fragen, woher das Kapital stammt, mit dem der Landwirt die Fläche erwirbt. Bund und Länder planen für dieses Jahr eine Arbeitsgruppe zur Definition eines Leitbilds einzurichten. Von Richthofen zufolge geht momentan jedoch das Interesse am Bodenkauf von nichtlandwirtschaftlichen Investoren zurück.

Preisrückgang in Sicht?

Ob die Bodenpreise in der Zukunft wieder sinken werden, sei eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, so die Referenten. Sollten jedoch die Energiepreise wieder sinken, würde sich das nicht nur auf die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse, sondern auch auf die Bodenpreise auswirken. Wallbaum führte das Beispiel Niederlande an: Dort habe die Entkoppelung von Tierhaltung und Agrarfläche zu einem deutlichen Preisrückgang der Agrarflächen geführt.
 
Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts kostete 2012 der Hektar in den alten Bundesländern 22.267 Euro und in den neuen Ländern 9.593 Euro. Insgesamt wurden in 2012 106.400 Hektar Fläche gehandelt. Von Richthofen geht jedoch davon aus, dass die gehandelte Fläche größer war.