Umfrageergebnisse Bürokratie: Landwirte sitzen immer länger am Schreibtisch

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Landwirte müssen immer mehr Zeit für bürokratische Pflichten aufwenden. Laut einer Umfrage sitzen Tierhalter im Monat 4 Stunden länger am Schreibtisch als noch 2014.

Landwirte müssen immer mehr Zeit an PC und Schreibtisch verbringen, um die Auflagen, Nachweispflichten und Kontrollen in ihren Betrieben zu bewältigen. Dies geht aus einer Umfrage im Rahmen des Konjunkturbarometer Agrar des Deutschen Bauernverband (DBV) hervor.

Dies deckt sich mit den Ergebnissen der agrarheute-Umfrage zu den kritischen Punkten in der Agrarpolitik, bei der mehrheitlich die zunehmende Bürokratie genannt wurde.

Rund 23 Stunden Schreibarbeit pro Monat

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Bei der Umfrage wurden im Juni bundesweit rund 1.000 Landwirte und Lohnunternehmer befragt.

Laut DBV-Umfrageergebnis müssen Landwirte mit Tierhaltung derzeit im Monat rund 32 Stunden aufwenden, um ihre bürokratischen Pflichten zu erfüllen. Das sind etwa vier Stunden mehr als noch 2014. Allein für die Registrierung der Nutztiere und die Dokumentation von Tierarzneimitteln sind monatlich gut 12 Stunden Schreibarbeit notwendig.

Bürokratie bei Ackerbaubetrieben

Zugenommen hat auch die geforderte Bürokratie bei Ackerbaubetrieben. Die notwendigen Aufzeichnungen bei der bisherigen Düngeverordnung und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verlangen von einem durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betrieb in Deutschland monatlich gut 8 Stunden Arbeitszeit.

Tool zur vereinfachten Dokumentation der Düngebedarfsermittlung.

Bürokratie für EU-Agrarförderung ist deutlich gestiegen

Die Gründe für die relativ starke Zunahme der Büroarbeit der Landwirte in den letzten drei Jahren liegen auch in umfangreicheren Anforderungen bei Antragstellung, Aufzeichnungen und Nachweispflichten der EU-Agrarförderung, einschließlich Cross Compliance. Dafür benötigen die Landwirte heute mehr als 61 Stunden im Jahr, was einem Zeitaufwand von 5,1 Stunden pro Monat entspricht.

Vergleichsweise gering fällt dagegen der Zeitaufwand für Steuererklärungen (2,6 Stunden/Monat) und für die Agrarstatistik/Berufsgenossenschaft (2,1 Stunden/Monat) aus.

Das sagen die Parteien zur Bürokratie in der Landwirtschaft

Für den 'Agrar-O-Mat' zur Bundestagswahl 2017 hat agrarheute die Parteien unter anderem zum Thema Bürokratie befragt. Das sind die Antworten der einzelnen Parteien:

  • CDU/CSU: CDU und CSU werden - wo immer möglich - für spürbare Entlastungen von unnötiger Bürokratie sorgen. Auch bei der Weiterentwicklung der Gemeinsamen europäischen Agrarpolitik GAP werden eine deutliche Vereinfachung und der Abbau der Bürokratie einer unserer Schwerpunkte sein.
  • SPD: In Zukunft sollte es nur noch zweckgebundene Zahlungen und keine pauschale Direktzahlungen pro Flächeneinheit geben. Dazu muss das europäische Recht verändert werden.
  • Bündnis 90/Die Grünen: Wir setzen uns dafür ein, dass Regeln im Sinne der Allgemeinheit eingehalten werden, ohne dass dies zu unnötiger Bürokratie führt und die Betroffenen übermäßig strapaziert.
  • Die LINKE: Bürokratie muss für die Linke an zwingende Notwendigkeiten für den Gesetzesvollzug gebunden sein. Kontrolle und Dokumentation darf kein Selbstzweck und muss dem Risiko für die Gesellschaft angemessen sein. Wir wollen Zielkonformität statt Richtlinienkonformität.
  • FDP: Wir wollen Bürokratie abbauen, vereinheitlichen und praxisnäher gestalten. Verordnungen müssen sich an der Berufspraxis der Landwirtschaft ausrichten, so wie den regionalen Bedingungen.