Nitratgehalt DBV contra UBA: Krüsken schreibt ebenfalls offenen Brief

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Die Diskussion um die UBA-Studie geht weiter. Nachdem die Präsidentin des Umweltbundesamtes einen offenen Brief verfasste, reagiert jetzt der Deutsche Bauernverband.

Die Diskussion um die UBA-Studie geht weiter. Am 16. Juni reagierte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, mit einem offenen Brief auf die Kritik des Bauernverbandes an ihrer Studie "Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung". Jetzt antwortet Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, ebenfalls in einem offenen Brief.

Sehr geehrte Frau Krautzberger,

vielen Dank für Ihren offenen Brief zu unserer Kritik an der Studie Ihres Hauses 'Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung'. Gerne gehe ich darauf ein und darf voraussetzen, dass Sie damit einverstanden sind, für diese Antwort ebenfalls das öffentliche Format zu nutzen. Einer parallelen Veröffentlichung auf Ihrer Webseite steht aus meiner Sicht ebenfalls nichts entgegen.

Für Ihre Forderung nach einer sachlichen Diskussion bin ich Ihnen außerordentlich dankbar. In der Tat braucht die öffentliche Debatte um Düngung, Nitrat und Tierhaltung nichts mehr als das; die zurückliegenden Tage haben das wieder einmal deutlich gezeigt. Deshalb möchte ich nachfolgend unsere Bedenken zu der Studie noch einmal konkreter ausführen.

Vorausschicken möchte ich die Anmerkung, dass der Deutsche Bauernverband sehr wohl seine Kritik am methodischen Ansatz der Studie im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung schriftlich und detailliert vorgetragen hat. Diese Stellungnahme finden Sie als Anlage nochmals beigefügt. Leider wurden diese Anregungen und Bedenken nicht berücksichtigt. Aus unserer Sicht ist die Studie in mehrfacher Hinsicht kritisch zu bewerten, da spekulativ argumentiert, wenig realistische worst-case-Bedingungen angesetzt und wesentliche Einflussfaktoren ignoriert wurden.

Im Einzelnen handelt es sich um die folgenden Punkte:

  • Die UBA-Studie ignoriert das neue Düngerecht. Es handelt sich um eine Spekulation über eine mögliche Entwicklung der Trinkwasserpreise unter Ausblendung der neuen düngerechtlichen Vorschriften. Unberücksichtigt bleibt, dass Anfang Juni 2017 mit der Novelle der Düngeverordnung und des Düngegesetzes, der Verordnung über Angaben zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und der Stoffstrombilanzverordnung eine komplette Neugestaltung sämtlicher Vorgaben für die Düngung sowie der Lagerung und Ausbringung von Düngern in Kraft getreten ist und jetzt umgesetzt wird.
  • Das UBA blendet wesentliche Einflussfaktoren aus. Die Studie selbst gibt zu, dass der Abbau von Nitrat während der Versickerung (Denitrifikation) nicht berücksichtigt wird. Damit wird ein erheblicher Abbau von Nitrat vernachlässigt und führt im Ergebnis der Kalkulation zu unrealistisch hohen Nitratkonzentrationen.
  • Für die Berechnung der Kosten zur Trinkwasseraufbereitung wurde nicht das für die Trinkwassernutzung verwendete Rohwasser zugrunde gelegt. Vielmehr bezieht sich die Studie auf die oberflächennahen Nitratgehalte beim Austritt aus der durchwurzelten Bodenzone. Bei Getreide ist das etwa eine Tiefe von 1 bis 1,5 Metern. Da in einer Tiefe von 1 Meter kein Rohwasser zur Wassergewinnung entnommen wird, führt diese Methodik zu einer erheblichen Überzeichnung der Kosten der Trinkwasseraufbereitung.
  • Das UBA ignoriert gesetzliche Grenzwerte als Basis. In der Studie wird als Referenz zur Kostenberechnung ein Zielwert für die Reduzierung des Nitratgehaltes von 25 mg/l Nitrat verwendet und nicht der gesetzlich festgelegte Trinkwassergrenzwert von 50 mg/l Nitrat. Hiermit werden ebenfalls die daraus abgeleiteten Kosten überzeichnet bzw. künstlich in die Höhe getrieben. Indirekt wird hiermit ferner der Eindruck erweckt, der Trinkwassergrenzwert sei nicht sicher, mit dem Nebeneffekt einer ungerechtfertigten Verunsicherung der Verbraucher.
  • Das UBA treibt die Kosten bewusst in die Höhe. Überhöhte theoretische Wasseraufbereitungskosten sind auch die Folge der getroffenen Grundannahme, wonach nur technische Trinkwasseraufbereitungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Dabei weist die Studie selbst darauf hin, dass "statt der technischen Trinkwasseraufbereitung auch andere reaktive Maßnahmen zum Einsatz kommen könnten, die mitunter geringere Kosten verursachen würden". Hiermit setzt sich das UBA dem Vorwurf aus, nicht die realistischen, sondern möglichst hohe Kosten berechnen zu wollen.
  • Die UBA-Studie ist für Deutschland nicht repräsentativ. Als Datengrundlage für die Modellrechnungen werden in der Studie drei Wasserversorger in Westfalen und Niedersachsen herangezogen und damit Regionen, die als intensive landwirtschaftliche Regionen nicht repräsentativ für Deutschland sind. Dies führt zwangsläufig zu einer Überschätzung der Kosten.

Zusammenfassung:

Ich halte es für mehr als schwierig, mit übertriebenen Annahmen und den beschriebenen methodischen Mängeln eine Kostenberechnung für die Trinkwasseraufbereitung aufzubauschen und so der Landwirtschaft anzulasten. Ein solches Vorgehen wäre zwar aus Sicht einer Kampagnenorganisation legitim. Da wir - wie Sie sicherlich auch - aber davon ausgehen, dass das UBA mit dem Selbstverständnis einer Fachbehörde arbeitet, sollte eine sachliche, auf realistischen Annahmen basierende Argumentation Vorrang haben.

Wir beobachten, dass die öffentliche Wahrnehmung Ihrer Studie in vielen Fällen zum Gegenteil geführt hat und sich die ohnehin schon aufgeheizte Diskussion über das Thema Düngung und Wasserqualität weiter zugespitzt hat. Insbesondere nach einer langen kontroversen Diskussion über die Ausgestaltung des Düngerechts sollte jetzt mit Nachdruck daran gearbeitet werden, das neue Düngerecht in der Praxis umzusetzen. Im Interesse des gemeinsamen Ziels einer Verbesserung der Wasserqualität schlage ich deshalb vor, uns kurzfristig darüber zu verständigen, wie wir die Umsetzung des neuen Düngerechtes gemeinsam begleiten können.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Krüsken


Mit Material von DBV