Mais EFSA hält Fipronil im Mais für bienengefährlich

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Parma/Ludwigshafen - Das Insektizid Fipronil stellt ein hohes akutes Risiko für Honigbienen dar, wenn es zur Saatgutbehandlung von Mais eingesetzt wird.

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Zu diesem Schluss kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in einem Gutachten, das vor kurzem veröffentlicht wurde. Fipronil ist ein Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln wie Regent und Cosmos des Chemieunternehmens BASF. In Deutschland ist Fipronil laut Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministeriums für den Maisanbau nicht zugelassen.
 
Die Europäische Kommission hatte die EFSA ersucht, eine Risikobewertung unter besonderer Berücksichtigung akuter und chronischer Wirkungen auf Bienen vorzunehmen, einschließlich der Effekte geringer Dosen. Die EFSA-Experten konnten für die meisten untersuchten Kulturen wegen Datenlücken keine vollständige Bewertung vornehmen, sowohl was die Staubdrift durch Saatgutbehandlung, Rückstände in Nektar und Pollen sowie sonstige Möglichkeiten der Aufnahme des Stoffs durch Bienen angeht.

EU stuft Insektizid als gefährlich ein

Speziell von der Maisbeizung mit Fipronil geht nach Einschätzung der Gutachter jedoch ein hohes akutes Risiko aus. Gemüsepflanzen werden als unproblematisch erachtet, da diese von Bienen nicht zum Sammeln von Pollen und Nektar angeflogen würden. Der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg begrüßte das Gutachten ausdrücklich. Man habe die BASF bis zum 12. Juni um eine Stellungnahme gebeten. Mögliche Maßnahmen werde man mit den EU-Mitgliedstaaten voraussichtlich Mitte Juli diskutieren.

BASF reagiert auf EFSA-Bewertung

Die BASF kritisierte das Gutachten. Nach ähnlichen EFSA-Gutachten zu potentiellen Risiken durch Neonikotinoide hatte die Kommission im Januar ein Moratorium für die Wirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam sowie Imidachloprid vorgeschlagen - und durchgesetzt. Die BASF stellte in einer Presseverlautbarung fest, in der EFSA-Bewertung würden keine neuen Risiken für die Gesundheit von Bienen genannt, die mit dem genehmigten Einsatz von Fipronil in Zusammenhang stünden.
Mögliche Maßnahmen, die auf dieser Bewertung basierten und zur Beschränkung des Einsatzes von Fipronil in EU-Ländern führen könnten, würden die vielfältigen und komplexen Faktoren, die die Bienengesundheit beeinflussten, nicht berücksichtigen. Der Konzern betonte, gemeinsam mit weiteren Experten sei man nach wie vor davon überzeugt, dass der derzeit zu beobachtende Rückgang von Bienenpopulationen auf anderen Ursachen beruhe.

Ursachen ganzheitlich angehen

Jürgen Oldeweme vom BASF-Unternehmensbereich Crop Protection forderte, die Ursachen für den Bienenschwund ganzheitlich anzugehen. Maßnahmen gegen vereinzelte Technologien, für die, wie bei Fipronil, umfangreiche Erfahrungen für eine sichere Anwendung vorlägen, führten nicht zum Ziel. Oldeweme wies auch darauf hin, dass die EFSA in der Risikobewertung weitgehend neue technische Bereiche einbeziehe, für die es noch keine etablierten Bewertungskriterien gebe."Wir sind bereit, mit der EFSA und der EU-Kommission darüber zu sprechen, welche zusätzlichen Studien und Maßnahmen durchgeführt werden sollten, die dem Schutz von Bienen dienen", so Oldeweme. Produkte auf Fipronil-Basis sind laut der BASF seit 1993 auf dem Markt. Landwirte setzten sie in mehr als 70 Ländern und bei mehr als 100 Nutzpflanzen ein.

Neonikotinoid-Verbot trifft Rapsanbauer hart

Unterdessen meldeten sich zum vorerst zweijährigen Neonikotinoid-Verbot, das am 1. Dezember 2013 in Kraft tritt, der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) sowie der Bundesverband der VO-Firmen (BVO) zu Wort. Mit dieser Entscheidung habe die Kommission trotz eindeutiger Warnungen aus Wissenschaft und Wirtschaft dazu beigetragen, den Rapsanbau in Deutschland und der EU bereits ab der Aussaat 2014 erheblich zu behindern. Das Verbot könne durch verstärkte Pflanzenschutzmaßnahmen auf dem Feld nur abgemildert, aber nicht vollständig ausgeglichen werden.

Neue Kriterien, unberücksichtigte Erfahrungen

Für die betroffene Agrarwirtschaft sei nicht nachvollziehbar, warum die EU-Institutionen sich bei ihrer Entscheidung ausschließlich auf den Gefahrenaspekt beriefen, jüngste Monitoringstudien aus Deutschland und Großbritannien jedoch nicht berücksichtigten. Diese Untersuchungen relativierten eine Gefährdung der Bienen durch Neonikotinoide unter Feldbedingungen eindeutig, so BVA und BVO. Der Geschäftsführer beider Verbände, Robert Künzel, warf der Kommission vor, sie ignoriere, dass die Agrarwirtschaft Millionenbeträge in neue Technik, Ausbildung des Personals und Qualitätsmanagementsysteme wie SeedGuard investiert habe, um den höchstmöglichen Schutz für die Bienen zu erreichen. So lägen heute die Abriebwerte für gebeiztes Saatgut nachweislich auf einem extrem niedrigen Niveau. Künzel unterstrich die Vorteile der gezielten Beizapplikation gegenüber Spritzanwendungen für alle Nützlinge.
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