Umwelt Klimaziele: Landwirtschaft soll Emissionen senken

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Brüssel - Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich auf die Klimaziele bis 2030 geeinigt. Der Sektor Landwirtschaft soll zukünftig noch stärker in die Pflicht der Emissionssenkung genommen werden.

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Die Landwirtschaft soll stärker zur Senkung der CO2-Emissionen verpflichtet werden.
 
Die Spitzenpolitiker der EU einigten sich am Freitag über die Klimaziele bis 2030 und beschlossen insbesondere, den Treibhausgasausstoß der Gemeinschaft bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts im Vergleich zu 1990 um mindestens 40 Prozent (%) zu senken. Zudem soll der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch auf insgesamt 27 % steigen.

Für Sektoren wie die Landwirtschaft, die nicht im Emissionshandelssystem (EHS) erfasst sind, bekräftigt der Europäische Rat, auch in der Zeit nach 2020 nationale Ziele zur Treibhausgassenkung festzulegen, wobei zwischen den Mitgliedstaaten eine Lastenteilung durchgeführt werden soll, mit Zielen in einem Bereich zwischen 0 und minus 40 Prozent gegenüber 2005.

EU überprüft Senkungspotential in der LW

Bereits 2009 hatte sich Deutschland verpflichtet, den Treibhausgasausstoß seiner Nicht-EHS-Sektoren wie die Landwirtschaft bis 2020 um 14 Prozent zu senken. Inwieweit die Land- und Forstwirtschaft stärker in Berichtspflichten zum Klimaschutz einbezogen werden soll, lassen die Staats- und Regierungschefs offen.
 
Der Europäische Rat erkennt ausdrücklich "die vielfältigen Ziele im Bereich Landwirtschaft und Landnutzung, die durch ein geringeres Klimaschutzpotential gekennzeichnet sind, sowie die Tatsache, dass Kohärenz zwischen den Zielen der EU im Bereich der Ernährungssicherheit und des Klimaschutzes sicherzustellen ist" an. Er beauftragt die Europäische Kommission, zu prüfen, auf welche Weise die Nahrungsmittelerzeugung nachhaltig intensiviert und gleichzeitig der Beitrag des Sektors zur Verminderung und Bindung von Treibhausgasen optimiert werden kann, auch durch Aufforstung. Eine Strategie dafür, wie die Bereiche Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft in den Klimaschutzrahmen bis 2030 einbezogen werden sollten, werde festgelegt, "sobald die technischen Gegebenheiten dies zulassen, in jedem Fall aber vor 2020".

DBV: 'Ziel sehr ambitioniert'

Im Vorfeld hatte der Deutsche Bauernverband DBV betont, die deutsche Land- und Forstwirtschaft leiste einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Sie habe ihre Emissionen von Lachgas und Methan zwischen 1990 und 2012 um rund 21 Prozent reduziert. Dieser Rückgang der landwirtschaftlichen Emissionen sei unter anderem auf Anpassungen und Verbesserungen der Effizienz in der Produktion zurückzuführen. Damit habe die Landwirtschaft seit 1990 ungefähr die gleiche Senkung der Treibhausgasemissionen erreicht wie Deutschland insgesamt.
 
Das Ziel einer Verringerung um 40 Prozent bis 2030 hält der DBV für sehr ambitioniert. Die Landwirtschaft dürfe nicht pauschalen Reduktionsverpflichtungen unterworfen oder in einen eigenen Rechtsrahmen für den Sektor einbezogen werden. Sie nehme als Lieferant von Lebensmitteln eine Sonderrolle ein. Der DBV betonte, die Landwirtschaft werde auch in Zukunft einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, nämlich indem Verbesserungen der Effizienz durch eine nachhaltige Intensivierung der Produktion realisiert und dadurch Treibhausgasemissionen reduziert würden.

Pflicht zur CO2-Bindung problematisch

Der DBV wandte sich ferner ausdrücklich dagegen, in das europäische Reduktionsziel bis 2030 CO2-Emissionen und die CO2-Bindung aus Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft einzubeziehen. Wenn die CO2-Bindung erhöht werden solle, wie dies die EU-Kommission vorschlage, könnte dies eine Beschränkung der land- und forstwirtschaftlichen Produktion zur Folge haben.
 
Zudem stehe dies einer verstärkten Biomassenutzung diametral entgegen. Dabei könne die Land- und Forstwirtschaft durch eine verstärkte Nutzung von Biomasse einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung von Treibhausgasen anderer Sektoren leisten und Abhängigkeiten von Importen fossiler Energieträger reduzieren. Wer höhere Klimaschutzziele anstrebe, müsse die Bedeutung der Bioenergie berücksichtigen, betonte der DBV.