Tag des Artenschutzes Landwirtschaft und Artenschutz: So wird im BMUB-Forum diskutiert

Landwirt im Feld mit blühendem Ölrettich © agrarfoto Bild vergrößern
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Was leisten Landwirte für die Artenvielfalt? Und wie könnte man den Artenschutz verbessern? Darüber wird derzeit im BMUB-Forum "Dialog Landwirtschaft" diskutiert.

Heute ist Tag des Artenschutzes - und auch die Landwirtschaft ist gefordert, die Vielfalt der Arten zu erhalten. Wie genau das geschehen kann, wird derzeit  in einem Forum des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) diskutiert. Auslöser für diese Diskussion waren die umstrittenen "neuen Bauernregeln", die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks veröffentlichte. Nachdem Hendricks diese Regeln wegen heftiger Kritik zurückgenommen hatte, wurde das Forum "Dialog Landwirtschaft" eröffnet, wo sich alle Bürger mit ihrer Meinung zu folgenden Themen zu Wort melden können:

  • Agrarförderung
  • Artenvielfalt
  • Verbraucher
  • Wasser/Boden
  • Ländlicher Raum

Das Forum ist noch bis zum 08. März 2017 geöffnet. "Im Nachgang der Kampagne werden wir die Beiträge analysieren und die Ergebnisse in die Erarbeitung der Positionen des BMUB zur zukünftigen Ausgestaltung der Landwirtschaftspolitik einfließen lassen", sagte ein Sprecher des Bundesumweltminiseriums gegen agrarheute.com. "Die Ergebnisse werden auch der interdisziplinär besetzten "Kommission Landwirtschaft" beim Umweltbundesamt (UBA) zur Verfügung gestellt."

Wir haben einige Themen, die im Forum vermehrt diskutiert werden, zusammengefasst. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, können Sie das bis zum 08. März im Forum "Dialog Landwirtschaft" tun.

Flächenverbrauch: Baumaßnahmen zerstören Artenvielfalt

Herr Köninger hat dazu eine klare Forderung: "Der Flächenverbrauch muss gestoppt werden. In Häusern wo früher 10 Menschen wohnen , leben heute nur noch zwei, dadurch werden immer mehr Siedlungsgebiet benötigt und die Natur verdrängt."

Daniel Spaderna stimmt zu: "Der riesige Flächenentzug aus der Landwirtschaft durch Infrastrukturmaßnahmen, Bau- und Gewerbegebiete muss gestoppt bzw. auf ein verträgliches Maß zurückgefahren werden, denn hier werden wertvolle Lebensräume für Pflanzen zerstört. Es bringt nichts, wenn immer neue Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen geschaffen werden und die bereits in einer Vielzahl vorhandenen Ausgleichs- und Biotopflächen nicht gepflegt werden."

Stefan Kramer: "Die Politik muss den anhaltenden, übermäßigen Flächenentzug für die Landbewirtschaftung stoppen. Der bayerischen Landwirtschaft sind in den letzten 40 Jahren mehr als 5000 Quadratkilometer Acker- und Grünland durch die gesamtgesellschaftlichen Infrastruktur- und Siedlungsprojekte verloren gegangen, was dem heutigen Umfang an Acker- und Grünland des gesamten Regierungsbezirks Schwaben entspricht."

Dünger und Pflanzenschutz: Mehr Regeln und Verbote

Sixta Görtz fordert: "Der Einsatz von Dünger in der Landwirtschaft muss gesetzlich strenger geregelt und vor allem auch besser kontrolliert werden. Pestizide sollten erst dann zugelassen werden, wenn sie sowohl auf ihre langfristigen Auswirkungen auf Bestäuber untersucht als auch die Wechselwirkungen mit anderen, bereits am Markt befindlichen Mitteln getestet wurde."

Einige Beiträge fordern das Verbot verschiedener Pflanzenschutzmittel, strengere Regeln für die Düngung und die Umstellung auf Bio. Friederike Stellter äußert sich hier ausgleichend und kompromissbereit: "Ein großes Problem ist, dass die Anerkennung des Artenschutzes in der (Land-)Bevölkerung zu gering ist. Es wird oft gegen die "Ökos" geschimpft, ohne zu bedenken, dass der Großteil dieser lediglich eine lebenswerte Umwelt für uns ALLE unterstützt. Es muss viel in Bildung und in Aufklärung investiert werden. Man muss Kompromisse finden, die sowohl für die Bauern, den Freizeitwert und den Naturschutz vereinbar sind."

Entschädigung der Landwirte für ihren Artenschutz-Beitrag

Immer wieder wird im Forum betont, dass Landwirte einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz leisten. Eine Unterstützung oder Entschädigung könne das vielleicht noch fördern. Niels Wrogemann sagt dazu: "Aktuell wird einigen Wenigen (häufig Landwirte, Grundstückseigentümer allgemein) aufgebürdet, die Kosten für den Schutz der Artenvielfalt und Umwelt zu tragen. Eine adäquate Entschädigung gibt es i.d.R nicht und es gibt auch keinen automatischen, gesetzlichen Anspruch darauf."

Gebhard Aierstock fügt hinzu: "Die Leistungen, die die Landwirte zur Erhaltung der Biodiversität erbringen, müssen entsprechend bezahlt werden. Es ist eben keine Selbstverständlichkeit,das Artenvielfalt automatisch erhalten wird."

Gegen Strukturwandel: Kleine Betriebe leisten mehr

Thomas Schmoll findet, man müsse kleinere Betriebe besser unterstützen und schlägt vor: "Wenn die Landwirtschaft höhere monetäre Erträge aus der Produktion erhalten würde, wäre eine weitere Fruchtfolge das kleinste Thema." Eine weitere Fruchtfolge könnte die Artenvielfalt födern. Schmoll schlägt vor, dass Tierhaltungs- und Ackerbaubetriebe besser zusammenarbeiten oder Flächen tauschen könnten, wenn es entsprechende Anreize gäbe."

Christoph Weidner fordert zu diesem Thema: "Keine weitere Förderung des Strukturwandels (Betriebsvergrößerung) und keine weitere Förderung für Biogasanlagen! Durch die einheitliche Flächenbewirtschaftung der großen Betriebe geht die Artenvielfalt verloren. Bei vielen kleinen Betrieben werden alle Flächen unterschiedlich bewirtschaftet (mit bzw. ohne Weidegang, Heu oder Silo, unterschiedliche Düngung, unterschiedlich intensive Nutzung...)."

Blühäcker, Wiesen und Feldränder

Frau Schauer fände kostenloses Saatgut für Blühwiesen gut: "Das geforderte Saatgut z. B. für die Zwischenfrucht - Bienenweide, Blumenwiese, die wir anbauen sollen, bzw. müssen, sollte frei sein. Das heißt: es sollte für die Bauern einfach mal nichts kosten. Jeder Bürger in unserem Land profitiert von unseren fleißigen Bienen und anderen Insekten. Jeder Bürger erfreut sich an blühenden Wiesen. Jeder will gepflegte Grünflächen sehen, aber bezahlen soll es immer der Landwirt."

Matrion Ruppaner sagt dazu: "Wir brauchen endlich eine Kampagne, dass Straßenränder nicht einfach gemulcht werden, sondern erst dann gemäht werden, wenn die meisten Arten zum Blühen kamen und damit Lebensraum und Vielfalt erhalten. Evtl. sollten die Kommunen Handlungsverpflichtungen bekommen, die Biodiversität zu fördern."

Eva Krötz stimmt zu: "Mit der Flurbereinigung sind die kleinen Felder mit Heckenstreifen und Feldwegen verloren gegangen. Ich finde es ganz wichtig, dass zwischen den Feldern wieder mehr Hecken und Bäume gepflanzt werden."