Praktikerbericht Methantraktor in der Praxis: Petersilienstängel im New-Holland-Tank

Erschienen in der Agrartechnik

New Holland Methangasschlepper © Werkbild Bild vergrößern
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An manchen Tagen fährt der blaue New Holland Methan Power mit dem Abfall von Petersilienstängeln, nämlich den Gärresten, die den Traktor antreiben. Zwei Energiewirte, darunter der Präsident des Fachverbandes Biogas, haben den Traktor getestet.

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Klaus Senghaas (New Holland), „Testfahrer“ Horst Seide und Jochen Etzold (Newtec Peine, v.li.) freuten sich über den gelungenen Test des Methangasschleppers.

Was im niedersächsischen Dannenberg knapp fünf Wochen getestet wurde, könnte die Zukunft sein, wenn es nach New Holland geht: Landwirtschaftliche Geräte, die statt mit Diesel oder Benzin mit Methangas fahren.

Bei der Agritechnica 2013 hatte der Landtechnikhersteller New Holland den ersten Prototypen des methangasbetriebenen Traktors T6.140 vorgestellt. Inzwischen ist man in der Entwicklung von marktreifen alternativen Antriebskonzepten einen großen Schritt weiter. In Italien, Frankreich und England wurde der Prototyp der zweiten Generation bereits in der Praxis getestet.

Erste Tester des Methan-Traktors

Deutschen Boden befuhr der T6.180 im Herbst 2016 erstmals bei zwei Landwirten, wie der agrarmanager berichtete: Juliane und Winfried Vees betreiben seit 2004 in Baden-Württemberg eine Biogasanlage. Sie wurden bereits als "Energiewirt des Jahres" mit dem Ceres-Award ausgezeichnet.

Der zweite Landwirt ist Horst Seide in Dannenberg.
 Der Präsident des Fachverbandes Biogas e.V. und Betreiber von zwei Biogasanlagen und vier Biogas-Tankstellen war der geeignete Praxis-Tester für New Holland. Horst Seide will komplett weg von fossilen Brennstoffen und Strom, Wärme und Treibstoff aus erneuerbaren Energien erzeugen und verwenden. Bei Strom und Wärme ist er bereits autark, jetzt sucht er einen Weg, neben dem Privat-Pkw auch sein landwirtschaftliches Gerät mit Biogas zu fahren.
 New Holland lieferte den Schlepper zunächst zur Niederlassung Peine der Newtec, einer der größten New Holland-Händler-Organisationen in Europa.

Umbau der Druckluftanlage und des Anhängebocks

Die Newtec-Mitarbeiter richteten den Schlepper innerhalb eines Tages an die Bedürfnisse vor Ort aus. "Wir haben die Druckluftanlage angepasst und den Anhängebock montiert", erläuterte Niederlassungsleiter Jochen Etzold. Die Kollegen waren gespannt auf den Prototypen: "Für jeden Techniker ist das eine sehr interessante Sache, wenn er so etwas mal live sehen kann. Viele haben den ersten Prototypen auf der Agritechnica gesehen", erklärte Etzold.

Der T6.180 hat einen FPT6-Zylinder-Motor mit 6,75 Liter Hubraum und 179 PS. Der Schadstoffausstoß ist beim CO2 laut New Holland um zehn und bei anderen Schadstoffen um 80 Prozent geringer. Die Kosten für den Kraftstoff sollen bis zu 40 Prozent niedriger sein als beim Diesel. Im speziellen Fall von Horst Seide, dessen Gas an der Tankstelle eine CO2- Reduzierung von 85 Prozent hat, war die tatsächliche Reduktion 90 Prozent, die Kraftstoffkosten beim Tanken lagen etwa zehn Prozent niedriger.

Fazit nach 100 Stunden Einsatz

Horst Seide war nach insgesamt gut 100 Stunden im Einsatz "angenehm überrascht: Der Trecker zieht, hat genug Drehmoment, nimmt Steigungen problemlos. Es gibt keinen Komfortverzicht. Er sieht aus wie ein Schlepper und fährt sich wie ein Schlepper. Alle fünf Stunden muss ich ihn auftanken. Und die Kosten liegen um zwei Drittel niedriger."

Jedes Plätzchen im Schlepper wurde für die neun Gastanks genutzt. Zukünftig sollen es so viele werden, dass nur noch einmal am Tag aufgetankt werden muss. Der Traktor lief mit einem Schaltgetriebe, "weil man den Motor so besser testen kann. Später wollen wir auch ein Stufenlos-Getriebe vorhalten", erklärte Klaus Senghaas. Biogasproduktion, Biogas-Tankstelle, CNG-Privatfahrzeuge – "es ist jetzt schon alles da, was man braucht, um auch bei der Mobilität CO2 einzusparen", betonte Horst Seide. "Die Landtechnik muss es nur noch umsetzen. Und die Politik muss es wollen."

New Holland-Versuchsabteilung wertet Testbericht aus

Klaus Senghaas, Manager Communications von New Holland, erklärte, wie der Test zustande kam: "Für uns ist wichtig zu erfahren: Taugt der Motor? Taugt die Charakteristik? Wie zuverlässig läuft der Schlepper? Kann man damit arbeiten?" Die Daten lieferte der Schlepper direkt an die Versuchsabteilung nach Italien. Die Mitarbeiter von Horst Seide steuerten dann noch schriftlich bei, welche Arbeiten genau ausgeführt wurden.