Tierwohl Meyer stellt neues Weidemilch-Label vor

Weidemilch © Ammerland Bild vergrößern
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Beim Viehaustrieb diesen Sonntag will Agrarminister Christian Meyer das neue Weidemilch-Label vorstellen. Ab Montag startet der Verkauf der neuen Weidemilch.

Am Sonntag gibt sich Niedersachsens Landwirtschaftsminister beim Weideaustrieb in Elsfleth (Kreis Wesermarsch) die Ehre. Auf dem Hof Hanken hat die Molkerei Ammerland und das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen den Minister unter dem Motto „Auf die Weide, fertig, Gras!" geladen. Der Grund: Die Milch mit dem neuen norddeutschen Weidemilchlabel kommt in die Läden.

Als erster Händler kündigt Lidl Deutschland an, sein Sortiment ab Anfang Mai in ausgewählten Regionen im Norden Deutschlands mit der Eigenmarke "Milbona" Weidemilch unter dem neuen Siegel "Pro Weideland - Deutsche Weidecharta" zu ergänzen.

Weidemilchprogramm

Mit dem Weidemilchprogramm will die Landesregierung die veränderten gesellschaftlichen Ansprüche an landwirtschaftliche Produktionsverfahren aufgreifen, heißt es in der Ministeriumsmeldung. Dafür hatten im Vorfeld rund 20 Organisationen eine gemeinsame Charta „Weideland Norddeutschland" verabschiedet.

Zu den Zeichnern gehören Vertreter aus dem Tier-, Verbraucher- und Naturschutz, mehrere Molkereiunternehmen sowie diverse landwirtschaftliche Interessenvertreter aus Niedersachsen.

So sind nach Angaben des Ministeriums unter anderem Landvolk, Bund deutscher Milchviehhalter, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landjugend, Junglandwirte, die Umweltverbände NABU und BUND sowie Vertreter von Molkereien, Wissenschaft und Tierschutz bei der Erarbeitung der Labelkriterien dabei gewesen. Ferner sind die Länder Schleswig-Holstein und Bremen der Charta „Pro Weideland" ebenfalls beigetreten und haben die Bedingungen akzeptiert.

Haltungskriterien für die Weidemilch

  • Weideperiode: Sechs Stunden an 120 Tagen im Jahr oder jährlich mindestens 720 Stunden
  • Futterversorgung: die Mindestgrundfutterfläche je Milchkuh pro Betrieb und Kalenderjahr beträgt 2.000 Quadratrmeter (das entspricht einem Verhältnis von mindestens einem Hektar Weidefläche pro fünf Milchkühe), mindestens die Hälfte der Fläche muss davon in der direkten Nähe der Melkanlage vorhanden sein.
  • Schutz der natürlichen Ressourcen: Bei dem Weideland muss es sich um Dauergrünland handeln, damit die positiven Eigenschaften der Beweidung auf die Umwelt zum Tragen kommen können.
  • Fütterung: Ab der Weidesaison 2017 ist Weidemilch auf der Basis von GVO-freiem Futter zu erzeugen.
  • Getrennte Erfassung und (Weiter)-Verarbeitung von Weidemilchprodukten im Rahmen des klassischen Labels (100% Weidemilch)
  • Mehrerlös von Weidemilch für landwirtschaftliche Betriebe: allen teilnehmenden Landwirten soll pro abgelieferter Milchmenge in Kilogramm ab 2018 ein Mehrerlös von fünf Cent gegenüber dem Milchpreis von konventioneller Milch gezahlt werden.

Anbindehaltung nur unter diesen Umständen

Ein Mindestmaß an Bewegung wird für die Gesunderhaltung und das Wohlbefinden der Tiere als erforderlich vorausgesetzt, daher ist die Anbindehaltung für Milchkühe nur unter folgenden Auflagen geduldet: Die Beweidungsdauer wird von sechs Stunden an 120 Tagen im Jahr auf sechs Stunden an 180 Tagen im Jahr erhöht und zusätzlich müssen die Kühe während der Stallsaison alle zwei Tage für mindestens eine Stunde Zugang zu einer Auslauffläche außerhalb des Stalls haben.


Mit Material von ml.niedersachsen.de

Strategien nach der Quote: Vollweidehaltung in Irland
  • Der irische Milchviehhalter Thomas Campion hält 170 Kühe plus eigene Nachzucht auf 94 Hektar Grünland. Seine Kühe stehen bis zu zehn Monate im Jahr auf der Weide.

    © Immo Cornelius
  • Weidegras ist das günstigste Futtermittel und deswegen Hauptkomponente in der irischen Milchviehfütterung. Ist das Gras zu Beginn der Weidesaison Ende Februar noch rohfaserarm, füttert Thomas Campion Heu und Stroh zur Strukturverbesserung.

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  • Die Rinderrasse ist in Irland den Haltungsbedingungen angepasst. Viele Farmer kreuzen dafür Holstein Friesian mit Jersey, Thomas hingegen kreuzt mit neuseeländischen Friesian. Die niederrahmigen Kühe sind robuster und eigenen sich besser für die Weidehaltung.

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  • Die Weidesaison beginnt in Irland meist Ende Februar, also vor Vegetationsbeginn. Die Kühe sind ab dann oft zehn Monate draußen, Tag und Nacht. Bei einem Kraftfuttereinsatz von 1-2 kg/Kuh/Tag wird auf dem Betrieb Campion so eine Leistung von 5800 Litern/Kuh/Jahr realisiert.

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  • Ziel der Vollweide ist eine hohe Flächenproduktivität, möglichst viel Milch soll dabei aus Weidegras erzeugt werden. Die Weiden sind deswegen Portionsweiden. Mit dem Quad wird den Kühen zweimal täglich ein neuer Abschnitt zu Beweidung zugeteilt. So wird eine hohe Futterausnutzung erreicht.

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  • Das System Portionsweide ist aufwändig: Futter muss zugeteilt, Aufwuchs gemessen und Zäune instand gehalten werden. Thomas Campion benutzt dafür eine hydraulische Pfahlramme, um Zeit und Kraft zu sparen.

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  • Gerade zu Beginn der Weidesaison leidet die Grasnarbe bedingt durch die begrenzte Flächenzuteilung, wassergesättigte Böden und Niederschlag unter der Trittbelastung durch die Kühe.

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  • Um bestimmte Grünlandflächen zu erreichen, mußten die Kühe von Thomas Campion bisher eine Straße überqueren. Dafür sicherte Thomas die Straße zweimal täglich ab. Dies nahm bei 170 Tieren eine Menge Zeit in Anspruch.

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  • Aus diesem Grund baute er 2015 eine Unterführung für rund 50.000 Euro. Die Bauzeit betrug zwei, die Planung 18 Monate.

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  • Die Kühe können nun den Stall und Melkbereich erreichen, ohne die Straße zu überqueren. Nach dem Melken laufen die Kühe selbstständig zurück zur Weide.

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