Kommentar Mobbing von Bauernkindern: Schikane gegen die Schwächsten

Erschienen in der LAND & Forst

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Das Mobbing von Landwirtskinder in Schulen ist wohl weiter verbreitet als bisher angenommen. LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan hat sich Gedanken gemacht.

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Ralf Stephan ist Chefredakteur der LAND & Forst.

Der Kinderschutzbund hatte das Thema im vorigen Jahr zum ersten Mal öffentlich aufgegriffen. Es gab die zu erwartende Empörung, in mancher Schule wird seitdem auch genauer hingeschaut. Doch wie bei anderen sozialen Problemen setzte schnell der Verdrängungsmechanismus ein. Mobbing gegen Bauernkinder ist kein Dauerbrenner für Politik und Medien.

agrarheute.com-Umfrage zum Mobbing

Das Onlineportal agrarheute.com aus dem Verlag der LAND & Forst fragte deshalb Anfang März seine Nutzer nach eigenen Mobbing-Erfahrungen.

Drei Viertel der über 800 Befragten gaben an, in der eigenen Familie oder im persönlichen Umfeld Mobbingfälle zu kennen. Das ist eine erschreckend hohe Zahl. Denn gefragt wurde nicht nach dem in Gruppen Heranwachsender durchaus üblichen Drangsalieren, sondern ganz gezielt nach Mobbingattacken, die mit der Herkunft der Kinder aus Bauernfamilien zusammenhängen.

Mobbing in der Schule: Lehrkräfte haben Verantwortung

Somit lässt sich das Problem nicht länger kleinreden. Wie kann ein Klima entstehen, das zu solcher verbalen oder körperlichen Gewalt unter Kindern führt? Lehrkräfte stehen dabei in besonderer Verantwortung. Sie beginnt beim Umgang mit landwirtschaftlichen Themen im Unterricht und hört mit der Vorbildwirkung der Erwachsenen nicht auf. Schon eine abfällige Bemerkung kann reichen, um einzelne Schüler in den Augen der anderen zum "Zielobjekt" zu machen.

Denn offenbar heizt die oft sehr unsachlich und unfair geführte öffentliche Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft auch zuhause in den Familien die Stimmung auf. Schiefe Bildern in den Köpfen über den Alltag auf deutschen Höfen treffen zusammen mit einem zunehmend roheren Umgang in der Gesellschaft, den dieser Tage auch die Kultusministerkonferenz beklagte.

Null-Toleranz-Praxis bei Mobbing empfohlen

Mobbing wird in Deutschland generell zu lasch genommen und muss viel stärker bekämpft werden. Das kritisieren die Verfasser der Pisa-Studien nach einer Sonderuntersuchung zu diesem Thema. Sie sprechen sich für eine Null-Toleranz-Praxis aus: Mobbing darf in der Gesellschaft auf keinen Fall akzeptiert werden.

Kurz vor Ostern gab es im Landtag klare Bekenntnisse der Parteien gegen das Mobben von Bauernfamilien. Schon der beginnende Wahlkampf wird zeigen, wer welche Worte verwendet, um Bauernarbeit zu beschreiben.


Umfrage-Ergebnisse: Die Zahlen zu Mobbing von Bauernkindern