Dorf und Familie Ratgeber: Welcher Hund passt zu mir?

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Hunde sind echte Arbeitstiere. Doch nicht jeder Hund ist gleich - jede Rasse bringt Vor- und Nachteile mit sich. Finden Sie heraus, ob ein Hof-, Hüte- oder Jagdhund besser zu Ihnen und Ihrem Betrieb passt.

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Jagd- und Wachhund: Weimaraner Langhaar
Weltweit gibt es über 800 Hunderassen. Der kleinste Hund, der Chihuahua, wiegt etwa zwei Kilogramm, der größte, der Mastiff, ist mit 90 kg fast so schwer wie ein drei Monate altes Kalb. Aber eigenen sich diese auch als Hofhund? Und welcher Hund ist der richtige für mich und meinen Betrieb? Soll es ein Hütehund sein, ein Aufpasser oder eher ein jagdlich einsetzbarer Vierbeiner? Die Redaktion des dlz-agrarmagazins stellt in ihrem Ratgeber passende Hunderassen für den Hof vor.

Haus- und Hofhunde

Zu dieser Kategorie zählen Rassen wie Hovawart, Bernhardiner, Großer Schweizer Sennenhund, Landseer, Riesenschnauzer oder Leonberger, aber auch der Deutsche Schäferhund kann dazugezählt werden. Wie bereits der Name sagt, sind sie besonders dafür geeignet, Haus und Grundstück zu bewachen. Sie sind sehr eigenständige, meist größere Hunde, die einen ausgeprägten territorialen Instinkt haben. Das ist bei einem abseits gelegenen Hof gut, denn die Hunde lernen schnell, was ihr Verantwortungsbereich ist, und bewachen ihr Grundstück vor Eindringlingen.
 
  • Vorteile: Gute Aufpasser, wachsam, laufen selten weg, gute Familienbindung, sehr eigenverantwortlich.
  • Nachteile: Haben ihren eigenen Kopf; schwierig bei Fremden; oft zu wachsam, entwickeln einen Hang zum Dauerkläffen; nicht für den aktiven, sportlichen Bauern, der den Hund gerne zum Sport mitnehmen will
  • Besonderheiten: Nur bedingt für Direktvermarkter geeignet, da auch Einkäufer als Eindringlinge angesehen werden. Achtung: Dazu gehört auch der Postbote! Und der kommt jeden Tag immer wieder.
  • Empfehlung: Haus- und Hofhunde sollten eine enge Anbindung an die Familie haben. Feste Liegeplätze und Verantwortungsbereiche machen es ihnen einfacher zu wissen, wo sie aufpassen sollen und wo nicht. Viel Vertrauen in den Hundehalter ist wichtig, sonst übernehmen Haus- und Hofhunde schnell Eigenverantwortung, was nicht immer erwünscht ist. Ein Hund, der nachts bei jedem Geräusch anschlägt, wird schnell zur Last.
  • Für Sie geeignet, wenn: einen Betrieb nicht unbedingt mitten im Dorf hast, einen Aufpasser für Deinen Hof brauchst, konsequent und kein Hunde-anfänger bist und einen treuen Freund suchst, der lieber kuschelt (nicht alle diese Hunde sind kuschelig, unbedingt vorher testen) als Dich beim Joggen zu begleiten.

Hütehunde

In diese Kategorie fallen die Schäferhunde wie Australian Sheperd, Border Collie, Deutscher, Altdeutscher und Belgischer Schäferhund (Malinois, Laekenois, Groenendael, Tervueren), Weißer Schweizer Schäferhund, Bobtail oder der Briard. Mit der richtigen Ausbildung können Hütehunde eine erhebliche Arbeitserleichterung für Deinen Betrieb sein, beispielsweise wenn Du sie darauf trainierst, beim Kühetreiben zu helfen oder wenn Du Pferde oder Schafe hältst. Hier eignet sich der Australian Shepherd, der ist etwas robuster als die anderen Rassen.
 
Der Border Collie dagegen ist sehr sensibel. Wenn der mal von einer Kuh getreten wird, und das kann schnell passieren, dann geht der nie wieder Richtung Kuh. Aber: Wer je gesehen hat, wie beispielsweise ein Border Collie beim Schafetreiben bis zu 20 verschiedene Pfiffe erkennen und in hochkomplexe Aktionen umsetzen kann, der weiß, welches Potenzial in diesen Rassen steckt. Bis dahin muss man jedoch viel Zeit in die Ausbildung dieser Hunde investieren. Die meisten Tiere aus dieser Kategorie sind keine Anfängerhunde! Für Einsteiger eignet sich daher am ehesten der Weiße Schweizer Schäferhund.
  • Vorteile: Sehr arbeitswillig; hochmotiviert; guter Hüteinstinkt; sehr menschenbezogen; können Kommandos auf weite Distanz erkennen und umsetzen.
  • Nachteile: Müssen gut ausgelastet werden; langweilen sich schnell und werden dann zum Nervfaktor; sind hochsensibel; oft langhaarige Hunde, was viel Fellpflege erfordert.
  • Besonderheiten: Brauchen eine hervorragende Ausbildung, wenn sie sinnvoll auf dem Hof eingesetzt werden sollen; müssen viel beschäftigt werden – bei Langeweile werden sie schnell hyperaktiv und wirklich nervig.
  • Empfehlung: Einen Hütehund solltest Du Dir am besten im Welpenalter zulegen und von klein auf mit ihm trainieren. Dies ist generell einfacher, wenn Dein Hund spezielle Aufgaben auf Deinem Hof übernehmen soll. Drei Wochen Nichtstun, beispielsweise in der Erntezeit, ertragen Hütehunde nicht gut. Du solltest darauf achten, dass sie einen Job haben oder sich jemand um sie kümmert, wenn Du einmal wenig Zeit für sie hast.
  • Für Sie geeignet, wenn: Schafe, Kühe oder Pferde hast, die es zu treiben gilt, den Hund jeden Tag sinnvoll beschäftigen kannst und einen Wirbelwind möchtest, der auch sportlich einiges zu bieten hat.

Jagdhunde

Diese Kategorie ist eine Wissenschaft für sich, über die sich Jäger seit Generationen am abendlichen Stammtisch streiten. Welche Hunde sind die besten - Vorstehhunde, Apportierhunde oder Stöberhunde? Zu den Vorstehhunden zählen beispielsweise Setter, Deutsch Drahthaar oder Kurzhaar, aber auch Münsterländer (kleiner und großer), Magyar Vizsla oder Pointer. Ihre Aufgabe es ist, dem Jäger die Beute aufzuspüren und anzuzeigen. Dabei wird oft die Vorderpfote gehoben, was zu dem Namen geführt hat.
 
Apportierhunde finden sich unter den Retrievern wie dem Golden -, Labrador- oder Flat Coatet Retriever sowie auch beim Pudel. Sie werden nach dem Schuss eingesetzt. Ursprünglich wurden die Apportierhunde für die Entenjagd gezüchtet, bei der das Aufstöbern von Wild nicht gewünscht ist. Alle Hunde dieser Gruppe sind sehr sensibel, sie sollen sich auf kleinste Zeichen des Jägers lenken und leiten lassen.
 
Wachteln oder Spaniel sind klassische Stöberhunde zum Spurenlesen und für Nachsuchen in unübersichtlichem Gelände. Stöberhunde und auch Vorstehhunde werden somit sowohl vor als auch nach dem Schuss eingesetzt, denn geschossenes Wild soll anschließend zum Jäger gebracht werden.
 
Bracken wie Brandl-Bracke, Deutsche Bracke (Olper Bracke,) Alpenländische Dachsbracke, Basset, Bayerischer Gebirgsschweißhund, Beagle oder Bloodhound zählen zu den Meutejägern. Ihnen ist es egal, mit wem sie zusammen dem Wild hinterherjagen – Hauptsache, es wird gejagt!
 
Und dann gibt es noch die Gruppe der Solitärjäger, zu der fast alle Terrierarten wie beispielsweise Jack Russel Terrier, Border Terrier, Cairn Terrier, Deutscher Jagdterrier und Foxterrier, aber auch Teckel (Dackel) gehören. Die Solitärjäger wurden überwiegend für die Baujagd eingesetzt. Wer im Bau plötzlich dem Fuchs gegenübersteht, muss selbst sehen, wie er damit klarkommt und darf nicht so empfindlich sein.
 
  • Vorteile: Hervorragender Jagdinstinkt; als Familien- und Jagdhunde einsetzbar; sehr eigenständig; wunderbar lernfähig.
  • Nachteile: Wenn das Jagdverhalten nicht in Formen gelenkt und trainiert wird, der Hund also keine sinnvolle Aufgabe bekommt, kennt er kein Halten mehr und sucht sich seine eigene jagdliche Beschäftigung; Neigung zum Weglaufen und Katzenjagen.
  • Besonderheiten: Einige Rassen werden nur an Jäger abgegeben. Eine Jagdhundeprüfung sollte Pflicht sein, wenn Du den Hund jagdlich nutzen möchtest. Vorsicht bei Terriern: Viele legen sich einen zu, weil sie so klein und niedlich sind. Dabei gehören Terrier zu den eigensinnigsten Hunderassen mit dem höchsten Jagdinstinkt. Werden sie nicht ausgelastet, können sie zu einer echten Herausforderung werden.
  • Empfehlung: Jagdhunde neigen dazu, sich auch schonmal alleine auf Spurensuche zu begeben, wenn sie nicht sinnvoll beschäftigt und ausgelastet werden. Wichtig ist hier, die Rückrufbarkeit zu trainieren! Gezielte Arbeit mit den Hunden ist unerlässlich, sodass sich der Hund auch abrufen lässt, wenn vor ihm ein Tier losläuft. Eure Hofkatzen werden es Euch danken!
  • Für Sie geeignet, wenn: Jäger bist oder darüber nachdenkst, einen Jagdschein zu machen; viel Spaß an der Arbeit mit dem Hund in der freien Natur hast und mit einem toptrainierten Hund so richtig Eindruck schinden willst.
Autorin: Silvia Eichen ist Hundetrainerin und bietet Kurse und Themenvorträge u.a. zu Rückruftraining, Anti-Jagdtraining und Alltag mit Hund an sowie Einzel- und Gruppentraining wie auch Beratung vor dem Hundekauf.