Umwelt WHO: Glyphosat ist 'wahrscheinlich krebserregend'

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Experten aus elf Ländern stuften das Herbizid Glyphosat jetzt als 'wahrscheinlich krebserregend' ein. Auch die Insektizide Melathion und Diazinon gehören in diese Gefahrengruppe.

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Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid in der konventionellen Landwirtschaft.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält das Herbizid Glyphosat nach einer Neubewertung als 'wahrscheinlich krebserregend bei Menschen'. Die Einstufung erfolgte bei einem einwöchigen Treffen von Experten aus elf Ländern in Lyon. Zuvor hätten sie fast ein Jahr lang Studien ausgewertet, teilte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) am Freitag mit. Damit widerspricht die Organisation der bisherigen Einschätzung des Bundesamts für Risikobewertung (BfR).
 
Das Fachjournal "The Lancet" veröffentlichte dazu einen kurzen Artikel, in dem steht, dass Glyphosat in Blut und Urin von Landarbeitern gefunden wurde. Dies zeige, dass das Herbizid über den menschlichen Körper aufgenommen wird.

Einstufung

Die Forscher stuften folgende Pflanzenschutzmittel in die zweithöchste Gefahrengruppe 2A (wahrscheinlich krebserregend für Menschen) ein:
  • Glyphosat: Das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid
  • Melathion: Insektizid, das weltweit eingesetzt wird
  • Diazinon: Selten verwendetes Insektizid
In die Gefahrengruppe 2B (möglicherweise krebserregend für Menschen) wurden folgende Pflanzenschutzmittel eingestuft: 
  • Tetrachlorvinphos: Verboten in der EU, in den USA wird es noch eingesetzt
  • Parathion: Seit 1980 in der EU und den USA verboten
Für Glyphosat gebe es "begrenzte Belege für Karzinogenität", bei Menschen könne das Unkrautvernichtungsmittel Krebserkrankungen des Lymphsystems auslösen, teilt der Informationsdienst Gentechnik mit. Dabei beziehen sich die WHO-Experten auf Studien aus Schweden, den USA und Kanada. Dort waren kranke Landwirte, die mit Glyphosat gearbeitet hatten, untersucht worden. Zudem gebe es "überzeugende Belege" dafür, dass Glyphosat bei Labortieren wie Mäusen und Ratten Krebs verursache.

Hintergrund zu Glyphosat

Die Einstufung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Dieses Jahr soll die Zulassung von Glyphosat in der EU um weitere zehn Jahre verlängert werden. Bereits Ende des Monats muss das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) einen abschließenden Bericht dazu an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit schicken.
 
Glyphosat wurde ursprünglich nur von Monsanto unter dem Markennamen "Roundup" vertrieben. Weil der Patentschutz abgelaufen ist, gibt es mittlerweile viele Hersteller. Der Wirkstoff Glyphosat ist mittlerweile in über 750 Produkten enthalten, allein in Deutschland sind 92 auf dem Markt. Es wird neben der Landwirtschaft auch in Wald und Garten verwendet. 
 
Die detaillierte Bewertung der IARC wird noch veröffentlicht. Eine Zusammenfassung erschien im Fachjournal The Lancet.