Baden-Württemberg Jede zweite Biogasanlage weist Mängel auf

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Fast jede zweite Biogasanlage in Baden-Württemberg weist bauliche oder betriebliche Mängel auf. Ein Untersuchungsbericht zeigt, wo die Anlagenbetreiber nachbessern müssen.

Aktuelle Zahlen bestätigen das Untersuchungsergebnis des Landesumweltministeriums Baden-Württemberg zum Stand der Anlagensicherheit im Biogasbereich. Im März dieses Jahres veröffentlichte das Ministerium die Ergebnisse einer Untersuchung, bei der bis zu dem Zeitpunkt 85 Prozent der baden-württembergischen Biogasanlagen auf bauliche und genehmigungsrechtliche Mängel untersucht worden sind. Die Zahlen der restlichen 15 Prozent (Regierungsbezirk Tübingen) bestätigen nun das Mängelbild. Insgesamt wurden fast an jeder zweiten Anlage Mängel festgestellt.

Keine Stilllegungen nötig

"Es ist ein unerfreuliches Mängelbild, aber nicht außergewöhnlich besorgniserregend", kommentiert der Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen, Daniel Hahn, das Ergebnis. "Es wurden in keinem Fall so schwerwiegende Mängel festgestellt, dass eine Stilllegung gerechtfertigt gewesen sei", so Hahn. Der letzte große Schadensfall ereignete sich im Jahr 2007 bei einer Biogasanlage in Daugendorf, deren Fermenter beim Befüllen geborsten ist.

Die häufigsten festgestellten Mängel:

  1. Bauliche oder leistungserhöhende Maßnahmen wurden ohne die erforderliche Zulassung durchgeführt.
  2. Bei jeder vierten Anlage wurden Mängel hinsichtlich der Einhaltung wasserrechtlicher Anforderungen festgestellt.
  3. Zwei Drittel der Mängel wurden an den Substratlagern festgestellt (überfüllte, undichte oder fehlende Fahrsilos).
  4. Häufig traten Mängel bei der Entwässerung der Lager- und Betriebsflächen oder bei den Leckage-Erkennungseinrichtungen auf.
  5. Bei etwa 11 % der überprüften Anlagen wurden vor Ort grobe Bauschäden oder andere bauliche Mängel festgestellt.
  6. Festgestellte Mängel im Explosionsschutz waren bei knapp 7 % der überprüften Anlagen zum Zeitpunkt der Besichtigung noch nicht behoben.
  7. Bei 6,5 %  konnte der Betreiber keine Betriebsanleitung in deutscher Sprache vorlegen.

'Anlagenbetreiber sind überfordert'

Viele Betreiber seien offenbar mit der Vielzahl und der Komplexität der geltenden Vorschriften im Bereich des Umwelt- und Arbeitsschutzes überfordert, erklärte Umweltminister Franz Untersteller zu den Ergebnissen der Überprüfungen: "Fehlende oder unzureichende Kenntnisse führen fast zwangsläufig zu Fehlern. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Anlagen prüfen." Die Überwachung von Biogasanlagen wird von den zuständigen Behörden im Rahmen ihrer Zuständigkeiten fortgeführt.

Anlagen sind störanfällig

Die Ursache für die Sicherheitsprobleme bei Biogasanlagen sei vielschichtig, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Mit der massiven Förderung durch den Bund seien die Hersteller anfangs mit der Produktion nicht nachgekommen. Das habe sich auf die Qualität ausgewirkt. Experten bestätigen der Zeitung die "dramatische Situation im Biogasbereich". Die Anlagen seien mittlerweile in die Jahre kommen und würden störanfälliger.