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Qualitätskontrolle

10 Tipps zum Düngerkauf

Abladen von Mineraldünger
am Freitag, 02.11.2018 - 05:03 (Jetzt kommentieren)

Ihre Ernte kontrolliert der Landhandel genauestens. Umgekehrt sollten Sie genauso sorgfältig hinsehen, denn gerade beim Dünger kauft man oft die Katze im Sack. Wir sagen, worauf Sie dabei achten müssen.

Wenn die Düngerqualität nicht passt, zeigt sich das beispielsweise bei der Querverteilung oder an der Feldgrenze.

Wareneingangskontrollen sind beim Handeln von landwirtschaftlichen Gütern selbstverständlich. In ähnlicher Form brauchen wir sie dringend auch beim Einkauf von Düngemitteln, fordert Ulrich Lossie von der DEULA Nienburg und gibt Tipps zur Lösung dieser Probleme.

1. Beim Einkauf Herkunft und Qualität definieren

Bislang entscheidet vor allem der Preis über den Düngereinkauf. Die Qualität wird selten schriftlich festgelegt und kontrolliert. Bei Massendünger wie Kalkammonsalpeter (KAS) oder Harnstoff unterscheiden Händler im Wesentlichen zwei Waren: Ware definierter Herkunft, wo der Hersteller bekannt ist, oder Ware undefinierter Herkunft.

Bei Letzterer kann der Großhändler die billigste Ware vom Weltmarkt anbieten. Bekannt sind nur die Düngerart und der Nährstoffgehalt. Das muss nicht automatisch zu Problemen führen, aber der Einkauf wird zum Glücksspiel. Nur bei bekannter Herkunft lassen sich physikalische Qualitätsparameter einordnen oder sogar schriftlich festhalten. Das sollten Sie beim Einkauf tun.

Richtig teuer wird es, wenn ein vermeintlich billiger Dünger zu einer schlechten Querverteilung im Feld und an der Feldgrenze führt und der Staubanteil zu einer hohen Nährstoffabdrift beiträgt.

2. Wareneingang kontrollieren

Wer über Qualität spricht, muss sie auch kontrollieren. Besonders Staub ist kritisch: Er lässt sich weder mit Scheiben- noch mit Pneumatikstreuern zielgerichtet ausbringen.

Schüttelboxen und Kornhärtetester sollten auf keinem landwirtschaftlichen Betrieb fehlen. Leider ist der Bezug etwas umständlich und die Preise schrecken ab. Schüttelboxen sind für rund 50 Euro beispielsweise über den Ersatzteilvertrieb von Kverneland, Bogballe und Bredal erhältlich.

Zum Testen der Kornhärte hat Bogballe ein Messgerät für 80 Euro im Angebot oder man behilft sich mit einer normalen Standwaage und einem Rundstahl. Weiche Ware führt zu einer veränderten Querverteilung, zu Körnerbruch und damit zu Staub beim Ausbringen.

3. Gleichmäßig einlagern

Bei der Ausbringung mit einem Scheibenstreuer ohne Querverteilungssensor ist das wichtigste Qualitätsmerkmal die Homogenität der Ware.

Je weiter das Korngrößenspektrum, je ungleichmäßiger die Form der Körner und je höher der Bruchkorn- und Staubanteil sind, desto größer ist die Gefahr des Entmischens beim Einlagern.

Durch Vermeidung von Schüttkegeln lässt sich die Entmischungsgefahr reduzieren. Das Förderband sollte häufig umgestellt werden und Wurfschleudern grundsätzlich der Vergangenheit angehören. Ein Abkippen und Aufschieben mit dem Teleskoplader führt zwar zu etwas Überfahrverlusten, kann aber das Entmischen verhindern.

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4. Lager vor Feuchtigkeit schützen

Auf dem Feld brauchen wir eine gute und schnelle Löslichkeit der Mineraldünger durch Feuchtigkeit. Dort freuen wir uns daher über ihre hygroskopische Eigenschaft. Gleichzeitig ist sie aber auch der Feind einer guten Lagerstabilität.

Oft reicht schon eine relative Luftfeuchte von mehr als 75 Prozent bei Harnstoff und 65 Prozent bei KAS, um den Dünger zum Quellen zu bringen.

Jede Umlagerung und jeder Tag ohne Abdeckung erhöht das Risiko von weichen Körnern und Klumpenbildung.

Daher sollte das Düngerlager möglichst feuchtigkeitsundurchlässig sein, Düngerhaufen sollten abgedeckt und Tore geschlossen werden. Temperaturschwanken in der Halle sind ebenso wie Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Feuchte Böden etwa mit Betonid abstreuen.

5. Mischen nur mit hochwertigen Komponenten

Düngermischungen bringen arbeitswirtschafliche Vorteile – mit einer Überfahrt ist alles erledigt. Sie bergen aber auch Risiken. Grundsätzlich sollten die Mischkomponenten ähnliche physikalische Eigenschaften aufweisen, zum Beispiel in Kornform, Korndurchmesser, Oberflächenbeschaffenheit und Schüttgewicht.

Problematische Komponenten wie kleinkörniges Schwefelsaures Ammoniak (SSA) entmischen sich beim Umlagern und Ausbringen leicht. Bei größeren Arbeitsbreiten führt das zu einer ungleichmäßigen Längs- und Querverteilung. Fehler beim Ausbringen von Kalium und Phosphor fallen optisch nicht auf, führen aber zu Ertragseinbußen.

Teilweise reagieren die Komponenten miteinander. Der Bundesverband der Düngermischer e. V. gibt dazu hilfreiche Hinweise. 

6. Bei Big-Bag-Ware auf Erzeugerabfüllung achten

Alternativ zur losen Düngerlieferung bietet sich Big-Bag-Ware an. Sie hat von der Produktion bis zur Ausbringung so gut wie keinen Kontakt zur Außenluft und mechanische Belastungen durch Umlagerung verändern das Korn nicht.

Zweischichtige Big Bags mit zusätzlicher Innenfolie bieten die höchste Sicherheit bei der Kornqualität.

7. Big Bags lassen sich gut lagern

Wer den Dünger selbst lagert und Wert auf ein hohes Maß an Flexibilität beim Ausbringen legt, ist mit Big-Bag-Ware gut beraten. Bis zu drei Säcke lassen sich übereinander setzen; die Standsicherheit ist aber zu beachten. Außenlagerung nur mit zweischichtigen Big Bags.

Außerdem sollte die untere Reihe auf Paletten gesetzt werden. Eine Palette auf der oberen Reihe und eine darüber liegende helle Folie schützen vor Sonneneinstrahlung.

8. Warenbegleitpapiere sind ein Muss

Nur wer die genaue Herkunft der Ware kennt, kann die richtige Grundeinstellung per Streutabelle vornehmen. Obwohl vorgeschrieben, ist es bei einigen Händlern noch nicht selbstverständlich, dass bei Lieferung ein detailliertes Warenbegleitpapier mit Hinweis auf den Hersteller und den Produktionsort ausgehändigt wird.

9. Harnstoff und KAS nie gemeinsam

Werden KAS und Harnstoff in unmittelbarer Nähe gelagert oder kann Staub beim Ein- oder Auslagern auf die jeweils andere Sorte ziehen, kommt es zu einem massiven Feuchtigkeitseintritt in die Ware. Körnerzerfall und Klumpenbildung sind die Folge.

Lagern Sie diese Düngerarten möglichst in getrennten Hallen.

10. Vorsicht bei aufbereiteter Ware

Kommt es bei der Lagerung oder beim Transport zu Fehlern, wird die Ware oft mit Düngerbrechern aufbereitet.

Was auf den ersten Blick gut aussieht, enthält aber deutlich erhöhte Anteile an Bruchkorn und Staub. Die Korngrößen trennen sich zudem auf und die Kornhärte nimmt ab.

Mit Material von Ulrich Lossie, DEULA-Nienburg

Der Düngersteuer für den Frontanbau in Bildern

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